Die Lochkamera oder Astrofotografie so ganz analog (Solargraph)

imageIch bin sehr glücklich über die Digitalisierung in der Astrofotografie. Schließlich war es meistens ein Krampf mit analogen Film ein tolles Astrofoto hinzubekommen und das Entwickeln im Labor war immer ein Glücksspiel.

Trotzdem gibt es Projekte bei denen man doch wieder auf die analoge Fotografie zurückgreifen muss. Eines davon ist der Solargraph. Eine Lochkamera die sehr lange Belichtungszeiten hat und dabei die Sonnenbewegung dokumentieren kann.

In diesem ersten Artikel möchte ich den Bau eines Solargraphen beschreiben.


Die Lochkamera

Ein Astronomie-Projekt welches ich mir schon sehr lange vorgenommen habe, ist der Bau von Solargraphen. Im Endeffekt ist es nicht anderes als eine Lochkamera mit einem Stück Fotopapier drin.

Nun ist es mit den Astronomie-Projekten, wie es eben ist. Manches dauert ewig lange bis man es endlich mal realisiert. Mein Jugendclub in Berlin zwang mich nun aber dieses Projekt mal langsam anzugehen. Schließlich sollen die ca. 15 Kinder im Club eigene Solargraphen bauen.

Der Bau einer solchen Lochkamera ist nicht schwer. Trotzdem sollte man einige Dinge beachten und damit Ihr eine solche Lochkamera nachbauen könnt, beschreibe ich hier einfach mein vorgehen. Gehen wir doch einmal Schritt für Schritt an die Sache heran.

 

Schritt 1: Geeignete Dosen finden

Ich habe 15 Kinder im Jugendclub und daher brauche ich 15 Dosen. Ein wenig hin und her überlegt und der Zufall der Fußball-EM brachte mich auf die Idee, doch einfach kleine Coladosen zu verwenden. Gesagt, getan. Also habe ich mir 2 x 10er Pack Coladosen gekauft.

Größere Dosen sollte man für seine Lochkameras auch nicht verwenden. Eher sogar noch kleinere. In dem Video am Ende des Artikels seht Ihr eine Bauanleitung mit kleinen Filmdosen.

Schritt 2: Entdeckeln und sicher machen

Die Coladosen habe ich dann eine nach der anderen entdeckelt. Dazu habe ich einige Versuche gebraucht, um die richtige Technik zu finde.

Am einfachsten geht es wahrscheinlich mit einer Flex und einer Trennscheibe. Beides hatte ich nicht zu Hand, also habe ich es vorsichtig mit einem Cutter-Messer gemacht. Hier passt aber bitte wirklich auf. Es entsteht dabei ein sehr scharfer Rand.

Diesen Rand habe ich mit Panzer-Band abgeklebt und dadurch die scharfe Kante entschärft.

Schritt 3: Das Loch & der Deckel

Keine Lochkamera ist fertig, bevor nicht ein Loch in der Dose ist. Ich verwende für das Stechen des Lochs eine Nadel. Diese hat einen Durchmesser von ca. 1 mm. Man kann auch kleinere Löcher stechen, aber es ist mein erster Versuch und ich werde mir die Ergebnisse anschauen.

Die Dose muss natürlich auch später wieder verschlossen werden und daher bastelt man sich einfach einen Deckel. Dieser wird dann nach dem einsetzen des Fotopapieres wieder auf die Dose gesetzt und verklebt.

Schritt 4: Das Fotopapier

Neben dem Loch benötigt eine Kamera (und wir bauen uns ja einen eigenen Fotoapparat) auch irgendein Medium zum festhalten des Bildes oder zum Auffangen des Lichts.

Hierbei verwende ich eine günstige Variante und nehme Negativ-Fotopapier PE. Das habe ich in dem wahrscheinlich einzigen Laden in Berlin bekommen. Nach lange Suche und der Anstrengung meiner Twittertimeline, konnte ich den Laden “FotoImpex Berlin – Alles für die analoge Fotografie” ausfindig machen.

Nach einem tollen Fachgespräch und vielen Fremdwörtern, die mir als Digitalfotograf nichts sagten, hat mir der Ladenbesitzer das Papier ADOX Easy Print 312 in Matt mitgegeben. Hier kosten 100 Blatt eben nur ca. 20 € und das ist für mein erstes Experiment natürlich völlig ausreichend.

Es gibt eine ganze Reihe an anderen Empfehlungen an PE-Papier. Diese sind aber zum Teil sehr teuer und da ich nun erst einmal testen möchte, ist das glaube ich keine schlechte Wahl.

Hat man nun die Dose mit Loch vorbereitet, dann kommt das Einsetzen des Papieres dran.

ACHTUNG: Das Fotopapier MUSS in einem dunklen Raum ohne Fremdlicht eingesetzt werden. Denkt auch dran, dass Loch vorher abzukleben.

Wir Astronomen haben einen großen Vorteil gegenüber anderen Fotografen. Wir besitzen schon mal eine Rotlichtlampe. Diese wird verwendet um in einem Lichtdichten Raum das Papier in die Dose einzusetzen. Damit man keine bösen Überraschungen erlebt, sollte man sich vorher eine Vorlage zurechtschneiden.

Ich habe das in der Größe des Fotopapieres getan und konnte feststellen, dass ich das Fotopapier nicht mehr beschneiden muss. 1 Blatt mit 10,5 x 14,8 cm passt Ideal in die Coladose hinein.

Das Papier platziert man nun so in der Coladose, dass es das Loch nicht verdeckt. Anschließend kommt der Deckel drauf und fertig ist die Lochkamera. Oder wie wir sagen: Man ich hab mir mal ein Solargraphen gebaut!

Klingt viel spannender oder?

Schritt 5: Vogelsicher und Dose aufhängen

Bevor man nun rausgeht und die Dose an den nächsten Baum hängt, sollte man sich noch die Zeit nehmen und die gesamte Dose abkleben.

Vor allem Elstern und Raben stehen nämlich auf glänzende Gegenstände und daher werden die Lochkameras immer mal gern Opfer von Vogelangriffen.

Hat man die Dose Vogelsicher gemacht, kann man diese nun an einem beliebigen Ort aufhängen. Denkt daran das diese Kamera ein sehr großes Gesichtsfeld hat. Es sollte also sehr viel Himmel am Standort zu sehen sein, damit auch möglichst viel Sonne auf dem Film erscheint. Man kann noch ein schönes Vordergrundmotiv einbeziehen, muss es aber nicht tun.

Und vergesst nicht das Loch wieder frei zu machen, bevor Ihr nach Hause geht.

Nun heißt es warten.

4-6 Monate Belichtungszeit

Jetzt belichtet die Kamera viele Wochen und Monate lang. Wer seine Dose nach Süden ausgerichtet hat, kann nach der langen Belichtungszeit den Sonnenlauf am Himmel betrachten und sieht die Sommersonnenwende oder eben die Wintersonnenwende.

Bei Sonnenlaufaufnahmen macht es übrigens keinen Sinn länger als 6 Monate zu belichten, da die Sonne ansonsten wieder auf Ihren eigenen Bahnen wandelt.

Fazit

Damit endet mein erster Artikel zum Bau eines Solargraphen. Es ist ein wirklich spannendes Projekt und sobald mir Ergebnisse vorliegen, werde ich diese hier veröffentlichen.

Damit Ihr Euch die Zeit vertreiben könnt, habe ich aus meinen Linktipps der Woche noch zwei Videos herausgesucht.

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2 comments

  1. Ich habe über solche Cameras in der Schule wehrend des Unterrichts schon irgendwann gehört. Jetzt habe ich mich mehr mit dem Thema beschäftig und finde das Projekt sehr spannend, da braucht man nicht wirklich viel herumspielen. Das anzeige was wir brauchen ist Zeit, Geduld und einen Scanner um dann die Aufnahmen einzuscannen, um die zu bearbeiten

  2. Marc sagt:

    Ein schöner Bericht!

    Analoge Pinhole Photography im neuen Design – schaue mal auf unsere Webseite: http://www.vr-head.com

    Gruss

    Marc

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