Vom Planetenvideo zum fertigen Astrobild (Anleitung Astrofotografie) – Teil 2: Schärfen mit Registax6

Titelbild2Nachdem der erste Teil der Serie “Vom Planetenvideo zum fertigen Astrobild” gestern auf so hohe Resonanz gestoßen ist und ich in den anschließenden Diskussion auf Facebook und hier im Blog extrem viel gelernt habe, möchte ich im 2. Teil nun auf die weitere Bearbeitung des Jupiterbildes eingehen.

Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, kann das gern hier nachholen:  Vom Planetenvideo zum fertigen Astrobild (Anleitung Astrofotografie) – Teil 1: Analyse und stacken in Autostakkert2

In diesem Teil wird es um die Bildbearbeitung in der Astro-Software Registax6 gehen.


Kurzer Rückblick

Im gestrigen Artikel habe ich beschrieben, wie ich ein aufgenommenes Planetenvideo (in dem Fall Jupiter) mit der Software Autostakkert2 bearbeitet. Da ich in diesem Artikel auch die Bilddaten der Aufnahme mit FireCapture dargestellt habe, kamen zwar eher weniger Rückmeldungen zur Bearbeitung mit AS2!, dafür umso mehr Hinweise auf die Aufnahme des Videos.

Hier habe ich also noch relativ viel Potential, die Rohdaten zu verbessern. Ich persönlich finde es aber nicht schlimm hier gleich mit den besten Rohdaten den Prozess darzustellen. Schließlich sehe ich mich nicht als Astro-Foto-Profi an und das hilft sicherlich einigen Einsteigern.

Weiterhin habe ich dann doch beschlossen noch einen Artikel über FireCapture zu erstellen. Also einen Artikel zur Aufnahmesoftware. Da hat sich in den letzten Jahren viel getan und die neue Funktionen scheinen die Aufnahme von Planeten noch zu verbessern.

Das kommt dann aber erst später und wenn ich mit der neuen Version von FC mal am klaren Himmel arbeiten konnte.

Die Rohdaten nach dem Stacken

Heute machen wir genau da weiter, wo wir gestern aufgehört haben. Wir verwenden das analysierte und gestackte TIF-Bild des Jupiters und verarbeiten dieses nun in der Software Registax Version 6 weiter.

Hier könnt Ihr natürlich gern mitmachen und Euch meinen Jupiter als Vorlage herunterladen.

Da ich meinen Prozess mit Registax immer auf dem MAC in einer Wine-Umgebung durchführe, muss ich mir für diesen Artikel erst einmal Registax auf dem Windowsrechner installieren.

Registax bekommt Ihr kostenlos hier heruntergeladen: Webseite Registax 6

Man kann natürlich mit Registax6 auch sein gesamtes Planetenvideo stacken und anschließend schärfen. Wie ich aber gestern schon erwähnte finde ich die Ergebnisse nicht ganz so überzeugend.

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Laden des Bildes und die Wavelet-Filter

imageDie große Stärke von Registax6 liegt in den Wavelet-Filtern. Damit wir aber nun in Registax arbeiten können, müssen wir uns TIF-Bild laden.

Dazu reicht es oben links auf Select zu klicken und das ungeschärfte(!) TIF-Bild zu selektieren. Hat man das Bild ausgewählt kommt meist die Frage von Registax “Stretch intensity-level?”. Diese bestätige ich mit YES und das Bild taucht dann im Hauptfenster von Registax auf.

Nun sollte sich das ganze Fenster etwas ändern und das Bild der Software sollte wie folgt aussehen.

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Registax geht nach dem Laden des Bildes direkt auf den TAB Wavelet und zeigt uns nun alle Optionen zum schärfen des Bildes. Bevor wir uns die Wavelets anschauen, gibt es hier aber noch einen kleinen Tipp.

Auf der rechten Seite von Registax gibt es die Functions. Eine dieser Functions heißt View Zoomed. Diese Funktion klicken wir an und erhalten ein Detailfenster mit einem kleinen Ausschnitt unseres Planeten. Vor allem bei Mond- und Sonnenfotos verwende ich diese Funktion sehr gern, da ich viel besser in die Details schauen kann.

Mit gedrückter Strg-Taste kann ich nun den Zoombereich mit der Maus verschieben und mir aussuchen auf was ich schauen will. Bei größeren Auflösungen muss man noch den Vorschau-Schärfebereich an diesen Ort legen. Das geht aber sehr einfach durch einen Links-Klick im Bild.

Damit wären wir erst einmal vorbereitet zum Schärfen unseren Jupiters.

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Die Wavelet-Filter-Zauberei

imageWarum schreibe ich “Filter-Zauberei” im Titel dieses Absatzes? Ganz einfach, je mehr man sich mit Registax beschäftigt und nach Informationen dazu sucht, desto mehr Tipps erhält man wie diese Wavelet-Filter richtig einzustellen gehen.

Hier kann man nämlich das ganze Bild versauen oder wirklich viel aus dem Bild herausholen. So schaffe ich es so manches mal nicht die für mich perfekten Einstellungen zu finden und verhasple mich in den Wavelets regelmäßig. Sollte das Euch auch passieren, gibt es nur einen Tipp: Macht die Software zu, wartet ein paar Stunden und fangt dann bei 0 an.

Zum Glück gibt es einige Grundeinstellung bei denen man dann immer wieder neu anfangen kann. Daher gehen wir diese heute mal durch.

Von oben nach unten in den Option:

Automatic: AUS

Hold Wavelet Setting: AUS – kann man einschalten, wenn man mehrere gleiche TIF’s bearbeiten möchte. Zum Beispiel bei einer Planetenrotation. Muss man aber bei Einzelbearbeitungen nicht.

Waveletscheme: linear

Initial Layer und Step Increment: Default

Wavelet filter: Gaussian

Das sind erst einmal die Grundeinstellungen. Diese kann man also so lassen. Nun geht es ans eingemachte.

Used Linked Wavelets

imageDiese Option sollte man auf jeden Fall einschalten. Hierbei werden alle Wavelet-Filter-Layer miteinander gekoppelt. So haben also die Filter untereinander Einfluss und verstärken Ihre Einstellungen.

Der Schärfungsprozess läuft dann in den einzelnen Layer ab. Dazu gibt es 3 Optionen die man Einstellen kann.

Mit dem Slider stelle ich die Stärke des Filter ein. Beim Verschieben sieht man, dass sich der Wert unter dem Preview ändert. Dabei wird im wesentlichen festgelegt auf wie Stark der Filter im Bild wirken soll. Schraubt diesen einfach mal hoch und runter und Ihr seht wie der Filter das Bild ändert.

Mit der Einstellung Sharpen legt Ihr den Durchmesser der Schärfung fest. Je höher dieser Wert ist, desto größere Details werden geschärft. Dabei verstärkt sich natürlich das Rauschen im Bild. Vor allem wenn man mit dem Slider und größeren Werten bei Sharpen (Schärfen) arbeitet.

Mit der Option Denoise (Entrauschen) kann man nun diesem Effekt entgegenwirken.

Eigentlich ist nun alles beschrieben und Ihr könnt nun gern ausprobieren was bei dem Jupiterbild herauskommt. Da man nun aber 6 Layer hat und dabei jeweils 3 Einstellmöglichkeiten wird das mit dem Schärfen recht kompliziert. Ich habe es beim ersten Mal nicht hinbekommen und musste mir erst einige Grundeinstellungen raussuchen.

Am Beispiel des Jupiters gehen wir einfach mal diese Grundeinstellungen durch.

Schritt 1: Einstellen der Schärfe (Sharpen)

Ich stelle vor der Bearbeitung mit Registax die Sharpen-Option wie folgt ein:

  • Layer 1: 0.08
  • Layer 2: 0.10
  • Layer 3: 0.12
  • Layer 4: 0.14
  • Layer 5: 0.16

Das sind die Grundeinstellungen für die ersten Schritte. Dabei passiert im Bild noch nichts weiter.

Jetzt folgt ein iterativer Prozess und damit beginnt das Schärfen des Planetenbildes.

Schritt 2: Verstärken und Entrauschen

Nun muss jeder die idealen Einstellungen finden und für sich anpassen bis alles passt. Hierbei gelten die eingestellten Werte aber nur für das Jupiter-Bild. Habt Ihr eigene Bilder, können die Werte natürlich abweichen. Das müsst Ihr dann entsprechend einstellen.

Ich gehe hier also exemplarisch durch das Bild und stelle nun folgendes ein:

Schritt A: Slider 1 auf Anschlag – dabei passiert noch nichts im Hauptbild. Wir sehen aber im Detailbild das hier das Rauschen zugenommen hat.

Schritt B: Slider 2 auf 90% – jetzt sieht unser Bild schon sehr zerstört aus.

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Schritt C: Denoise im Layer 1 hochdrehen auf 0,30. Das tun wir solange bis das Rauschen verschwunden ist.

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Jetzt sieht man schon worauf das ganze hinausläuft. Wichtig ist nun mit den nächsten Layern sehr vorsichtig zu Händeln. Je Größer der Wert bei Sharpen ist, desto weniger darf man am Slider drehen.

Schritt D: Slider 3 auf 30% – Dabei erzeugen wir uns wieder neues Rauschen im Bild.

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Schritt E: Denoise auf 0,4 – Hier geht es also wieder um die Rauschunterdrückung. Wir setzen in meinem Bild nun das Denoise etwas hoch.

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Schritt F: Slider 4 auf 7,3% – Jetzt geht es so weiter. Da der Slider 4 schon sehr großen Einfluss auf das Bild hat, setzen wir diesen nur noch sehr vorsichtig ein. Hier geht es nicht mehr über 10%.

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Schritt G: Denoise im Layer 1 auf 0,45 – Vor allem im Detailbild kann man nun sehen, dass ich das Rauschen nicht mehr komplett herausgenommen habe.

Ich hätte den Wert auch auf 0,5 setzen können, aber wenn man genau Hinschaut würde ich damit den schönen Wirbel in der Mittel des Jupiters (kleiner weißer Fleck) wieder entfernen und diesen will ich im Bild drin haben.

image 

Schritt H: Slider 1 im Layer 1 etwas zurückstellen. Dieser Layer ist also für das Entrauschen zuständig und mit dem Slider kann ich nun sehr fein das Rauschverhalten beeinflussen.

Mit diesem Slider kann ich also die Grenze zwischen Rauschen und Nicht-Rauschen finden. Ich habe in meinem Bild den Regler auf 50,9% reduziert.

image

Damit bin ich in der Bearbeitung von Registax eigentlich schon fertig.

Über den Knopf Do All kann ich nun die Wavelet-Filter auf das ganze Bild anwenden und anschließend das Ergebnis exportieren.

Schauen wir uns doch beide Jupiter einmal im Vergleich an.

Das Ausgangsbild sah so aus:

223302_g4_ap10Ergebnis_Registax

Das macht doch schon einen sehr großen Unterschied oder? Ich bin immer wieder fasziniert was man mit der Bildbearbeitung alles so rausbekommt.

Weitere Bearbeitungsschritte

Nun ist man soweit fertig mit dem Schärfe-Prozess. Es gibt aber noch einige Schritte die man zur Verbesserung des Bildes machen kann. Diese möchte ich aber nur kurz ansprechen, da ich für die weitere Bearbeitung das Programm Pixelmator auf dem MAC verwende und die meisten Hobbyastronomen hier eher mit Photoshop arbeiten.

Die Funktionen die man hier verwendet sind aber die gleichen.

Beschneiden und Tonwert

Als erstes habe ich natürlich das Bild etwas zurecht geschnitten. Damit verschwindet auch dieser unschöne Rand, der aus der Überlagerung herrührt.

Die wichtige Option ist aber die Tonwertanpassung. Hierbei kann ich mithilfe einiger Schieberegler die Hell- und Dunkelverteilung der einzelnen Töne im Bild anpassen. Das sorgt meist für eine leichte Kontraststeigerung und auch der etwas graue Hintergrund ist damit passe.

Das Ergebnis nach diesen beiden einfachen Schritten ist nun das Folgende:

Ergebnis_Pixelmator

Das Ergebnis findet ich schon wirklich gelungen. Vor allem freuen mich die ersten Details in den Wolkenbänder. Ein kleinen Wirbel im Hauptwolkenband und einige Ausläufer kann man nun schon gut erkennen.

Die beiden Monde zeigen mir, dass ich mein System wohl noch einmal justieren muss. Da hier eine leichte Verzerrung drin ist. Ansonsten zeigen die Monde Io und Ganymed schon eine flächige Ausdehnung. Damit sieht man wie nah man an den Jupiter herankommt.

Damit bin ich mit meinem Jupiterbild auch fertig. Nun kann ein Name rein und dann ab zu FB, Twitter & Co. und natürlich in den Blog.

Fazit und Ausblick

Die beiden Artikel sollten exemplarisch aufzeigen wie die Bildbearbeitung von Planeten funktioniert. Aus den Diskussionen und den Gesprächen zu diesen Artikeln habe ich selbst schon viel gelernt und das Ausgangsmaterial (Jupiter-Video im Teil 1) ist nicht unbedingt das Beste.

Das macht aber nichts, sondern zeigt nur was auch mit solchem Rohmaterial möglich ist. Ich bin schon recht zufrieden mit dem Jupiter, kann es aber sicherlich noch besser machen.

Wegen dem Rohmaterial wird es auch noch ein Video zur Aufnahme eines Planeten (wahrscheinlich wieder Jupiter) geben. Da hier noch viel Potential von mir verschwendet wurde.

Auch hier hoffe ich wieder auf viele Rückmeldungen. Vielleicht kann man bestimmte Schritte noch optimieren. Ladet Euch einfach das TIF-Bild herunter und probiert selbst mal die Bearbeitung des Jupiters in Registax. Ihr werdet sehen, es ist nicht wirklich schwer.

Video-Tipp: Astrohardy zeigt in seinen Videotutorials sehr deutlich was man bei der Arbeit mit Registax und anderen Programm beachten sollte. Daher möchte ich hier auf seinen Youtube-Kanal aufmerksam machen. Ihr werdet dabei einige Einstellungen wiedererkennen, die ich mir natürlich aus seinen Videos gezogen habe.

Youtube-Kanal von astrohardy

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7 comments

  1. Die beiden Monde zeigen dir, dass du mit deinem Block-Artikel Nr.2 noch nicht alles hast :P.

    Du muss noch min.! ein Artikel zum Thema Derotation mit WinJUPOS schreiben und dann noch eins für zu Jovian Impacts Detection Software :).

    http://jupos.org/gh/download.htm
    http://www.pvol.ehu.es/software/

    Mit WinJUPOS kriegst du ein besseres Bild von Jupiter hin – sogar schon mit dieser Aufnahme. Und die Monde sind dann nicht mehr so verzehrt – da derotiert.

    Weiter so! :)

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Viktor,

      WinJUPOS steht auf jeden Fall auf meiner ToDo-Liste. Ich möchte ja gern mal die Jupiter-Rotation in der Astrofotografie behandeln. Da ich es aber noch nicht auf dem Rechner habe, habe es auch lieber nicht erwähnt. Das zweite Programm kenne ich gar nicht, werde aber mal einen Blick drauf werfen.

      LG
      Stefan

  2. Ahja, noch was eingefallen:

    Beschneiden und Tonwert kann man sehr gut und sehr einfach auch in Registax6 beheben. Beides funktioniert für Planten perfekt. Beschneiden mach man im gleichen Zug wie das schärfen. Tonwert macht man dann auch gerne mit RGB-Bild.

    Dann kann man und muss man noch oft die Farben unter sich verschieben (liegt daran, dass andere Planeten wie Venus tief am Horizont liegen). Auch hier hilft Registax6 mit einer sehr guten Funktion. Noch besser ist aber Fitswork4. Das macht, anders als Registax6, diese Aufgabe ganz automatisch und sogar besser.

  3. Jörg Schneider sagt:

    Die Anleitung ist ja super gemacht, die Ergebnisse kann ich nur bisher noch nicht nachvollziehen. Ich sehe in meinen Originalen 2 Wolkenbänder, aber zum Positiven verändern lassen die sich durch Registax beim besten Willen nicht. Das Ergebnis ist entweder schlechter oder bestenfalls genauso gut wie das auch bei mir ziemlich unscharfe Original.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Jörg,
      verwendest Du den ein Video des Jupiters zur Verarbeitung oder ein Einzelbild? Falls es ein Videos ist, bearbeitest Du es nur in Registax?
      Ein paar mehr Details wären hier hilfreich. Hast Du auch Teil 1 der Serie gelesen? Dort wird die Videobearbeitung beschrieben.
      LG
      Stefan

  4. Jörg Schneider sagt:

    Servus Stefan,

    ich verwende dabei eigene avi´s. Diese stacke ich entweder mit Autostakkert oder Registax, wobei mir derzeit Autostakkert von der Benutzerführung besser gefällt. Schärfer wird´s aber mit beiden Programmen nicht. Also jedenfalls bei weitem nicht so wie Du es hier beschreibst oder man es auch woanders lesen kann. Ich vermute ja, die generierten Rohbilddaten aus dem Stackvorgang sind der Schlüssel, ist aber nur eine Vermutung. Unsere Hardware ist größenordnungsmässig ähnlich, ich habe nur einen 4″er mit 2m Brennweite (bei 2-fach barlow). Ich werde mir mal mehr Rohdaten zum Üben mit Registax besorgen

    VG Jörg

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Jörg,
      stelle mir doch Deine Rohdaten zur Verfügung, dann schaue ich mal direkt rein. Das half mir bei einigen Bearbeitungsschritten schon mehr. E-Mail findest Du ja hier im Blog.
      Ansonsten finde ich Autostakkert mittlerweile auch wesentlich besser. Nicht nur von der Benutzerführung her, sondern auch von den Ergebnissen.
      Viele Grüße
      Stefan

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