Familienzuwachs: 10 Zoll Newton getauscht gegen 5 Zoll Maksutov

10ZollNewtonWas ist die Hauptregel in der Astronomie? Nur mehr Öffnung ersetzt Öffnung! Und so nimmt jeder Hobby-Astronom gern die Gelegenheit zur Vergrößerung wahr. Das ging bei mir aber dieses mal nur, weil jemand bei Facebook sich verkleinern wollte und deshalb eine Anfrage stellt.

So kam es das ich am Wochenende mich mit diesem Hobby-Astronom traf und meinen kleinen 127/1500er Maksutov meinen Teleskoppark verlassen musste. Dafür gab es gleich einen Familienzuwachs und das gleich mal mit der Verdoppelung der Öffnung.

 

 


Der Maksutov muss gehen

Ich gebe es gern zu: Ich habe meinen Maksutov 127/1500 in den vergangenen Wochen sehr lieb gewonnen. Vor allem war ja mein Ziel diesen noch etwas weiter an die Grenzen des Möglichen zu treiben und zu schauen, wie sich der kleine 5Zöller an Planeten und Mond so macht. Die ersten Ergebnisse waren ja schon mal sehr vielversprechend.

maksutovSo konnte ich im Februar einige Jupitertests durchführen und habe in der Handhabung und der anschließenden Bildbearbeitung sehr viel gelernt.

Die Beobachtungsberichte mit dem Maksutov habe ich natürlich hier im Blog gespeichert und daher kann ich mich auch nach Jahren noch daran erfreuen.

Die letzten Berichte aus dem Februar 2016 zeigen das Potential dieses handlichen kleinen Gerätes.

Kleiner Beobachtungsbericht: Jupiter im Maksutov und ein wenig StarAdventurer-Training am 12.02.106

Sogar einen Io-Schatten auf dem Jupiter konnte ich damit dokumentieren: Beobachtungsbericht: ISS und Jupiter, Io-Schatten am 06.02.2016

Trotzdem musste mich nun der kleine Maksutov verlassen und fand ein tolles neues Zuhause bei einem Astrokollegen. Natürlich kann Ihn nichts ersetzen, aber das was für den Maksutov ins Haus kam, konnte ich einfach nicht ausschlagen.

Der GSO Newton 10” f/4

Der besagte Astrokollege wollte sich verkleinern, da eine sehr große Ausrüstung in der Astronomie auch oftmals dafür sorgt, dass man weniger beobachtet. Der Aufwand mit einem solchen großen Gerät ist halt doch wesentlich höher als es mit dem Maksutov der Fall war.

Trotzdem kann ich solchen Angeboten nur sehr schwer wiederstehen und so bin ich ab dem Wochenende der Besitzer eines 10Zoll-Newtongerätes.

10ZollNewton

Es ist schon eine beachtliche Größe und auch wenn ich schon häufiger auf Teleskoptreffen durch solche und größere Geräte geschaut habe, macht es einen Unterschied ob ein solcher Trum in meinem Arbeitszimmer steht.

Die Daten des Gerätes

Natürlich ist es nun erst einmal so, dass ich voraussichtlich auf lange Zeit Wolken über meinem Beobachtungsort zu schweben habe. Auch das gehört in die Astronomieregeln. Pro Zoll gibt es eine Woche Wolken.

Trotzdem kann man sich ja schon mal mit den Daten des Gerätes beschäftigen.

10 Zoll Öffnung bei einem Teleskop heißt 254 mm Öffnung. Da ist also ein Spiegel mit einem viertel Meter(!) Durchmesser verbaut. Das ist auf jeden Fall schon mal eine Hausnummer.

Die Brennweite des Gerätes beträgt 1016mm. Damit ist das Öffnungsverhältnis (Öffnung/Brennweite) gleich f/4. Es ist also ein recht schnelles Gerät und sehr gut für die Fotografie geeignet.

Da ich das ganze erst einmal auf meiner EQ5-Montierung betreibe, werde die ersten Ergebnisse in der Fotografie noch nicht so wirklich überragend sein. Die EQ5-Montierung ist mit diesem Gewicht des Tubus (15,3 kg) an Ihrer Belastungsgrenze von 15kg (Tragkraft). Die DSLR-Kamera würde noch einmal 1-2 kg Gewicht mit auf die Montierung bringen und daher werde ich vorerst die Planetenfotografie mit meiner Planetenkamera (QHYCCD) damit ausprobieren.

Wo ich mich wieder dran gewöhnen muss, ist die Justierung des Newtons vor jeder Beobachtung. Vor allem die sehr schnellen Photo-Newtons sind hier etwas anfällig und müssen häufiger Nachjustiert werden. In den letzten 2 Jahren habe ich ja vornehmlich mit meinem Refraktor (4Zoll) und dem besagten Maksutov (5Zoll) beobachtet und daher war eine Justage nicht nötig.

Ich denke aber das dieses Vorgehen wieder sehr schnell ins Blut übergeht und daher nach den ersten 1-2 Beobachtungen kein Problem mehr darstellt.

Was kann der 10Zoll-Newton leisten?

Wenn man einen bewölkten Himmel hat, muss man sich anderweitig beschäftigen und so habe ich mal mit unterschiedlichen Online-Tools die Möglichkeiten des 10Zöllers herausgesucht.

Als erstes habe ich mir natürlich angeschaut wie bestimmte Objekte im Teleskop aussehen werden. Ich habe also gleich mal ein Gefühl für die Größenordnungen. Das kann man sehr gut mit einem FOV-Calculator (Field of View – das sichtbare Feld) machen.

In den Linktipps der Woche-Artikel Linktipps der Woche: Stacken von Komet Lovejoy, Mondphasen 2015, FOV-Calculator und vieles mehr (mit Top-5-Artikel im Januar 2015) habe ich einen solchen FOV-Calculator verlinkt.

Mit meiner Canon 600D sieht der Mond im Teleskop so aus:

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Den Orionnebel M42 bekomme ich dann so zu sehen:

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Darauf freue ich mich ja schon sehr, auch wenn die Saison für den Orion mittlerweile wieder vorbei ist.

Das ganze mit meiner QHYCCD 5L-II(m) am Planeten sieht dann so aus:

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Natürlich kann ich nun mit der großen Öffnung auch mal meine 5x Powermate Barlow-Linse ausprobieren und sollte dann so ein Bild bekommen:

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Darauf freue ich mich ja schon besonders, da die Planetensaison mit Jupiter, Mars, Saturn erst gerade angefangen hat.

Visuell kann man das ganze Natürlich auch schon mal vorher testen. In einem anderen Link-Tipp-Artikel habe ich auch einen Okular- und Teleskoprechner beschrieben: Linktipps der Woche: Okular- und Teleskoprechner, SoFi-Brillen, Das Universum der Amateurastronomen und mehr (mit Top-5-Artikel aus dem März)

Dort kann man also den visuellen Eindruck im Gerät testen.

Mit einem 10mm Okular und einer 2xBarlow-Linse kommt man schnell auf 208fache Vergrößerung und dann sieht Jupiter so aus:

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Theoretisch sollte auch eine 500fache Vergrößerung drin sein, aber da wird das Bild sicherlich sehr schwammig. Trotzdem kann man ja mal schauen wie es dabei aussehen würde.

Natürlich zeigt mir das Programm hier schon eine Warnung an, aber das ist ja auch nur ein Test und muss am Sternenhimmel ausprobiert werden.

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Schaut man sich übrigens den Orionnebel mit einem 10mm-Okular bei 104x Vergrößerung an, dann bekommt man diesen tollen Nebel formatfüllend in das Teleskop.

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Die Preise solcher Geräte

Natürlich bin ich bei Facebook und Co. auch sehr schnell nach den Preisen für solche Geräte gefragt worden.

Der 10Zöller mit seinen Öffnungsverhältnis f/4 ist sicherlich kein Einsteigergerät mehr. Vor allem muss man mit einer solchen Größenklasse erst einmal umgehen können und zum anderen sollte man eine sehr stabile Montierung (EQ6-Klasse und höher) darunter bauen. Allein das sind schon Kosten die ein Einsteiger oft nicht bereit ist zu bezahlen.

Der GSO-Newton mit 10Zoll f/4

10ZollNewtonTubusAllein der Tubus dieses Gerätes kostet 579 € (bei astroshop.de*).

Damit ist natürlich kein Einstieg in die Astronomie für 300€ (oder andere Preisbereiche möglich.

Natürlich braucht man für einen solchen Tubus mit seinen 15,3 kg Gewicht auch eine entsprechende Montierung. Hier ist eine EQ5-Klasse schon über die Grenze des Tragkraft hinaus. Daher kann man nur noch in die EQ6-Klasse oder höher gehen.

Dabei kommen noch einmal einfach so ca. 1400 € oben drauf. So würde man mit einer Skywatcher Montierung EQ-6 Pro SynScan GoTo mal eben 1.470 € (bei astroshop.de*) bezahlen. Hätte damit aber auch ein ausgesprochen stabiles System.

Ihr seht, man befindet sich mit solchen Geräten also definitiv nicht mehr im Einsteigersektor der Astronomie.

Fazit

Ich freue mich sehr auf die ersten Erfahrungen die ich mit diesem 10Zöller machen darf. Vor allem am Planeten möchte ich das Gerät aus Berlin heraus testen und schauen wie weit ich nun in die Details komme.

Aber auch auf der Langen Nacht der Astronomie oder anderen Events in Berlin werde ich den 10Zöller verwenden. Mal schauen wie oft ich die Ausrüstung aus dem 4. Stock nach unten und nach oben trage.

Jetzt muss es nur noch klar werden und dann gibt es wie immer mein FirstLight (erstes Licht) für dieses Teleskop. Ich bin gespannt!

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