5 Tipps an denen man schlechte Teleskop-Angebote erkennt

MontierungEinsteiger kommen häufig in die Foren und Gruppen und möchten gern eine Bewertung zu gewünschten Teleskopen haben.

Dabei werden aus Ebay, Amazon oder anderen Plattformen Teleskopanzeigen gepostet und der Einsteiger hofft dann eine Bewertung des Angebotes von Hobbyastronomen zu bekommen.

Was mir dabei immer wieder auffällt, sind die schlechten Anzeigen bzw. die schlechte Qualität der Teleskope. Daher möchte ich heute 5 Tipps zu Teleskop-Anzeigen geben und woran man erkennt, dass diese Teleskope einfach nicht geeignet sind.

In vielen Teleskop-Anzeigen wird mit unrealistischen Beschreibungen geworben. Man möchte diese meist sehr billigen Teleskope halt an den Mann oder die Frau bringen und daher gibt es im Marketing oftmals Beschreibungen die nach dem Kauf des Teleskops eher zu Enttäuschungen führen. Hier möchte ich konkret an Beispielen 5 Tipps zum Teleskopkauf geben und zeigen woran man eher schlechte Teleskope erkennt.

Tipp 1: Durchmesser und Vergrößerung

TeleskopDie meisten Einsteiger sind der Meinung das eine sehr große Vergrößerung am Teleskop auch richtig viel am Sternenhimmel, Mond oder Planeten zeigen müsste. Schließlich sind diese Objekte richtig weit weg und daher MUSS man doch schließlich hoch vergrößern.

Da aber mit zunehmender Vergrößerung beim beobachten des Sternenhimmels auch mehr und mehr der Kontrast des Himmelsobjektes verloren geht, merkt man oftmals erst wenn man ein wenig praktische Erfahrung gesammelt hat.

Die Grundregel der Hobbyastronomen für die maximale Vergrößerung eines Teleskops lautet:

maximale Vergrößerung = 2 x Durchmesser des Teleskops

Besitze ich also ein Teleskop mit einem Durchmesser von 150 mm (6 Zoll), dann ist die maximale Vergrößerung 300fach. Und auch diese Vergrößerung verwendet man nur bei einem sehr guten Himmel mit wenig Luftunruhe und wenn man einen sehr dunklen Standort besitzt. Es ist also ein Grenzwert für das Teleskop.

Anzeigetext der Aufmerksam machen sollte:

Sehe ich bei einem Teleskop folgenden Text und habe die obige Regel im Kopf, sollte man bei der Anzeige schon aufmerksam werden.

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Dieses hier beworbene Teleskop besitzt einen Durchmesser von 76mm(!) und damit wäre die maximale Vergrößerung mit 152fach ausgereizt. Dieser Hersteller wirbt aber mit einer Vergrößerung von bis zu 450fach und das ist schlicht weg UNSINN!

Tipp 2: Montierungen viel zu schwach

MontierungWer mit einem Teleskop beobachten möchte, benötigt natürlich ein Stativ und eine Montierung. Also das worin das Teleskop auf dem Stativ befestigt ist und mit dem man am Himmel nachführen kann.

Diese Montierungen sind einer der Punkte die mal eben richtig Geld kosten können. Hierbei übersteigt der Preis für eine gute Montierung oftmals den des Teleskop-Tubus (Optik) bei weitem. Faktor 3 bei dem Montierungspreis zum Teleskoptubus sind keine Seltenheit und vor allem Astrofotografen achten sehr genau auf die Montierung.

Schaut man sich nun einmal das Bild auf der rechten Seite an, dann findet man hier eine sogenannte azimutale Montierung.

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine azimutale Montierung. Die Form, die man aber in dem Bild rechts sieht ist eine sehr schlechte Bauweise. Hier wird man keinerlei Freude am Beobachten des Sternenhimmels haben, da diese Bauweise für extreme Schwingungen im Teleskop sorgt und damit bei jeder noch so leichten Berührung das Himmelsobjekt anfängt zu tanzen. 

Tipp 3: Superlativen in der Teleskopbeschreibung

Wer sich nicht unbedingt von Marketing-Texten blenden lassen möchte, sollte auf die Produktbeschreibung

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Schaut man sich die obige Produktbeschreibung an, fällt einem Hobby-Astronomen sofort einige Dinge auf.

Behaltet mal im Hinterkopf, dass dieses Gerät für ca. 90 € angeboten wird. Für einen Einsteiger sind natürlich 90 € schon ein wenig Geld. Wer sich aber mit der Materie auseinander setzt, der wird Wissen das Teleskope die brauchbar sind eher zwischen 500-1.000 € beginnen.

1. phantastischen Detail- und Kontrastschärfe hier ist natürlich sehr fraglich was eine phantastische Kontrast- und Detailschärfe bedeutet. Ich kann mit einem solchen Gerät sicherlich einige Beobachtungen durchführen, aber mit 76mm Durchmesser kann man nur entsprechend viel am Himmel erwarten. Einsteigern fällt es natürlich schwer einen Unterschied zwischen 76mm und 250mm Durchmesser (die Fläche geht zum Quadrat) auszumachen.

2. enorme (bis zu 450fache) Vergrößerung – das Thema mit der Vergrößerung hatten wir schon oben angesprochen. Das 450fach enorm ist, sei unbestritten … aber es ist halt nicht praktikabel.

3. sensationelle Bildauflösung…den Übergang zum professionellen Beobachtungsbereich … wirbt jemand in seiner Teleskopanzeige bei einem Preis von 90 € mit irgendwelchen Begriffen, dass man doch auf dem Wege zum professionellen Bereich ist, dann ist das so als würde man sich einen Trabi kaufen und sagen ich bin nun auf dem Weg zum Ferrari-Fahrer. Der professionelle Astronomie-Bereich liegt von diesem Gerät ungefähr so weit weg, wie der Stern Sirus von der Erde.

4. Hochleistungsokular – ich möchte hier noch einmal Qualität ansprechen und mit welchen Wörtern das Marketing arbeitet. Das Hochleistungsokular H20 wird z.T. in Astronomie-Foren verschenkt. Denn dieses Okular ist quasi der untere Rand der Billigokulare und von der Qualität halt auch so einzustufen.

Tipp 4: Auf den Preis schauen

imageDieser Tipp ist leider für Einsteiger in die Astronomie ein leidiges Thema. Schließlich möchte man mit möglichst wenig Geld erst einmal in die Astronomie reinschnuppern.

Doch kann sich auch jeder Einsteiger vorstellen, dass es schon einen großen Unterschied macht ob man sich ein billiges Teleskop kauft und davon gefrustet ist, weil man einfach nichts sieht oder ob man nicht doch den ein oder anderen Euro in die Hand nimmt und dafür aber gleich etwas gescheites bekommt.

Es geht ja nicht darum, gleich mit 1000 € oder mehr in das Hobby einzusteigen. Aber ein Budget von 100-200 € zu nehmen und zu erwarten, dass man Jupiter mit Details in den Wolkenbändern sieht, ist einfach utopisch.

So ein Teleskop wie auf der rechten Seite abgebildet ist, würde ich persönlich keinem Einsteiger empfehlen. Schon allein der Preis von 61,99 € deutet darauf hin, dass hier einfach die Astronomie im Hintergrund bleibt und man mit dem Gerät so gut wie nichts am Sternhimmel entdecken wird. Das sind rausgeschmissene 60 € und leider gibt es von dieser Klasse an Teleskopen eine ganze Menge auf dem Markt.

Tipp 5: Kundenrezensionen

imageNatürlich kann man bei der Bewertung eines Produktes sich auch die Kundenrezensionen anschauen. Diese sind aber nicht immer leicht nachzuvollziehen.

So bekommt eines der oben genannten Teleskope erstaunlicher Weise 24mal eine 5 Sterne Bewertung. Was für mich als Hobbyastronom unglaublich ist.

Trotzdem sollte man sich hier die Kundenbewertungen einmal genauer anschauen. Vor allem bei den niedrigen Bewertungen haben sich entweder Hobbyastronomen mit Erfahrungen zu Wort gemeldet oder aber Einsteiger die absolut nicht mit dem Teleskop klar kamen. Sind Kommentare von beiden Seiten vorhanden, heißt es meist schon “Finger weg!”

Natürlich ist das kein Garant dafür ein ordentliches Einsteigergerät zu bekommen. Das liegt oftmals daran, dass Alt-Hobbyastronomen so ziemlich jedes Gerät zerreißen. Bei guten Einsteigergeräten werden aber wenige bis gar keine Kommentare von Hobbyastronom zu finden sein. Aus den Kommentaren und Bewertungen kann man also schon Rückschlüsse auf das Teleskop ziehen. Es müssen halt nur die Richtigen sein.

Fazit

Schlechte Teleskop-Angebote kann man an den vielen Übertreibungen gut erkennen. Vor allem wenn im Einsteigerbereich von Profi-Equipment die Rede ist, sollte man schon hellhörig werden. Das gibt es in keinem Hobby, bei dem man Geräte zum ausüben anschaffen muss.

Hier sollte man sich also doch mehrfach Überlegen evtl. noch ein wenig länger zu sparen und dann ein gutes Einsteigergerät anzuschaffen.

Schließlich möchte man Spaß am Hobby haben und nicht gleich am ersten Beobachtungstag gefrustet werden.

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