Beobachtungstipp: Der Merkur vor der Sonne (Merkurtransit am 9. Mai 2016)

mercuryIm Jahr 2015 bekamen wir Hobbyastronomen einige herausragende Ereignisse über Deutschland zu sehen. Zum einen gab es eine partielle Sonnenfinsternis in der ersten Jahreshälfte und in der zweiten eine totale Mondfinsternis.

Nun gibt es in diesem Jahr zwar keine Sonnen- oder Mondfinsternis, aber der innerste Planet unseres Sonnensystems wird vor der Sonne entlanglaufen und man kann es von Deutschland aus beobachten.

Wann das Ereignis dieses Merkurtransits stattfindet, wie man es beobachten kann und welche Ausrüstung dafür nötig ist, erfahrt Ihr hier in diesem Beobachtungstipp.


Infos zum Merkur

Der Merkur ist der innerste Planet in unserem Sonnensystem und dementsprechend auch schnell unterwegs. Für eine Umdrehung um die Sonne benötigt er nur 88 Tage.

Der Merkurtag hingegen ist in irdischer Zeitrechnung 58 Tage 15 Stunden und 36 Minuten lang. Das wäre also ein ziemlich langer Arbeitstag auf Merkur.

Der Merkur selbst besitzt keine Atmosphäre, was auch für die großen Temperaturunterschiede auf seiner Oberfläche verantwortlich ist. So ist es auf der Nachtseite des Merkurs -173°C kalt und auf der Tagseite wird es bis zu +427°C warm.

Merkur Erde VergleichDurch seine Nähe zur Sonne kann man Merkur immer nur zu ganz speziellen Zeiten beobachten. Nämlich genau dann, wenn er möglichst weit vor der Sonne aufgeht oder möglichst spät nach der Sonne untergeht. Man muss also die beiden entferntesten Bahnpunkte des Merkurs abwarten und auch dann sollte man vorsichtig bei der Beobachtung sein.

Sein Durchmesser beträgt gerade einmal 4879 km und damit ist er um einiges kleiner als die Erde.

Warum sind Merkurtransits so selten?

Da Merkur sich in der Zeit eines Erdenumlaufs um die Sonne ganze 4x um die Sonne bewegt, stellt sich hier natürlich die Frage: Warum Merkurtransits dann so selten sind?

Rein rechnerisch könnte man ja alle 116 Tage einen Merkurtransit sehen, wenn da nicht die Neigung der Bahn des Merkurs und der Erde wäre. Die Merkurbahneben (Sonne-Merkur) ist um 7° gekippt. Das führt dazu, dass Merkur immer mal wieder unter oder über der Sonne langläuft.

Nur wenn er sich genau in der Erdbahneben (Sonne-Erde) befindet, kann der kleine Planet vor der Sonne vorbeilaufen. Es muss also für einen Merkurtransit einiges zusammen kommen, damit wir einen solchen Merkurtransit sehen können.

Der Merkurtransit am 9. Mai 2016

imageAm 9. Mai ist es nun wieder so weit. Von ganz Europa aus lässt sich dieses Himmelsschauspiel beobachten. Der Transit wird dann am Nachmittag stattfinden und mit geeignetem Gerät kann man diesen Transit dann auch sehen.

In der folgenden Tabelle sind einige Zeitangaben für den Merkurtransit aufgeführt. Hierbei werden die Zeiten zu vier spezifischen Punkten des Transits angegeben.

  • t1 = der Merkurrand berührt die Sonnenscheibe (Start des Transits)
  • t2 = Merkur befindet sich nun in der Sonnenscheibe
  • tm = Zeit der nähsten Annäherung zum Mittelpunkt der Sonne
  • t3 = Merkur berührt wieder den Sonnenrand
  • t4 = Merkur ist vollständig aus der Sonne getreten (Ende des Transits)
Ortt1t2tmt3t4
Berlin13:12:05 Uhr13:15:1616:56:0220:37:1920:40:31 Uhr
Düsseldorf13:12:16 Uhr13:15:2716:56:1120:37:2120:40:34 Uhr
München13:12:1113:15:2216:56:05
Stuttgart13:12:1413:15:2516:56:0820:37:2120:40:33
Wien13:12:0513:15:1616:56:00

Bei den beiden Städten Wien und München ist die Sonne zum Ende des Transits schon untergegangen.

Beobachten des Merkur-Transits

Wie kann man nun den Merkurtransit beobachten oder gar fotografieren?

Leider ist dieser Transit nicht mit dem bloßen Auge zu sehen. Man kann sich also auch keine Sonnenfinsternisbrille nehmen oder kaufen und diesen Transit dann einfach eben so beobachten. Dazu ist der Merkur vor der Sonnenscheibe einfach viel zu klein.

Fernglas oder Teleskop

Für die Beobachtung des Transits benötigt man also ein Fernglas oder ein Teleskop. Hierbei reichen schon kleinere Geräte.


ACHTUNG: NIEMALS OHNE EINEN SONNENFILTER MIT DEM FERNGLAS ODER DEM TELESKOP IN DIE SONNE SCHAUEN. DAS FÜHRT ZU AUGENSCHÄDEN BIS HIN ZUM ERBLINDEN. DAHER IMMER MIT EINEM ENTSPRECHENDEN SCHUTZFILTER VOR DER OPTIK IN DIE SONNE BLICKEN. AUCH EIN KURZER BLICK MAL EBEN NUR SO KANN ZU MASSIVEN SCHÄDEN FÜHREN! DAHER NOCHEINMAL.!!! NIEMALS OHNE ENTSPRECHENDEN SONNENSCHUTZFILTER IN DIE SONNE SCHAUEN!!!


Der Merkurtransit verleitet leider dazu ohne entsprechenden Sonnenschutzfilter in die Sonne zu schauen. Daher auch die obige Warnung, die BITTE alle ernst nehmen sollten.

Einen Sonnenschutzfilter für das Fernglas oder das Teleskop kann man sich ganz einfach selbst bauen. Dazu habe ich hier im Blog eine Anleitung geschrieben.

Bauanleitung: Sonnenfilter für das Teleskop mit Folie selber bauen (mit Fotos)

Mit diesem Schutzfilter kann man nun Gefahrlos die Sonne beobachten und sich den Merkurtransit anschauen. Achtet bitte darauf, dass der Sonnenschutzfilter fest auf dem Tubus sitzt.

merkur-transDiese Folie kann man auch direkt hier bestellen: Sonnenfilterfolie ND5 (für ca. 15 € pro A4-Blatt bei Amazon*)

Wer noch kein Teleskop besitzt, der findet hier im Blog einige Geräte, die ich unter anderem auch an der Sonne getestet habe. Der günstigste Einstieg ist wohl das obige Celestron Cometron oder aber das FirstScope von Celestron. Erfahrungsberichte findet Ihr hier:

Erfahrungsbericht: Celestron Cometron 114az (Teil 1/2)

Erfahrungsbericht: Celestron Cometron 114AZ (Teil 2/2)

Erster Erfahrungsbericht zum Celestron FirstScope 76

Zusätzlich mit der Sonnenfilterfolie kommt man beim FirstScope auf unter 100 € und kann es natürlich auch später am Mond oder z.B. am Planeten (Jupiter und seine Monde) einsetzen.

Wer sich gleich entscheidet mit dem Merkurtransit in das Hobby Astronomie einzusteigen, sollte sich die gesamte Seite Teleskop kaufen einmal anschauen. Hier erhaltet Ihr viele Tipps und Tricks für den Teleskopkauf.

Merkurtransit fotografieren

Natürlich werden einige Hobbyastronomen den Merkurtransit auch wieder fotografisch festhalten wollen. Das werde ich natürlich auch probieren. Im wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten den Merkurtransit zu fotografieren.

1. Kamera mit Zoomobjektiv

Die Sonnenscheibe besitzt einen scheinbaren Durchmesser von gerade einmal 0,5° am Himmel. Das scheint für viele jetzt ziemlich klein, ist aber leider so!

Nun kann man mit einer normalen Kamera nicht sonderlich viel vom Transit sehen. Hier reichen die Objektive oft nicht aus um die Sonne nah genug heranzuholen.

Zoomobjektive an den Kameras helfen aber schon und so kann man den Transit mit einem Zoomobjektiv und der entsprechenden Filterfolie sichtbar machen.

Da ich nun nicht jedes Equipment der Hobbyastronomen kenne, gibt es hier einen kleinen Tipp: Der Field of View-Calculator von David Campbell ist super geeignet um zu schauen wie Groß die Sonne für sein eigenen Equipment ist.

Nehme ich hier eine Brennweite von 250mm für ein normales Zoomobjektiv an und wähle meine Kamera dazu aus, in meinem Fall die Canon 600D, kann ich sehen wie groß die Sonne auf dem Chip dargestellt wird.

Achtung, die Teleskopwahl ist hierbei erst einmal egal. Ich setze hier per Hand die Brennweite des Objektives ein.

image

Hier kann man nun also sehen, dass die Sache mit 250 mm schon etwas Grenzwertig wird.

2. Teleskop mit Kamera

Besser wird es nun, wenn ich ein Teleskop verwendet und meine Kamera an das Teleskop hänge. Hier kann man dann mit den Brennweiten oder eine Barlowlinse schon gut Chip-füllend fotografieren.

Wer zwar ein Teleskop besitzt, aber nicht weiß wie er die Kamera daran bekommt, kann sich diesen Artikel gern einmal durchlesen: Wie bekomme ich meine Kamera an mein Teleskop? (Astrofotografie)

Für meinen Skywatcher Startravel 102/500 (Erfahrungsbericht zum Gerät) mit einer 2x Barlowlinse sieht das ganze dann schon ganz anders aus:

image

Hier werde ich wohl auch meine Planetenkamera, die QHYCCD 5-II-L monochrom verwenden und die Sonne damit aufnehmen. Falls ich bis dahin noch mein Bresser Lunt besitze, dann mach ich das auch im H-Alpha-Licht. Mal schauen was da so an Aufnahmen entsteht.

Wo kann man sich den Merkur-Transit anschauen?

Zum heutigen Zeitpunkt stehen noch keine Beobachtungsprogramme fest. Im empfehle jedem einfach mal beim örtlichen Astronomieverein, der Sternwarte oder dem Planetarium nachzufragen. Dort sitzen die Hobbyastronomen und diese werden sich das Ereignis nicht entgehen lassen.

Sobald ich hier Informationen zu den Events habe, werde ich das natürlich im Blog noch beschreiben. Auch falls wir in Berlin etwas besonderes planen, wird das hier angekündigt. Am besten ist es wohl mit auf Twitter unter @gottie29 oder auf Facebook auf der ClearSky-Blog-Seite zu folgen.

Ich hoffe auf jeden Fall das wir wieder Glück haben und das Wetter entsprechend mitspielt. Ich drücke auf jeden Fall für alle die Daumen. Falls Ihr noch Fragen habt, dann hinterlasst einfach ein Kommentar unter diesem Beitrag.

Infografik zum Merkurtransit

Ich habe mir noch einmal die Arbeit gemacht und alle Informationen auf einer Infografik zusammen gefasst.

Im Artikel Infografik zum Merkurtransit am 9. Mai 2016 findet Ihr unterschiedliche Auflösungen dieser Infografik.

 

 

Bildquellen: NASA.gov (Titelbild) und Stellarium

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4 comments

  1. J.Schiffmann sagt:

    “Zoomobjektive an den Kameras helfen aber schon und so kann man den Transit mit einem Zoomobjektiv und der entsprechenden Filterfolie sichtbar machen.” Ein Zoom ist ein Objektiv mit variabler Brennweite – es gibt auch Weitwinkelzooms!!Hier ist wohl eher ein Tele gemeint – und da ist eine Festbrennweite eigentlich besser als ein Zoom…

    • Stefan Gotthold sagt:

      Du hast natürlich recht. Im Artikel meine ich mit Zoom-Objektiven die Tele. Mit den Festbrennweiten habe ich aber NULL Erfahrung, daher kann ich da weniger zu sagen.
      VG,
      Stefan

  2. Cihan sagt:

    Danke für den tollen Beitrag. Wie faszinierend das alles ist.

  3. Martin sagt:

    Ich hatte leider nicht die Möglichkeit mir das Schauspiel mit anzusehen,
    habe mir aber sagen lassen, dass dies sehr schön anzusehen war. :/
    Hoffe beim Nächsten bin ich dabei, auch wenns noch etwas bis zum nächsten dauert! :)

    Martin

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