Mars ist ein Schokoriegel und Saturn ein Elektromarkt (Rezension zum Bild-Artikel)

imageEigentlich lese ich ja keine Bild-Zeitung. Weder das Online-Portal, noch die Paper-Version. Aber wie das mit dem “Eigentlich” immer so ist, tue ich es dann und wann doch.

Immer aber nur dann, wenn es um Astronomie geht und vor allem, wenn einmal eine kritische Stimme gegenüber der Politik erhoben wird.

Mir ist nämlich schon bewusst das die Bild-Zeitung eine sehr hohe Reichweite hat und natürlich möchte ich mit meinen Veranstaltungen (Lange Nacht der Astronomie in Berlin) auch gern da rein.

Dieses mal geht es aber um die Astronomie an Schulen und dieses Thema interessiert mich persönlich sehr. Daher möchte ich den Artikel hier im Blog kurz besprechen.

Der Bild-Artikel auf dem regionalen Bild-Portal für Dresden fängt mit der Überschrift Schüler kennen Mars nur als Schoko-Riegel an. Nicht unbedingt so reißerisch wie man es sonst von der Bild-Zeitung gewohnt ist.

Schließlich hätte man nach dem lesen des Titels sagen können: Ja, stimmt doch auch!

Nimmt man aber die Teilüberschrift darüber (ich kenne jetzt nicht den Fachausdruck dafür – ein Subtitel ist es ja nicht), dann versteht man worauf das ganze hinausläuft.

Es geht um Astronomie in Schulen und um das Thema, dass Schüler immer weniger über die astronomischen Zusammenhänge in unserem Sonnensystem und darüber hinaus wissen.

Die Schuld wird hier ganz klar dem fehlenden Schulfach Astronomie gegeben und das dieses auch in Sachsen 2007 abgeschafft wurde.

Vorweg muss ich noch sagen, dass der Artikel von einem Dr. Juergen Helfricht geschrieben wurde. Das nur zur Nebeninfo. Laut Wikipedia ist Jürgen Helfricht Astronomiehistoriker und Publizist. Er weiß also worüber er da schreibt bzw. er sollte es wissen.

Im ersten Absatz heißt es dann auch schon:

Astronomen schlagen Alarm, fordern die Wiedereinführung des 2007 abgeschafften Schulfachs Astronomie in Klasse 10.

Naja, das liest sich so als würden wir Astronomen erst jetzt Alarm schlagen. Das tun Astronomen und die entsprechenden Vereinigungen aber schon seit Jahren. Das ist also nichts neues und aufregendes sondern darüber hätte man kontinuierlich schon immer schreiben können.

Trotzdem ist die Forderung nicht ganz unberechtigt. Würde das Fach Astronomie wieder an Schulen eingeführt werden, würden diese Missstände (siehe Artikeltitel) auch nicht mehr existieren. Den mit einem hat der ganze Artikel schon recht.

Die Allgemeinbildung bezüglich unserer Erde, unseres Platzes im Sonnensystem und über Grundwissen über das Universum nimmt eher ab als zu. Das zumindest muss ich bei vielen Veranstaltungen und Gesprächen immer wieder feststellen.

Das höhere Ziel der Astronomie an Schulen stellt aber Prof. Dr. Dieter Herrmann in einem Zitat klar:

„Die Spar-Politiker vergessen, dass Astronomie Jugendliche für Wissenschaft und Technik – und damit für ein naturwissenschaftliches Studium begeistert. Außerdem trägt sie zur interkulturellen Verständigung bei.“

Hier spricht mir Prof. Herrmann aus der Seele. Da ich ebenfalls in Berlin wohne und Ihn schon häufiger treffen und mit Ihm reden konnte, teile ich seine Auffassung zur Astronomie fast zu 100%.  Auf diversen Vorträgen, die er bis heute hält, postuliert er immer wieder diesen Weg der Förderung von Jugendlichen und Kindern und den damit verbundenen Aufbau des Nachwuchses in den Wissenschaften.

Ich persönlich kenne kaum einen Wissenschaftler der keine Vorgeschichte ala “Mein Vater zeigte mir den Sternhimmel und den Kosmos, deshalb habe ich Physik studiert!”

Häufig gibt es Initialzündungen und eine dieser Zündungen kann halt einfach die Astronomie sein.

Sehr geht dieser recht kurze Artikel weiter und endet mit einem Zitat des Sprechers des sächsischen Kultusministeriums: Dirk Reelfs (54):

„Die gegenwärtige Regierung plant keine Wiedereinführung des Astronomieunterrichts.“

Zwei Dinge die mich stören

Bei diesem Artikel gibt es wieder einmal zwei Dinge die mich stören.

1. Es gibt keinerlei Ansatz für eine Verbesserung der Situation. Im Endeffekt könnte ein solcher Artikel ja der Startschuss zu einer intensiven Diskussion sein. Viele Astronomen und astronomischen Einrichtungen machen sich Gedanken wie man wohl wieder Astronomie tiefer in den Schulunterricht integrieren könnte.

Doch das Ende des Artikels ist das Abbügeln der Politiker und die Beendigung der noch nicht gestarteten Diskussion.

Hier wäre es vielleicht einmal Zeit eine Untersuchung zu starten ob das Wissen oder Unwissen der Jugendlichen und auch der Erwachsenen wirklich so erschreckend gering ist.

Ich weiß aus eigener Erfahrung das das Interesse der Bevölkerung mehr über den Sternenhimmel zu wissen weitaus Größer ist.

2. Schau ich mir den Bildartikel an, stoße ich gleich am Anfang des Artikels auf eine interne Werbung. Also auf eine Verlinkung ähnlicher Beiträge. Ich glaube ich muss das nicht viel zu sagen. Hier der Screenshoot zu diesem Bereich:

image

Ich lasse das mal unkommentiert, denn es ist genau das Anzeichen warum die Menschen so wenig über den realen Sternenhimmel wissen. Auch die Medien haben dort Ihren Anteil an der “Volksverdummung”. Schließlich lässt sich mit Horoskopen viel mehr Geld verdienen als mit realen Sternkonstellation.

Fazit

Wird sich was ändern? Nein, leider nicht. Der regionale Teil der Bildzeitung ist zu klein und wahrscheinlich auch zu unbedeutend. Schön ist das es immer noch Menschen bei den Medien gibt, die darüber berichten. Natürlich könnte viel mehr darüber geschrieben werden, aber warum sollte das die Zeitung tun? Mehr als ein müdes Lächeln wird dieser Artikel bei niemandem bewirken. Leider!

Es heißt einfach weiterkämpfen und sich stark zu machen. Die Community ist nicht wirklich groß und daher muss auch hier an einer besseren Vernetzung gearbeitet werden.

Es gibt zwar immer mal wieder Vorstöße, aber die meisten verlaufen doch eher im Sande. Mal schauen was 2016 noch so bringt.

Quelle: Bild-Zeitung Regional Dresden Schüler kennen Mars nur als Schoko-Riegel

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One comment

  1. Adam sagt:

    Hallo.

    Mir stellt sich da die Frage ob ‘Astronomie’ wirklich jemals ein eigens Fach war?
    Im Süden des Landes war (und ist) es Teil des Physikunterichs, fallweise auch Teil des Erdkundeunterrichts. U.a. mit dem Bereichen Garvitation, Kreisbahnen…
    Und ich meine mich erinnern zu könne, dass es bereits in der Grundschule Teil des “Heimat- und Sachkunde” Unterrichts war. Zumindest haben wir da die Himmelrichtungen gelernt (und ich hab’s erstmal nicht begriffen, daher die gute Erinnerung).

    An sich ist die typisch deutsche Aufteilung in einzelne Fächer sowiso eine überholte Art des Utnerrichts.
    Länder wie Finnland sind da schon weiter und machen themenbezogenen und somit fächerübergreifenden Unterricht.
    So wird ein Thema tage- oder wochenlang behandelt und von allen Seiten beleuchtet. Da fließt dann Physik, Chemie, Biologie, Georgrafie, Geschichte u.a. mit ein und geht ineinander über.
    Das führt zu einem wesentlich besseren Lerneffekt, da z.B. Formeln nicht einfach auswendig gelernt werden, sondern Teil eines komplett zu begreifenden und in allen möglichen Bereichen des Wissens (und Gehirns) veranketen Systems werden.

    Und genau so sollte auch Astronomie in einem umfassenden Konzept altersgerecht vermittelt werden. Mit all ihren physikalischen, geologischen, chemischen, biologischen und geschichtlichen Zusammenhängen.
    Denn ein Auswendiglernen von Entfernungen, Anordungen von Planeten oder Kreisbahnberechnungen wird wieder nur zu einem “Fressen von Fakten und Formeln und Auskotzen in der Prüfung” führen, wie es bereits im viel zu abstrakten, von der Realität abgekoppeten Mathematikunterreicht beobachtet werden kann.

    Das ganze mit kleinen Klassen, ohne übermäßigen Frontalunterricht, mit motivierten Lehrern und viel Staunen über die Vielfalt des Seins, Werden und Vergehen.

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