Der Hesiodus-Strahl auf dem Mond – 23 Jahre hat es gedauert!

Astrofotografie MondDie Astronomie ist ein langwieriges Hobby, aber genau das macht es ja so spannend. Die Entdeckung des Weltalls oder unseres Sonnensystems dauert daher ein wenig und man kann sein Leben lang immer wieder neue Dinge entdecken.

So hat es bei mir 23 Jahre gedauert bis ich einen spannenden und seltenen Effekt auf dem Mond endlich mal beobachten und sogar fotografieren konnte. Der Hesiodus-Strahl ist eines meiner Ziele gewesen und steht schon seit 2 Jahrzehnten auf meiner ToDo-Liste. Nun hat es geklappt.

Hier bekommt Ihr einen kurzen Bericht und natürlich das Bildmaterial zu meiner Entdeckung des Hesiodus-Strahls zu lesen und zu sehen.


Was ist der Hesiodus-Strahl?

Der Mond-Terminator, also die Grenze zwischen Licht und Schatten auf dem Mond, ist der interessanteste Bereich den man mit dem Teleskop und Fernglas beobachten kann. Dort strahl die Sonne in einem spitzen Winkel auf die Krater und Täler des Mondes und erzeugt tolle Licht-Schatten-Spiele.

So kommt es immer wieder vor, dass der Sonneneinfall auf dem Mond zu ganz speziellen Zeiten Effekte zeigt, die man sonst nicht sehen kann. Der Hesiodus-Strahl ist einer solcher Effekte und dieser lässt sich nur über wenige Stunden im Monat beobachten.

Am 17.03.2016 war es wieder so weit und man konnte diesen Strahl von der Erde aus sehen. Das spannende an diesem Hesiodus-Strahl ist aber folgendes.

Zu einer bestimmten Zeit und Phase des Mondes geht die Sonne über dem Krater Pitatus (101 km) auf. Diese Krater grenzt genau an den Krater Hesiodus (43 km) und beide Krater werden durch einen Kraterwall verbunden. Dieser Kraterwall besitzt aber eine kleine Rille.

Erreicht nun die Nacht-Schatten-Grenze auf dem Mond diese Rille, leuchtet die Sonne ausgehen von Pitatus genau in den Krater Hesiodus und noch bevor die Sonne den Kraterwall des Hesiodus-Kraters überschreitet, kann man einen Lichtstrahl in Hesiodus sehen. Genau dieser Lichtstrahl nennt sich Hesiodus-Strahl und ist ein beliebtes Ziel für Hobbyastronomen.

Auf dem folgenden Bild kann man diese Kraterkonstellation und die verbindende Rille der beiden Krater sehen. (Quelle: Wikipedia – Krater Pitatus).

Pitatus + Hesiodus

Nun tritt theoretisch dieser Hesiodus-Strahl einmal im Monat auf. Nämlich immer dann wenn die Tag-Nacht-Grenze genau diese Stelle der Kraterkonstellation trifft.

Wer nun aber glaubt, dass man mal eben dieses Ereignis einfangen kann, der täuscht sich hier.

23 Jahre Jagd auf den Hesiodus-Strahl

Nun muss ich hier gleich zugeben, dass ich nicht 23 Jahre lang jeden Monat vergeblich versucht habe den Hesiodus-Strahl einzufangen. Oftmals habe ich gar nicht an den Strahl gedacht, aber ich habe natürlich immer mal wieder die Termine verfolgt und geschaut ob es Gelegenheiten gab.

Neben den natürlichen Randbedingungen wie Wolken, Seeing, Uhrzeiten (Tagmond), Ausrüstung etc. gibt es in unserem Hobby ja noch anderen Bedingungen die eine solche kurzfristige Beobachtung verhindern. Termine, Familienfeier oder einfach keine Lust!

Daher dauerte dieses kleine Projekt bei mir einfach mal eben 23 Jahre bis ich auf meiner astronomischen ToDo-Liste einen Haken machen konnte.

Am 17.03.2016 passten nun alle Randbedingungen und lustiger Weise hatte ich den Hesiodus-Strahl gar nicht auf dem Schirm. Per Twitter (mein Account: @gottie29) erhielt ich gegen 15:00-16:00 Uhr die Nachricht, dass genau an diesem Tag ab 18 Uhr der Hesiodus-Strahl zu sehen sei.

Ohne diesen tollen Social-Media-Dienst hätte ich wohl mind. noch 1 Monat oder ein paar Jahre warten müssen.

Die Ausrüstung war also schnell auf dem Balkon aufgebaut und da ich den Maksutov nicht mehr besitze und der 10Zöller noch keine Nachführung hat, musste mein 4Zoll-Refraktor herhalten.

Meine Ausrüstung für den Hesiodus-Strahl

Ich habe also meinen 4-Zoll-Refraktor mit 500mmm Brennweite (Firstlight und Erfahrungsbericht zu meinem Skywatcher Refraktor 102/500) auf dem Balkon aufgebaut. Einnorden geht bei mir nur per Kompass, aber mittlerweile bekomme ich den Nachführfehler gut minimiert.

Astrofotografie Mond

Als Kamera kam meine QHYCCD-5L-II(m) – PlanetenCAM zum Einsatz. Das ganze wurde mit einer 2xBarlow für den Hesiodus-Strahl noch etwas erweitert um die Brennweite auf 1000mm zu ziehen und ein Grünfilter wurde für den Kontrast verwendet.

Mehr brauchte ich nicht um den Strahl einzufangen. Natürlich war schnell der Plan gefasst den Hesiodus-Strahl nicht nur 1mal zu fotografieren, sondern ich machte mehrere Videos des Hesiodus-Strahls und wollte eine Animation mit wachsendem Strahl erstellen. So nahm ich in der ersten halbe Stunde alle 5 Minuten ein Video mit 500 Frames auf. Ab 18:30 Uhr wurde alle 15 Minuten ein Video aufgezeichnet und das bis 20:00 Uhr.

Gesamter Mond um 17:00 Uhr (Tag) und um 20:30 Uhr (Nacht)

Bevor wir aber zu den Ergebnissen mit dem Hesiodus-Strahl kommen, gibt es erst einmal zwei Bilder mit dem gesamten Mond. Beide Bilder sind mit 500mm Brennweite, also ohne 2xBarlow, aufgenommen worden.

Das erste Bild entstand gegen 17:00 Uhr. Dort war der Mond schon schön am Taghimmel zu sehen und das Seeing passte an diesem Tag besonders gut.

Das zweite Bild wurde nach dem Hesiodus-Strahl aufgenommen und hierbei merkte man den Abbau des Seeings schon recht deutlich. Trotzdem konnte ich bei beiden Videos viele Bilder (50%) für den Bearbeitungsprozess verwenden.

Gestakkt wurde wie immer mit Autostakkert2! und geschärft mit Registax6. Nachbearbeitet habe ich die Bilder mit Pixelmator auf meinem Mac.

Bei beiden Bilder wurde ein Komposit aus 2 Bilder aufgenommen. Das liegt daran, dass der Mond bei 4Zoll mit 500mm nicht mehr ganz in das Bild passt. Kombiniert werden die Bilder mit Microsoft ICE, einer Panorama-Software.

 Mond am 17.03.2016 Berlin Stefan Gotthold

Mond am 17.03.2016 Berlin Stefan Gotthold

Die Qualität der beiden Bilder gefällt mir noch nicht wirklich. Da hatte ich schon bessere Mondfotos aufgenommen. Auch war die Bearbeitung dieses mal sehr schwer. Irgendwie habe ich kein Gleichgewicht zwischen Schärfe, Unschärfe und Details hinbekommen.

Kommen wir also nun zum Hesiodus-Strahl.

Meine Aufnahme des Hesiodus-Strahls

Durch die geringe Größe der Krater und durch die kurze Brennweite des Teleskops war die Aufnahme nicht einfach. Ich hätte mir natürlich mehr Details erhofft, aber das kann man sicherlich im Laufe meine Astronomie-Lebens noch einmal nachholen.

Exemplarisch seht Ihr hier das erste Bild aufgenommen mit der 2xBarlow und der QHYCCD 5L-II.

Dieses Bild dient als Veranschaulichung wo der Hesiodus-Strahl auf dem Mond zu finden ist. Für die folgenden Bilder habe ich einen Ausschnitt erstellt und den Hesiodus-Strahl noch einmal vergrößert.

 Hesiodus-Strahl auf dem Mond 2016

Aus all den Einzelaufnahmen habe ich dann eine GIF-Animation erstellt. Damit sieht man den Schatten schön über den Mond wandern und wie dieser sich in einzelnen Kratern verhält.

Animation Hesiodus-Strahl auf dem Mond

Auf der rechten Seite kann man sich den Hesiodus-Strahl anschauen und wie dieser mit der Zeit immer größer wird. Klickt die Animation einfach an um die volle Auflösung zu erhalten.

Wer den Strahl noch immer nicht sieht, für den habe ich ein eigenes Bild erstellt.

Hesiodus-Strahl auf dem Mond

In dem hellen Bereich im Bild kann man nun die Rille und den Strahl selbst sehr gut erkennen. Der große Krater ist hierbei Pitatus und der kleinere Krater mit dem Lichtkegel ist Hesiodus.

Wann kann man den Hesiodus-Strahl in Zukunft sehen?

Ich hoffe natürlich das nun der ein oder anderen das Ziel Hesiodus-Strahl auf seine ToDo-Liste setzt. Damit Ihr die Zeiten für den Hesiodus-Strahl habt, habe ich einmal die entsprechenden Daten herausgesucht:

16.04.2016 – 04:51:11 (UT)
15.05.2016 – 16:10:44 (UT)
14.06.2016 – 03.16.17 (UT)
13.07.2016 – 14:30:32 (UT)
12.8.2016 – 02:13:34(UT)
10.09.2016 – 14:39:46 (UT)

Die Zeiten sind hier in UT angegeben und müssen entsprechend der Zeitzone umgerechnet werden. Aktuelle (Normalzeit) liegt der Unterschied bei +1 Stunde.

Weitere Daten zum Hesiodus-Strahl findet Ihr für die Folgejahre hier.

Übrigens haben an dem 17.03.2016 eine ganze Reihe an Hobbyastronomen den Hesiodus-Strahl aufgenommen.

Einen schönen Bericht von einem Astronomiekollegen findet Ihr hier:

Der Hesiodusstrahl am 17.03.16 – von Volker Nawrath

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2 comments

  1. Hallo Kollege :-)

    Klasse Beschreibung und Klasse Animation .
    Danke für die Erlaubnis mein Link hier drunter setzen zu dürfen .

    Kollegialer Gruß / CS

    FRANJO

  2. Adam sagt:

    Danke!
    Das war sehr interessant und unterhaltsam. Freut mich hier so gute Infos zu bekommen. Macht echt immer wieder Spaß in Deinem blog zu lesen.

    Adam

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