Wie fokussiert man mit dem Teleskop richtig?

imageWer sich ein Teleskop gekauft hat steht mitunter vor einem kleinen Problem. Man hat das Objekt der Begierde (Mond, Planeten oder Sterne) entdeckt und gefunden, aber alles erscheint sehr unscharf.

Wer dann auch noch Fotografieren möchte, muss bei der Fokussierung sogar noch mehr aufpassen und noch viel feiner Arbeiten.

Damit vor allem Anfänger und Einsteiger einen kleinen Anhaltspunkt haben und besser mit der Fokussierung klar kommen, möchte ich hier einen Leitfaden zur Verfügung stellen.


Was ist fokussieren?

Wer mit einem Teleskop arbeitet, verwendet ein optisches System. Ähnlich wie eine Brille, nur mit dem Unterschied das man die Parameter des optischen Systems einstellen kann.

Das Teleskop bündelt je nach Bauweise die eingefangenen Lichtstrahlen durch Spiegel oder Linsen oder eben beides. Bei der Bündelung des Lichtstrahls (Stern, Planet, Mond) gibt es einen Brennpunkt, der bei der visuellen Beobachtung im Okular liegt. Dieses Okular führt dann das Bild nach draußen, so das dieses Licht in das Auge des Beobachters fallen kann.

Newtonteleskop 

Damit nun im Auge eine scharfes Bild entsteht, muss ich am OAZ (Okularauszug) diesen Brennpunkt (Fokuspunkt) einstellen. Dazu dient das Rad am OAZ.

Ich kann also mit meinem Teleskop ein wenig an den Parametern stellen und erhalte dadurch ein Scharfes Bild.


Hinweis für Mitbeobachter: Auf meinen öffentlichen Beobachtungen habe ich immer wieder viele Mitbeobachter. Die meisten von Ihnen beobachten die eingestellten Objekte mit Brille oder Kontaktlinsen. Auch ich bin Brillenträger und stelle den Fokuspunkt mit Brille ein. Das hat den Vorteil, dass kaum jemand den Fokuspunkt neu Suchen muss. Nur Beobachter die die Brille absetzen oder vergessen haben, muss man erklären das neu Fokussiert werden muss.


Fokuspunkt finden bei visueller Beobachtung

Bei der visuellen Beobachtung ist es relativ einfach den Fokuspunkt zu finden. So stelle ich das Teleskop auf einen hellen Stern ein und schaue bei der Fokussierung durch das Okular.

Befinde ich mich außerhalb der Fokusebene, erscheint der Stern als Sternenschreibe. Drehe ich nun an dem Fokussierrad des OAZ, wird diese Sternscheibe größer oder kleiner. Je nach Drehrichtung.

Ziel ist es nun die Sternenscheibe minimal zu bekommen. Im Idealfall ist das dann ein Punkt.

Solange ich nun nicht an dem Fokussierrad drehe oder das Okular wechsle, brauche ich nicht mehr nachfokussieren. Hier reicht also das einmalige einstellen des Fokus.

ACHTUNG: Sobald ich das Okular wechsle, muss ich den Fokus neu einstellen, da sich die Fokusebene geändert hat. Der Einstellvorgang ist aber der gleiche und damit nicht wirklich schwer.

Je größer die Vergrößerung ist, desto schwieriger ist den richtigen Fokus einzustellen. Vor allem wenn die Luft sehr unruhig ist, wir also ein schlechtes Seeing haben, kann es schwer werden den richtigen Fokuspunkt zu finden.

Hier benötigt man ein wenig Übung und Erfahrung und mittelt dann zum Beispiel den Fokus so, dass Planeten oder Monddetails immer wieder durch den Schärfepunkt (Fokus) wabern.

In dem hier eingebetteten Video sieht man deutlich, wie eine solche Fokussierung aussieht.

Video: Rainer Kresken – Fokussierung von Wega

Bei Planeten, Mond und Sonne sollte man übrigens auf den Himmelsobjekten fokussieren. Das Auge + Gehirn ist ein fantastischer Filter und erlaubt Detailerkennungen, die mit einigen Kameras nicht erreicht werden können.

Somit kann ich auf den ausgedehnten Himmelsobjekten wie Mond oder Planeten besser direkt fokussieren.

Fokuspunkt finden beim Fotografieren

Viel schwieriger ist es den Fokuspunkt bei der Fotografie zu finden. Aber auch hier gibt es mittlerweile gute Hilfsmittel und Möglichkeiten.

Natürlich kann man auch mit der oben genannten Methode fokussieren und ich tue dies sogar sehr oft. Besser geht es aber mit einigen Tricks und Hilfsmitteln.

Fokussierung von Mond und Planeten

Wer den Mond und die Planeten mit einer Spiegelreflexkamera (DSLR) fotografieren möchte, sollte mal nachschauen ob er nicht eine LiveView-Funktion mit eingebauten Zoom an dem Apparat hat.

Meine Canon 600D besitzt eine solche LiveView-Funktion. Damit kann ich mir das Bild auf das Display des Kamera legen. Drücke ich nun noch die Plus-Taste bekomme ich einen 5x bzw. 10x Zoom. Ich kann also in zwei Stufen heranzoomen und habe dadurch die Möglichkeit sehr fein den Fokus einzustellen.

Das Funktioniert eigentlich recht gut und bringt alle mal bessere Ergebnisse als der Blick durch den Sucher der Kamera.

Scheiner-Blende und Bahtinov-Maske

Scheinerblender (Source: Wikipedia Benutzer: Kapagne)Geht man nun noch in die DeepSky-Fotografie hilft auch oft der Live-View+Zoom-Weg nicht weiter. Oftmals bekommt man schnell Strichspuren in die Aufnahme, trotz eingeschalteter Nachführung. Das liegt so manches mal am Fokuspunkt.

Mit einer Scheiner-Blende oder noch besser einer Bahtinov-Maske kann man noch einmal eine Stufe feiner Fokussieren.

Wie man sich selbst eine Scheinerblende bauen kann, habe ich schon 2009 hier im Blog beschrieben: Bauanleitung – Die Scheinerblende

Bei der Scheinerblende gibt es meist 2 Löcher im gleichen Abstand zur Mitte. Schaut man mit dieser Blende einen Stern an, sieht man außerhalb des Fokus zwei Punkte im Teleskop. Nun kann man solange am OAZ drehen, bis aus 2 Punkten genau 1er geworden ist. Dann hat man den Fokus gefunden.

PROBLEM: Eine Scheinerblende nimmt sehr viel Licht aus dem Gerät. Dadurch wird der Stern auch sehr dunkel und das führt wiederrum dazu, dass man den Fokuspunkt nicht mehr ganz so deutlich sehen kann.

Das obige Problem der Scheiner-Blende behebt die Bahtinov-Maske. Dadurch das diese Maske wesentlich mehr Öffnung besitzt, kommt auch mehr Sternenlicht hindurch. Weiterhin ist das Muster einer solchen Maske entscheidend und bildet ein ganz spezifisches Beugungsbild ab.

Nachteil: Die Bahtinov-Maske muss auf die Teleskopgröße (Durchmesser) angepasst sein. Hierbei gibt es aber schon interaktive Webseiten, die eine Erstellung der Bahtinov-Maske für das eigene Teleskop vereinfacht.

Außerdem gibt es diverse Anbieter, die eine solche Maske für beliebige Teleskope erstellt.

Auf der folgenden Webseite findet man einen solchen Bahtinov-Mask-Calculator

Wie eine Fokussierung mit Bahtinov-Maske aussieht, kann man in dem folgenden Video gut sehen:

Das sind im wesentlichen die Tipps zur Fokussierung mit einem Teleskop.

Wer noch kein Teleskop besitzt oder es gern aufrüsten möchte, kann sich die folgenden beiden Hinweise noch durchlesen.

1:10 Untersetzung am OAZ

Moderne Teleskop bieten mittlerweile eine Untersetzung am Okularauszug an. Diese erkennt man an dem kleinen Rädchen neben den Fokusrädern.

TS-Optics-2-Crayford-Okularauszug-fuer-Newtons-1-10-Untersetzung

Bild: TS Optics 2” Crayford Okularauszug bei astroshop.de*

Auf dem Bild kann man dieses Rädchen sehr gut erkennen. Im mittleren Preissektor gibt es oftmals diese 1:10 Unterteilung noch nicht, aber man kann es gern beim Händler des Vertrauens erfragen.

Die Untersetzung ermöglicht den Okularauszug nochmals sehr fein einzustellen. Dadurch wird die Fokussierung auch entsprechend genauer.

Fokussier-Motoren

Skywatcher-Fokusiermotor-fuer-RefraktorenFür diverse Geräte und Hersteller gibt es auch Fokussiermotoren. Diese kann man sich dann an das Teleskop anbauen und über eine elektronische Steuerung den Fokuspunkt suchen. Dadurch das hier ein Zittern durch die menschliche Hand entsteht, ist das Bild entsprechend ruhiger.

Bei der Astrofotografie empfehle ich auf jeden Fall solche Fokussiermotoren. Ich verwende an meinem Skywatcher auf ein Aufrüstset und konnte dadurch den Motor einzeln kaufen.

Hier muss man aber je nach Hersteller und Teleskop schauen, ob es solche Nachrüstsets für das eigene Teleskop gibt.

Mein Set für den 4-Zoll-Refraktor kostet z.B.um die 70 € (bei astroshop.de*)

Credit Titelbild: Youtube Rainer Kresken “Wega im Mühleis”

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