FireCapture 2.4 – die Aufnahmesoftware für Planetenfotografie (Astrofotografie)

imageEigentlich müsste dieser Artikel in meine Artikelserie Vom Planetenvideo zum fertigen Astrobild und sollte dort den ersten Platz einnehmen. Nur habe ich die Serie geschrieben und mit einem meiner Jupitervideos angefangen.

Da ich aber in der Serie sehr viele Tipps zur Verbesserung der Aufnahme der Videos bekommen habe, möchte ich heute mal eine intensiven Blick auf die Aufnahmesoftware FireCapture in der Version 2.4 legen und einige Features vorstellen.

Da das Wetter bisher aber noch nicht mitgespielt hat, muss ich bei der Vorstellung auf die Demo-Videos und Funktionen gehen. Erste Test der Software konnte ich aber an Jupiter schon durchführen.


Die Aufnahmesoftware FireCapture

Wer in der Planeten- oder Webcamfotografie unterwegs ist, benötigt natürlich eine Aufnahmesoftware. Man kann sicherlich die mitgelieferte Software der Kamera verwenden, aber diese ist niemals an die Bedürfnisse der Hobbyastronomen angepasst. Von daher empfiehlt es sich auf spezielle Aufnahmesoftware zu gehen.

FireCapture ist eine solche spezielle Software, die auf die Bedürfnisse der Hobbyastronomen angepasst ist. Entwickelt wird die Software von Torsten Edelmann und das komplett frei und kostenlos.

Seit 2008 werden hier ständig Verbesserungen und neue Funktionen eingebaut. Natürlich probiert Torsten mit der Software auch viel aus. So finden sich immer wieder Funktionen in der aktuellen Version, die dann in der nächsten Version nicht mehr existieren, da diese nicht so funktionieren wie sich Torsten das vorgestellt hat.

Auf seiner Webseite zur FireCapture findet man die entsprechenden Beschreibungen dazu und natürlich auch über den Entwicklungsweg der Software selbst.

Grundlagen von FireCapture V2.4

Die Grundlagen von FireCapture sind recht schnell erklärt.

Man lädt sich FireCapture von der Webseite herunter und bekommt dafür ein selbst-entpackendes Archiv (EXE). Diese startet man durch einen Doppelklick und gibt den Ort für die Installation an. Dabei wird ausschließlich ein Ordner mit den Inhalten zu FireCapture erstellt.

imageDas war es dann schon mit der Installation. Startet man FireCapture über das EXE, wird als erstes nach der angeschlossenen Kamera gefragt.

Hier wählt der Benutzer seine Kamera aus und startet damit die eigentliche Software.

Beim aller ersten Start muss FireCapture sich noch ein wenig einrichten und dann geht es aber auch schon los.

Während die älteren Versionen alle Bestandteile der Software in einem Fenster darstellten, ist die aktuelle Version von FireCapture nun in zwei Fenster unterteilt.

Das Einstellungsfenster und das Grafik-Fenster

Diese Unterteilung nenne ich einfach mal das Einstellungsfenster (links) und das Grafikfenster rechts.

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Während man in den Einstellungsfenster die gesamte Steuerung der Kamera eingeben und verändern kann, kann man im Grafikfenster die Ansicht des Himmelsobjektes steuern.

Ich bin eigentlich kein Freund von vielen unterschiedlichen Fenstern, aber mit einigen Tricks und Funktionen in der Version finde ich die Aufteilung sehr gelungen.

Gehen wir durch die einzelnen Bereiche doch einfach mal durch.

Das Einstellungsfenster

imageDas Einstellungsfenster bietet die Kontrolle über alle Funktionen in FireCapture. Hier findet man neben den Kameraeinstellungen auch das Histogramm und viele weitere Funktionen.

Gehen wir doch einfach mal durch die einzelnen Bereiche durch:

Bild

Im Bild-Bereich kann man die Aufnahmegröße festlegen. Hier wählt man entweder den MAX-Bereich für das ROI (Region of Interest = Die interessante Region) aus oder man selektiert einen kleineren Bereich. Das sollte man bei Planeten auch tun, da sich dadurch die Aufnahmerate der Bilder erhöht. Viele Kameras können das mittlerweile recht gut.

WICHTIG: Der kleiner blaue Pfeil in dem Fenster öffnet eine Vorauswahl an Regionen. Dadurch kann man zum Suchen des Objektes auf den MAX-Wert der Kamera gehen und anschließend selektiert man sich Bereiche von 300×300 Pixel oder 400×400 Pixel um nur noch den Planeten zentral aufzunehmen.

Steuerung

Im Bereich Steuerung geht es um die Aufnahmewerte der Kamera. Hier stellt man sich den entsprechenden Gain (Verstärkung) und die Belichtungszeiten der Kamera ein. Dieser Bereich wird von den Filtern mit manipuliert.

Aufnahme

Im Bereich Aufnahme stehen mit zum einen die Filterobjekte zur Verfügung. So kann ich eine Vorauswahl für den Steuerungsbereich wählen. Einige Objekte sind hier schon mit sinnvollen Werten vorgegeben. In den Einstellungen der Software kann ich mir weitere Filterobjekte anlegen. Je Objekt (Mars, Venus, Jupiter etc.) und Filter (Rot, Grün, Blau, UV, IR etc.) gibt es Voreinstellungen.

Weiterhin kann ich hier die Aufnahme starten und auch ein Limit für die Aufnahme angeben. Dabei kann ich z.B. sagen, dass ich nur 1000 Frames aufnehmen will oder eine Zeit z.B. 3 min angeben.

Status

Der Bereich Status gibt mir Informationen zur aktuellen Aufnahme aus. Wie viele Bilder wurden schon aufgenommen, wie viel Platz habe ich noch auf der Festplatte, Speicherbedarf (RAM) oder aber auch die aktuelle FPS (Frame per Second) Angabe findet man hier.

Histogramm

imageEine sehr wichtige Funktion findet man im Bereich Histogramm. Hier sehe ich die Helligkeitsverteilung auf dem Chip des aktuellen Aufnahmebereichs. Das Histogramm dient also der Einstellung der Belichtungszeiten und der Verstärkung (GAIN).

Optionen

Bei den Optionen kann ich einstellen was ich alles sehen möchte. Hier ist das Histogramm schon angehakt. Andere Funktionen sind dann die Fokushilfe (wird wohl in der nächsten Version wieder entfernt), das Fadenkreuz, Ephemeriden oder andere Darstellungen.

Hier gilt es also schon mal auswählen, was man beim Start der Software alles haben möchte.

Temperatur

Hierrüber kann ich gar nichts weiter sagen. Ich verwende dieses Fenster nicht und habe es auch in unterschiedlichen Videos und Beschreibungen nicht gefunden.

Einstellungen

In dem Bereich Einstellungen kann ich, wie der Name schon sagt, verschiedene Einstellungen vornehmen. Hierauf kommen wir gleich noch zu sprechen.

Vorverarbeitung

Mittlerweile kann man auch eine Bildverarbeitung im Live-Modus durchführen lassen. Daran entwickelt Torsten noch ein wenig rum. Hier kann man aber zum Beispiel die letzten 5 Bilder addieren lassen und das bei der Aufnahme der Bilder. Ich verwende diese Option noch nicht, werde Sie aber bei meiner nächsten Planetensession einfach mal ausprobieren.

Das Grafikfenster

Bevor wir uns gleich die Einstellungen anschauen, möchte ich noch kurz das Grafikfenster beschreiben.

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Das Grafikfenster unterteilt sich in eine Horizontale und eine Vertikale Toolbar (Leiste oben und links) und das Hauptfenster für die Kameraansicht.

Bei den Toolbars kann man sich unterschiedlichste Funktionen selbst definieren und das finde ich mittlerweile Super. Ich muss kaum noch in das Einstellungsfenster, sondern kann alles selbst einbauen.

Da sich hier jeder andere Funktionen in das Fenster legt, werde ich diese Funktionen nicht hier beschreiben, sondern in der Beschreibung der Einstellungen.

Die Einstellungen von FireCapture

Die Einstellungen in FireCapture haben mittlerweile einen recht großen Umfang angenommen. Ich möchte hierbei gar nicht auf alle Einstellungen eingehen, aber einige wichtige Einstellungen beschreiben.

Beginnen wir gleich mit der wichtigsten Einstellung.

Anpassung des Layouts

Wie oben beim Grafikfenster schon erwähnt, kann man sich dieses Fenster über diese Einstellungen hier anpassen.

Dabei kann ich der horizontalen und vertikalen Toolbar meine eignen Funktionen mitgeben.

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So habe ich mir, wie im Bild zu sehen ist, die ganzen Aufnahmen Start, Stoppen, Pausieren-Funktionen in die vertikale Leiste gelegt. Dabei muss ich also nicht mehr in das linke Hauptfenster wechseln.

Auch die Funktionen wie Planet zentrieren, Histogramm oder Bildgröße beschneiden, liegen nun in dieser Toolbar.

Für die Vertikale Toolbar habe ich mir Funktionen wie Fadenkreuz oder Nachtmodus hinzugefügt.

Hier reicht es aus die jeweilige Toolbar zu nehmen und über den Hinzufügebutton die Funktion herauszusuchen. Mit den Pfeilen rechts daneben kann ich die Lage verändern. Diese Funktion finde ich persönlich echt Super. Es hilft auf jeden Fall bei der Arbeit mit FireCapture.

Notfall-Aufnahme

Eine tolle weitere Funktion in FireCapture ist die Notfall-Aufnahmen.

Schaltet man diese Funktion ein, zeichnet FireCapture auch auf, wenn die Aufnahmefunktion noch nicht gedrückt wurde.

Somit hat man die Möglichkeit Ereignisse wie einen Flugzeugdurchflug vor dem Mond aus dem Speicher herauszuholen.

Profile und Filter

imageWer sehr oft mit FireCapture arbeitet, sollte sich die Einstellungen zu den Profilen und Filter anschauen. Hierbei kann man sich eigene Profile mit eigenen Einstellungen anschauen.

So kann man sich für jeden Planeten unter den Profilen ein eigenes Profil anlegen und dieses dann am Abend bei der Aufzeichnung einfach auswählen. Natürlich gehen hier auch mehrere Profile pro Planet.

Wer hingegen dann viel mit Filtern arbeitet, kann das gleiche für jeden Filter machen. Das hat dann auch noch weitere Vorteile bei der Arbeit mit FireCapture.

So kann jeder Filter sein eigenes Profil haben und die Einstellung über das Hauptfenster passen dann die jeweiligen Aufnahmeoptionen an.

TIPP: Tutorials

Da sicher einige Einsteiger in das Thema die Hilfe in FireCapture verwenden, gibt es in den Einstellungen noch einen kleinen versteckten Tipp.

Der letzte Punkt der Einstellungen zeigt die erstellten Tutorials für FireCapture an. Das sollte man sich auf jeden Fall anschauen.

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Interessante Features in FireCapture

Einige sehr interessante Features in FireCapture möchte ich hier noch ansprechen. Diese Helfen bei der Arbeit ungemein und daher sollte sich jeder diese Features zumindest einmal anschauen.

Planet zentrieren

imageDie Funktion Planet zentrieren analysiert das aktuelle Kamerafenster und schiebt den Planet in die Mitte. Das restliche Fenster schwingt dann um den Planeten herum.

Das hat den Vorteil das man sich wesentlich besser auf die Einstellungen und die Fokussierung des Planeten konzentrieren kann.

Ihr könnt das gern mal an der DummyCam von FireCapture ausprobieren. Dazu startet Ihr FireCapture einfach ohne angeschlossene Kamera und sagt bei der Meldung die erscheint, dass Ihr mit einer DummyCam arbeiten wollt.

FireCapture startet nun mit einem kleinen Marsvideo und Ihr seht wie stark der Mars im Bild tanzt. Schaltet nun die Funktion Planet zentrieren (ich habe diese in die Toolbar gelegt) ein und sieht zu, wie das Bild plötzlich viel ruhiger wird.

Bildgröße der Aufnahme beschneiden

imageEine zweite tolle Funktion ist die Bildgröße der Aufnahme zu beschneiden. So kann man direkt mit der vorherigen Funktion zusammen eine sehr gute Erweiterung von FireCapture nutzen.

Ein kleinen Nachteil haben aber beide Funktionen. Ist zum Beispiel die Montierung nicht richtig eingenordet, muss man schon sehr darauf achten, dass der Planet nicht mitten in einer Aufnahme aus dem Bild läuft. Man kann also durch die Zentrierung kaum sehen, wo der Rand des Bildes ist und wohin sich der Planet bewegt.

Der zweite Nachteil ist, dass hier das Beschneiden des Bilder nicht unbedingt die Framerate erhöht. Das war zumindest bei meiner letzten Aufnahme der Fall. Ich verwende daher die ersten Funktion zum fokussieren und die zweite Funktion um mir einen geeigneten ROI abzulesen und stelle dann das Aufnahmefenster auf diese Größe ein.

Autorun und Zeitraffer

imageZwei weitere sehr tolle Funktionen sind der Autorun und der Zeitraffer. Beide Funktionen diene der Automatisierung des Programms.

Beim Autorun kann ich mehrere Profile und Filtersettings kombinieren und anschließend mit einer kleinen Pause ablaufen lassen. Besitze ich also ein automatisierbares Filterrad, kann ich dieses über FireCapture ansteuern lassen und mal meine L-RGB-Aufnahmen über die Autorun-Funktion.

Bei der Zeitrafferfunktion habe ich die Möglichkeit über einen gewissen Zeitraum in einem speziellen Zeitintervall Bilder aufzeichnen zu lassen.

imageIch habe diese Funktion selbst noch nicht ausprobiert, aber so wie ich das ganze Verstehe nimmt FireCapture hier wohl Einzelbilder auf.

Diese werden dann anschließend in ein AVI gepackt.

Ich persönlich würde mir ja eine Zeitrafferfunktion für die erstellen von mehreren AVI’s wünschen. Also sowas wie nimm bitte alle 5 Minuten ein Video mit 1000 Frames auf und das bitte 3 Stunden lang. Ich könnte dann anschließend alle AVI’s einzeln bearbeiten und bekomme eine tolle Planetenrotation z.B. von Jupiter hin.

Vielleicht kommt das aber noch in den nächsten Versionen von FireCapture.

Fazit

Mir persönlich gefällt die neue Version von FireCapture sehr gut. Ich muss mich zwar an einige Funktionen erst gewöhnen und das Layout unterscheidet sich auch ziemlich stark zur Vorgängerversion, aber alles in allem bin ich hoch zufrieden.

Die neuen Funktionen zum Zentrieren des Planeten finde ich Klasse. Vor allem unterstützen diese wirklich die Arbeit mit der Aufnahmesoftware.

Ein kleinen Nebeneffekt konnte ich bei der ersten Verwendung auch feststellen. Anscheinend wird in der Version 2.4 etwas Ressourcenschonender gearbeitet. Ich habe einen recht alten Laptop und in der Version 2.3 habe ich vor allem in den Aufnahmen immer wieder mit Softwarehängern zu tun gehabt. Das gesamte Bild ist mir eingefroren.

In der neuen Version ist das wesentlich weniger passiert und die Einfrierungsdauer war um ein vielfaches geringer. Wenn sich das weiter bewahrheitet bin ich mehr als zufrieden mit FC2.4.

Ich hoffe ich konnte Euch die Software etwas näher bringen. Schaut Euch doch einfach auch die anderen beiden Teile zur Astrofotografie an. Diese findet Ihr hier: Vom Planetenvideo zum fertigen Astrobild (Anleitung Astrofotografie) – Teil 1: Analyse und stacken in Autostakkert2 und hier: Vom Planetenvideo zum fertigen Astrobild (Anleitung Astrofotografie) – Teil 2: Schärfen mit Registax6

Viel Spaß beim Planetenaufnehmen und bearbeiten.

Webseite: FireCapture von Torsten Edelmann

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One comment

  1. Benny sagt:

    Hallo Stefan,

    schöner Artikel ! Habe ihn bisher nur überfolgen, aber er gefällt mir gut. V.a. das “Planeten zentieren” ist ein wichtiger Punkt.

    In dem Zusammenhang fällt mir noch eine weitere Funktion ein: “ROI auf Planet zentrieren”. Wenn man sich also für ein ROI entschieden kann, kann man den Planeten bequem per Mausklick mittig darin plazieren.

    Zur Zeitrafferfunktion: Die von dir gewünschten Anforderungen lassen sich über “Autorun” realisieren (also alle paar Minuten ein Video mit bestimmter Länge aufnehmen”).

    Noch ein letzter Punkt: Bei mir ist das Video auch gelegentlich eingefroren. Es hat geholfen, den USB-Traffic entsprechend anzupassen und den RAM-Puffer zu aktivieren.

    Viele Grüße Benny

    PS: Es gibt schon Firecapture 2.5 (beta). Es kann aber sein, dass darin die ALCCD’s noch nicht unterstützt werden.

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