Astrofotografie mit dem Smartphone (Handy)

IMG_8193Fast jeder besitzt eines, ein Smartphone und warum sollte man als Hobbyastronom nicht auch mal dieses Gerät für die Astrofotografie einsetzen?

Schließlich werden die Kameras an einem Handy immer besser und mittlerweile gibt es auch für kleines Geld einiges am Zubehör um das Handy auch am Teleskop zu verwenden.

Natürlich ist die Idee nicht neu und ich bin nicht der erste der auf diese Idee kommt. Ich möchte Euch aber heute einfach beschreiben, wie Ihr selbst mit dem Handy tolle Astrofotos machen könnt, was Ihr dafür braucht und auf was man dabei achten sollte.


Einführung

Noch vor 20 Jahren war die Astrofotografie ein wirklich schweres Gebiet in der Astronomie. Mit der Digitalisierung und dem Technologiefortschritt in der Kameratechnik wurde es immer einfacher und auch erschwinglicher.

Wer heute in die Astrofotografie einsteigen möchte, hat nicht mehr solch hohe Hürden zu bewältigen wie es damals der Fall war.

Eine Spiegelreflexkamera bekommt man relativ günstig im Fachhandel und die CCD (CMOS) Kameras für Planeten- und Mondfotografie sind mittlerweile auch auf einem Preisniveau, welches sich sehr viele Menschen leisten können.

Auch in den Smartphones und Handys hat sich die Technologie der Kameras weiter entwickelt und so gibt es Smartphonekameras mit Auflösungen von >15 MegaPixel.

Die Idee also sein Smartphone mal an das eigene Teleskop zu halten oder besser gesagt zu hängen ist also gar nicht so abwegig.

Man muss sich also nach der Anschaffung eines Teleskops nicht gleich noch in die Unkosten für eine Kamera stürzen. Vor allem dann nicht, wenn man doch ein wenig Geld am Teleskop gespart hat und daher eher eine Ausrüstung besitzt, die nicht wirklich für die Astrofotografie geeignet ist.

Natürlich sind der Astrofotografie mit dem Handy auch Grenzen gesetzt. So kann man oftmals die Belichtungszeiten oder die ISO-Empfindlichkeit in der entsprechenden Handy-APP nicht einstellen. Das macht die Aufnahmen mit dem Handy sehr schwierig.

Trotzdem gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten um doch entsprechende Fotos zu machen.

Handykamera für den Sternhimmel benutzen

Die einfachste Möglichkeit ist wohl das Handy einfach in den Sternenhimmel zu halten und ein Foto abzulichten. Natürlich kommt hier oftmals nicht viel raus und vor allem die dunklen Sterne werden von der Kamera nicht erfasst. Ab und an gelingt aber auch so eine gute Aufnahme.

So konnte ich gestern nur mit dem Handy bewaffnet die Internationale Raumstation ISS knapp neben dem Jupiter aufnehmen:

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Auf der linken Seite sieht man den Jupiter und auf der rechten Seite die ISS, die sich rasend schnell über den Himmel bewegte.

Einige helle Konstellationen kann man natürlich auch mit dem Handy ausprobieren. Es empfiehlt sich hier den Kameramodus für Nachtaufnahmen zu verwenden, da hier die Empfindlichkeit (ISO-Werte) steigen. Natürlich sollte man auf eine ruhige Hand oder besser eine Auflage achten.

Im letzten Jahr konnte ich so in den frühen Morgenstunden die Bewegung der Konstellation Jupiter-Venus-Mars über Berlin ablichten und das 4 Tage in Folge.

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Viel mehr dürfte aber auch mit einem guten Smartphone nicht drin sein. So habe ich trotz einer intensiven Suche keine einzige Milchstraßenaufnahme mit dem Smartphone gefunden. Ich glaube ja, dass sowas unter einem sehr dunklen Himmel möglich sein müssten, aber ohne ein Bild gibt es halt keinen Beweis.

Tipps: Fotostativ und Handyklemme

Mittlerweile gibt es Handyklemmen, die man auf ein Fotostativ schrauben kann. Das nimmt natürlich die Vibration aus dem Gerät und erlaubt es ruhige Bilder zu schießen. Verwendet man dazu noch seine Kopfhörer als Auslöser (2x auf die Minustaste), dann hat man auch gleich eine Kabelfernbedienung.

Solche Handyklemmen gibt es im Fachhandel schon für unter 5 € und die Anschaffung für Astrofotos lohnt sich dabei natürlich sehr.

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Handyfotos mit dem Teleskop

Wer sich gerade ein Teleskop gekauft hat, möchte oftmals auch das gesehen in einem Bild festhalten. Eine kurze Recherche zur Astrofotografie kann aber schnell zu Frust und Ernüchterung führen. Schließlich liest man dann meist sehr komplizierte Dinge wie Stacken der Videos, Nachführung ist nötig oder man sollte guiden. Wer mit diesen 3 Dingen schon nichts anfangen kann, der wird hier schnell das Thema Astrofotografie beiseite legen.

Warum aber nicht einfach mal die Handykamera an das Okular halten? Hierbei können so manches mal erstaunliche Ergebnisse rauskommen. So habe ich letztens erst ein Astro-Foto des Mondes an einem 6Zöller erstellt.

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Hierbei hielt ich einfach das Handy vor den Okularauszug. Mit etwas Übung und nach einigen Versuchen gelang das obige Bild.

Noch besser ging es auch am 20Zöller der Archenhold-Sternwarte. Hier war die Vergrößerung um einiges höher. Beide Bilder (oben und unten) sind mit meinem Handy frei Hand aufgenommen worden.

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Das ist natürlich eine ganz schöne Wackelei, aber man erkennt deutlich das Potential der Technik.

Möchte man diese Technik weiter ausbauen empfiehlt sich hier ein Smartphone-Adapter für das Teleskop. Diese Adapter ermöglichen die Befestigung des Smartphones direkt am Okularauszug des Teleskops. Dadurch wird die Wackelei mit der Hand vermieden und die Astrofotos mit dem Handy steigen in der Qualität noch einmal.

Da auch die Teleskophersteller das Potential dieser Art der Astrofotografie entdeckt haben, gibt es am Markt nun eine ganze Reihe von diesen Adaptern. Diese liegen im Normalfall zwischen 15 € und 50 €.

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Astronomie-Kollege und Blogger Volker Nawrath hat auf seinem Blog einen solchen Adapter getestet und zeigt dort sehr schön den Umgang und die Ergebnisse: [Update] Astrofotografie mit dem iPhone Teil 2: Magnifi Adapter

Wer sich die Grenzen dieser Astrofotografie einmal anschauen möchte, der sollte mal auf die Internetseiten von Andrew Symes gehen. Unter Petapixel findet man auch dort einen Artikel in englisch, bei dem die Möglichkeiten der Smartphone-Astrofotografie sehr schön gezeigt werden.

Smartphone Astrophotography: How I Capture the Moon and Planets with My Phone

Die Foto-APP des Smartphones

Bei der obigen Geschichte gibt es leider einen kleinen Nachteil. Die Kamera-APPs der gängigen Smartphones sind nicht für die Astrofotografie geeignet. Hier muss man entweder abstriche machen und konzentriert sich auf den Mond oder aber man besorgt sich eine entsprechend geeignete APP wie ProCamera (Apple) oder Open Camera (Android).

Es gibt natürlich noch wesentlich mehr APPs für diese Geräte. Wichtig ist einfach darauf zu achten, dass man Belichtungszeiten, Empfindlichkeiten und andere Parameter zum einstellen hat.

Erst damit kann ein Astrofoto mit dem Handy auch wirklich gelingen.

ProCamera-APP Webseite

Open Camera APP (PlayStore)

Ein Beispiel für die Verwendung einer extra Foto-APP bei Planetenaufnahmen findet man wieder im Blog von Volker Nawrath.: Jupiter am 01.02.15 mit Teleskop und iPhone

Filter

Zwischen dem Smartphone bzw. Handy und dem Teleskop befindet sich immer noch ein Okular, welches ja die Vergrößerung des Objektes angibt. Da die meisten Kameras trotz der Einstellmöglichkeiten für verschiedene Parameter trotzdem Probleme mit zu hellen oder kontrastarmen Objekten haben, empfiehlt sich die Anwendung von Farbfiltern.

Diese erhöhen meistens den Kontrast der Objekte und schaffen es dadurch mehr Details auf Mond, Planeten oder sogar im DeepSky zu zeigen.

Hier empfiehlt es sich einige Standardfarbfilter aus der Astronomie zu verwenden. Diese kann man später natürlich auch für die visuelle Betrachtung der Himmelobjekte oder sogar in der Astrofotografie mit Spiegelreflex oder Planetenkameras verwenden.

Solche Farbfilter gibt es in Sets schon für 20-30 €.

Solomark 1,25“ ( 31,7mm ) Farbfilter 4er-Set für Teleskop für 20,99 €* (bei amazon)

Bearbeitung der Bilder/Videos

Wer nun seine Aufnahmen mit dem Handy bzw. Smartphone erstellt hat, kann diese wie üblich mit der entsprechenden Software bearbeiten. Dabei kommen noch einmal Details zum Vorschein, die man auf dem Ausgangsmaterial oft nicht sieht.

Auch kann man am Mond oder Planeten die Videofunktion des Smartphones verwenden und fängt an die Bilder, wie in der Planetenfotografie, aufzuarbeiten. Dazu habe ich hier im Blog schon einmal eine Serie geschrieben und die Schritte sind dabei die gleichen:

Planetenvideo zum fertigen Astrobild (Anleitung Astrofotografie) – Teil 1: Analyse und stacken in Autostakkert2

Vom Planetenvideo zum fertigen Astrobild (Anleitung Astrofotografie) – Teil 2: Schärfen mit Registax6

Ich hoffe ich konnte Euch einen kleinen Einblick zur Astrofotografie mit dem Smartphone geben und hoffe nun auf tolle Bilder von Euch. Falls Ihr welche macht oder gemacht habt, schickt mir doch einfach einen Link oder stellt diesen unter dem Artikel als Kommentar ein.

Auch Anmerkungen zu Euren Erfahrungen sind wichtig. Ich konnte noch nicht alles testen und daher bin ich mir sicher, dass es hier noch einige Tipps und Tricks gibt.

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4 comments

  1. Rimi sagt:

    https://pbs.twimg.com/media/Cf3nm63WcAEQJiU.jpg:large <– nur zurechtgeschnitten und die Spiegelung vom Teleskop rückgängig gemacht, ansonsten unbearbeitet.

    https://pbs.twimg.com/media/CftsaxYW4AA0n7R.jpg:large <– die Spiegelung vom Teleskop rückgängig gemacht, zurechtgeschnitten und am PC etwas nachbearbeitet (Kontrast, Farbtiefe)

    Beide Bilder wurden Freihändig mit einem Samsung Galaxy S 5 durchs Okular geknipst.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Tolle Bilder! Freihändig ist schon so manches mal echt der Hammer. Wenn es aber klappt ist man meist noch viel mehr begeistert. Gratulation!

  2. Rimi sagt:

    Vielen Dank. :)

    Es war natürlich auch eine Menge “Trial and Error” dabei, und die Bilder geben natürlich nur Annähernd das wieder, was man mit dem Auge durchs Teleskop sieht (aber das brauche ich Dir ja nicht zu Erzählen ;) )

  3. airjam sagt:

    Hi Stefan, vielen Dank für die ganzen Infos. Hatte mich bis jetzt noch nicht wirklich mit dem Thema Astrofotografie beschäftigt. Zu dem habe ich die hohen Kosten für das passende Equipment gescheut. Ich glaube du bist gefühlt auch der Einzige, der das Thema Astrofotografie mit dem Handy ernst nimmt. Habe heute ein paar tolle Bilder vom Mond machen können, die zwar nicht auf einem Hochglanzkalender kommen werden, aber für mich vollkommen ausreichend sind.
    Benutzt habe ich die “open Camera app” und geknips habe ich mit einem Samsung Galaxy S5 aus der freien Hand.

    Weil das ganze schon sehr gut geklappt hat, werde ich jetzt einen Versuch mit der Actioncam “GoPro” starten.

    Auf jeden Fall schon mal vielen Dank für die vielen nützlichen Infos :-)

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