FirstLight eines 10Zoll f/4 Newtons und Jupiter in Opposition (Beobachtungsbericht 07.03.2016)

Mein Teleskop und ichDie Hobby-Astronomen sind am Anfang jedes Jahres immer sehr gebeutelt. Schlechtes, feucht-kaltes Wetter und viele, viele Wolken bringen den Hobby-Astronomen an den Rand der Frustgrenzen. Wenn dann noch bestimmte astronomische Ereignisse, wie z.B. die Jupiter-Opposition stattfinden, kann das Wetter auch schon mal auf das astronomische Gemüt schlagen.

Auch mir geht das so und vor allem dann wenn ich ein neues Teleskop zu Hause stehen habe und nur darauf warte, es endlich mal ausprobieren zu können. Seit 1 Woche habe ich einen 10-Zoll-Newton hier rumstehen und kann Ihn einfach nicht verwenden.

Aber gestern Abend war es endlich so weit und das FirstLight (erste Licht) stand an. Hier gibt es einen kleinen Bericht darüber.

 

 


10 Zoll Lichteimer

Über den 10-Zöller habe ich hier im Blog schon einen kleinen Bericht geschrieben. Diesen hatte ich mit einem Astronomie-Kollegen getauscht und so ein Lichteimer will natürlich Sternenlicht sehen. Den Erstbericht kann man sich gern noch einmal hier anschauen: Familienzuwachs: 10 Zoll Newton getauscht gegen 5 Zoll Maksutov

Das FirstLight gab es also gestern Abend. Nach einem Termin zur Astro-Börse-Berlin wurde gleich alles auf dem Balkon aufgebaut und ich ließ das Equipment erst einmal auskühlen.

Übrigens war es auch der Abend an dem ich den 10Zöller das erste Mal richtig auf die EQ5-Montierung gestellt habe. 3 Gegengewichte waren nötig um den 10er auf der Montierung ordentlich ins Gleichgewicht zu bringen. Ich gebe es ja zu: Die Montierung ist eigentlich nicht mehr dafür geeignet, aber eine größere Montierung gibt es leider “noch” nicht.

Berliner Balkonastronomie

Nachdem das Equipment ausgekühlt war ging es erst einmal an die Justierung des Newtons. Lange ist es her, dass ich ein Spiegelsystem justieren musste.

Trotzdem ging es schneller als Gedacht. Fangspiegel einstellen und Hauptspiegel ausrichten. Ein paar Minuten später war das System zur Beobachtung des Jupiters ausgerichtet. Oben könnt Ihr meine Balkonsternwarte mitten in Berlin sehen. Zum Zeitpunkt des Fotos flog mir auch noch ein Flugzeug durch das Bild.

First Light und Erfahrungswerte des Teleskops

Nach dem Aufbau und der ersten Justierung des Teleskop ging es an die erste Beobachtung. Das erste Sternenlicht (für mich) welches auf den Spiegel fiel, war eine Reflektion des Lichts der Sonne. Ich stellte das Teleskop auf Jupiter ein und nahm als erstes natürlich mein 25mm-Okular.

Die ersten Erfahrungen die ich machen konnten waren die Tatsache das die EQ5 nicht mehr für einen 10Zöller geeignet ist. Einige Hobby-Astronomen würden diese Konfiguration als “Wackel-Dackel” bezeichnen und ehrlicher Weise muss ich sagen, dass sich die Beobachtung anfüllte wie zu meinen Anfängen in der Astronomie mit einem Pluto/S (4-Zöller) auf einer EQ1-Montierung.

Hier ist also ganz klar die Entscheidung das Equipment doch noch einmal aufzustocken und nach einer EQ6 Ausschau zu halten. Das kann aber bekanntlich eine ganze Weile dauern.

Trotzdem war der Jupiter im Teleskop wundervoll anzuschauen und ich verwendete dabei nicht nur das 25mm-Okular sondern ging auch gleich mal an die Grenzen der Vergrößerungen.

Zum Einsatz kam eine Televue Powermate 5x Barlow Linse mit einem 12,5mm Okular. Die Vergrößerung hierbei war also 400fache Vergrößerung. Auch wenn das Bild damit schon sehr Mau wurde und durch das Gewackel eine ruhige Beobachtung nicht mehr möglich war, konnte ich gut die Wolkenbänder auf Jupiter betrachten.

Die große Öffnung des Teleskops sorgt hierbei also für ausreichend viel Licht und das begeistert mich natürlich sehr.

Astrofotografie mit dem 10er

Auch wenn ich aktuell an der EQ5 keine Nachführung habe, wollte ich trotzdem an diesem Abend die Astrofotografie mit dem Gerät testen. Ich schloss meine QHYCCD 5L-II(m) an den Laptop an und begann mit der Fotografie. Die Ausrichtung des Teleskops gestaltete sich eigentlich noch einfach. Das Fokussieren hingegen schon wieder schwer. Der Jupiter jagte nur so durch das Sichtfeld und daher war es nicht wirklich gut Möglich Ihm zu folgen und Ihn scharf zu stellen.

Zusätzlich kam die Instabilität der Montierung hinzu, wodurch ich z.B. die Software FireCapture nicht ausnutzen konnte und das Bild auf den Planeten reduzieren konnte.

Die Aufnahmen der Videos waren also nur in maximaler Auflösung möglich und das verhinderte die Aufnahme vieler Bilder (Frames).

Astrofotografie Jupiter

Fokussierung, Nachführung per Hand und die Steuerung der Kamera überforderten mich dann ein wenig und daher haben die erzeugten Bilder noch nicht die Qualität die ich mir von diesem Gerät verspreche.

Trotzdem konnte ich sowohl ein verwendbares Video mit 1000mm Brennweite und sogar eines mit 2000mm Brennweite (2xBarlow) aufnehmen. Die Steigerung auf die 5xBarlow wird warten müssen, bis die Nachführung am Teleskop wieder funktioniert.

Das Ergebnis der Bildbearbeitung kann sich aber schon sehen lassen.

Jupiter mit Monden Europa und Io

Rechts vom Jupiter sind auch die beiden Monde Europa und Io zu sehen. Die Bearbeitung erfolgte wie immer in Autostakkert2 (Anleitung im Blog) und Registax (Anleitung im Blog).

Eine kleine Nachbearbeitung in Pixelmator (MAC) machte die beiden Monde wieder etwas besser sichtbar. Auch wenn dieses Bild ungefähr mit den letzten Aufnahmen meines 5Zoll-Maksutov vergleichbar ist, denke ich das der Newton hier noch wirklich viel Potential besitzt. Visuell ist er schon einmal wesentlich besser durch das hohe Lichtsammelvermögen.

Fotografisch muss eine Nachführung her, damit ich mich wesentlich besser auf FireCapture und das Fokussieren konzentrieren kann.

Das First Light des Teleskops ist aber damit durch und ich bin mal wieder über einen weiteren tollen Beobachtungsabend froh.

Sobald ich weitere Ergebnisse mit diesem Gerät erstellt habe und Erfahrungen sammeln konnte werde ich das natürlich hier wieder berichten.

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