Beobachtungsbericht: Doppelter ISS-Transit am 24.06.2016

Uberlagerung1_2Am 24.06.2016 war es endlich soweit. Ich wollte nun mal meinen ersten doppelten Transit der Internationalen Raumstation ISS vor der Sonne aufnehmen.

Der Ort war zwar nicht ganz ideal, aber dafür passte das Wetter super. Hier erfahrt Ihr nun alles über meinen doppelten ISS-Transit. Dabei nahm ich die beiden Überflüge gleich mal in unterschiedlicher Weise auf.

Die Ergebnisse und natürlich die eingesetzte Technik beschreibe ich in diesem Artikel.

 


Vorbereitung auf einen ISS-Transit

Der Transit der ISS selbst dauert ca. 1 Sekunde. Man hat also nicht viel Zeit für die Fotografie und muss sich daher gut vorbereiten. Dazu kommt noch das man einen doppelten Transit der Internationalen Raumstation nur von einem sehr engen Punkt aus beobachten kann.

Daher galt es sich auf dieses kleine Astronomieprojekt gut vorzubereiten.

Die Recherche auf der Plattform calsky.com zeigte mir einen doppelten ISS-Transit in der Gegend um Annewald, Templin. Das sind ca. 100 km von Berlin entfernt.

Mittels der Karten der Zentrallinie (Überflugsichtbarkeit) kann man den Schnittpunkt der beiden Transits sehen und weiß wo man hinfahren muss.



HINWEIS: Wer eine Anleitung für  für solche Transits benötigt, findet diese hier im Blog: Der Artikel heißt ISS-Bedeckungen von Sonne und Mond ermitteln. Dort zeige ich den Weg für diese Daten Schritt-für-Schritt.


Ich habe mir die Daten aus calsky mal per Screenshot gesichert. Damit kann ich Euch das zeigen.

Daten-Transit

Auf diesem ersten Bild sieht man die Anmerkungen und Hinweise von calsky.com zum doppelten Sonnentransit. Klickt man anschließend auf den Link Zentrallinie, bekommt man eine Google-Maps-Karte mit den entsprechenden Punkten angezeigt. Hier seht Ihr mal die beiden Karten für den doppelten ISS-Transit.

Zentrallinie1

Bild: Überflug 1 der ISS

Zentrallinie2

Bild: Überflug 2 der ISS

Nun ging es noch um die Frage, welches Equipment man für den ISS-Transit verwendet. Ich habe zwar (noch) ein H-Alpha-Gerät zu Hause, kann dieses aber nur mit Laptop und Planetencam betreiben. Daher bevorzuge ich für unterwegs immer meine Spiegelreflexkamera, die aber leider nicht am H-Alpha funktioniert.

Also blieb noch der 10Zöller, für den ich aber keinen Sonnenfilter habe. Also 4-Zoll-Refraktor mit 500mm Brennweite.

Teleskop: Skywatcher StarTravel 102/500 auf einer SkyView-Montierung.

Da der Transit nur 1 Sekunde dauert, habe ich auf eine Nachführung verzichtet. Als Kamera kam meine Spiegelreflexkamera zum Einsatz.

Kamera: Canon 600D mit T2-Adapter und angeflanschter 2xBarlow-Linse.

Die Barlow-Linse verlängert natürlich die Brennweite auf 1000mm. Ich weiß aber das ich damit sowohl Mond als auch Sonne gesamt auf den Kamerachip bekomme und damit keine Probleme mit der Aufnahme bekomme.

SonnenhutWie man auf der Karte sehen kann, musste ich ein wenig vor das Dorf Annewald, Templin. Hier machte ich den ersten Fehler. Natürlich führ ich bis nach Annewald mit dem Navi von meinem Auto und betrachtete in Google-Maps auch den Feldweg, der auf den Karten eingezeichnet war. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war der viele Wald. Ich dachte es gibt dort sicherlich ein paar Felder und bin deshalb einfach hingefahren.



TIPP: Wenn Ihr Euch Standorte raussucht, die Ihr noch nicht kennt, immer bei Google-Maps auf die Satelliten-Daten zurück greifen und schauen, dass Ihr dort freie Sicht zu den Objekten habt.


Ca. 2 Stunden vor dem ersten Transit machte ich mich also mit dem Equipment auf den Weg und natürlich durfte mein Sonnenhut nicht fehlen.

Ankunft und Standort

Mittlerweile war es schon 34° C warm und ich kurvte immer noch in diesem blöden Wald herum. Bis ich eine Lichtung gefunden hatte und kurzer Hand entschloss, dass hier ein guter Standort war.

Ich hatte noch ca. 25 Minuten Zeit und fing sofort an mein Equipment aufzubauen.

Teleskop

Der Himmel war blau und strahlend und ich konnte mich also auf den ersten Transit vorbereiten. Tja und dann war der erste Blick auf die Sonne doch wirklich mal enttäuscht und vor allem erschreckend. Es gab nicht eine einzige kleine Struktur (Sonnenfleck) auf der Sonne.

Hier der Beweis:

IMG_8694

Glatt und völlig Strukturlos. Wie soll man denn da bitte fokussieren? Ich konnte die Kamera nur auf den Rand ausrichten und dieser ist, wie man schnell feststellt, nicht wirklich gut um einen scharfen Fokus zu erwischen. Nun war ich 100km gefahren und einmal dort, also wartete ich kurz auf die ISS.

ISS Transit Nr. 1  – 13:35:18 Sekunden

Kamera hing, das Teleskop war ausgerichtet und ich war bereit die ISS zu fotografieren. Beim ersten Transit wollte ich die Serienbild-Funktion meiner Kamera testen und ob es damit möglich ist die ISS zu erwischen.

Die Transit-Dauer wird mit 0,59 Sekunden angegeben. Da meine Kamera ungefähr 3 Bilder/Sekunde schießen kann, sollten eigentlich 2-3x die ISS erwischt worden sein.

Die ISS flog auf einer Höhe von 468 km mit einer Höhe über Horizont von 59,9° und der Winkeldurchmesser betrug 59,1” (Bogensekunden).

Mein iPad lag im Kofferraum im Schatten und zeigte die Uhrzeit an. Ca. 10 Sekunden vor dem Transit drückte ich ab und die Kamera ratterte los. Hier muss man darauf achten, dass nach einer gewissen Zeit der Serienaufnahme die Geschwindigkeit langsamer wird, weil die Kamera mit Speichern nicht mehr nachkommt. Daher also nicht zu früh den Auslöser drücken.

15 Sekunden Bilder aufnehmen und alles war vorbei. Ob die ISS nun drauf ist oder unscharf ist oder gar nicht erwischt wurde, kann man erst hinterher prüfen.

Ein kurzer Blick im Auto zeigte mir aber 2 Bilder mit der ISS. Ich habe beide Bilder hier mal überlagert. Und man kann schön die ISS-Form sehen. Wie ich es aber vermutet habe, liege ich immer noch etwas neben dem Fokus.

Uberflug1

Bild: ISS-Transit

Die Kameradaten für die Bilder möchte ich Euch natürlich auch mitgeben. Belichtungszeit 1/800 Sekunden bei ISO 400. Das Bild ist etwas dunkel geraten. Daher könnte man hier die Belichtungszeit noch etwas anheben.

Jetzt hießt es 90 Minuten bei 34°C totschlagen und das in einem Wald voller Viecher. Die Bremsen und Fliegetiere gingen mir schon kräftig auf den Keks. Trotzdem musste ich ja die Zeit totschlagen, also ging ich spazieren. War schon schön im Schatten der Bäume. Natürlich nie zu weit weg vom Auto und dem Teleskop. Aber es war niemand in dem Wald unterwegs und von daher war ich ganz allein.

ISS Transit Nr. 2  – 15:11:22 Sekunden

Dann kam der Transit Nr.2 und ich entschied mich dieses mal die Videofunktion der Kamera zu verwenden. Schließlich wollte ich nicht wieder “nur” 2 Bilder haben, sondern mal ausprobieren ob ich nicht 25 Bilder/Sekunde aufnehmen kann.

Den Fokus habe ich so gut es ging am Rand der Sonne noch einmal angepasst und dann war es auch schon so weit.

Die Transitdauer betrug dieses mal nur 0,68 Sekunden. Die ISS war mit 47,7” auch etwas kleiner. Das werdet Ihr später auch beim Bildervergleich sehen. Die Entfernung mit 507,6 km war auch etwas höher. Höhe über dem Horizont lag bei 52,4°.

Ich startete die Videoaufnahme ca. 10 Sekunden vor dem Überflug und dem Transit und filmte einfach nur die Sonne. Auf dem Display konnte ich nicht erkennen und von daher wusste ich wieder nicht ob es geklappt hatte oder nicht.

Nur 1 Minute später baute ich schon ab und verlud alles wieder ins Auto. Als das abgeschlossen war, musste ich den Wagen erst einmal in den Schatten fahren und kontrollierte dann die Aufnahme. Ein kleines Juchu entfleuchte mir, als ich die ISS über den Kameramonitor flitzen sah.

Natürlich habe ich dieses Video heute bearbeitet. Die Ergebnisse seht Ihr hier:

ISS_Tranit_Ueberlagert

Hier kann man die ISS schon deutlich sehen. Ich habe mit meinem Videoschnittprogramm erst das Video zusammen geschnitten und dann alle Einzelbilder exportiert. Anschließend kann man mit Bildbearbeitung die Überlagerung der Einzelbilder machen und ein solches Ergebnisbild produzieren. Das sieht auf jeden Fall schon mal gut aus.

Ergebnisse, Bearbeitung und ein Video

Natürlich kann man nun noch mehr mit den Bilder anstellen. So kann man den Transit 1 mit dem Transit 2 zusammen packen und sieht die Größenunterschiede:

Uberlagerung1_2

Hier kann man jetzt auch die Daten bewerten.

Aber man kann sich auch mit einer geeigneten Videoaufnahme selbst ein schönes ISS-Video erstellen. Ich habe mal in einem Video die Originalgeschwindigkeit dargestellt und dann die Geschwindigkeit immer weiter verringert.

Schaut Euch das Video einfach mal an.

Nun gibt es von mir noch einen Tipp zum Abschluss.


TIPP: Beim ISS-Transit vor Mond und Sonne einfach die Videofunktion der Kamera verwenden. Dann bekommt man auch viele Bilder auf den Chip und kann tolle Spielereien damit anstellen.


Mal schauen wer noch so einen ISS-Transit vor der Sonne nun veröffentlicht. Meldet Euch doch einfach mal, wenn Ihr Eure Transit-Erfahrungen irgendwo beschrieben habt.

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6 comments

  1. Dieter Kunstpause sagt:

    Ich muss zugeben, dass das Beitragsthema meine Interesse weckte. Von ISS-Transit hörte ich nie. Den Artikel finde ich extrem interessant und sachlich.
    Vielen Dank für spannende Lektüre. Diese Thematik werde ich weiterhin in google rescherschieren. Wir erwarten neue Texte auf Clear-Sky-Blog!

    Beste Grüße

  2. Meinen Glückwunsch! Gelungene Aufnahmen bzw. ein sehr schöner Film.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Roland,
      vielen Dank für Deine Glückwünsche. :-)
      Geht bestimmt noch ein bisschen besser. Aber man kann sich ja entwickeln.
      LG Stefan

  3. Was mich erstaunt ist der gut sichtbare grössenunterschied dabei unterscheiden sich die Entfernungen gar nicht so dolle?

    Bei meinem Doppeltransit war der zweite fast 2x so weit entfernt. Daher hatte ich gedacht man sieht fast keinen Unterschied bei dir. Doll!
    https://plus.google.com/110212745595183837911/posts/96bLf1Dqkgg

    Hier mein Bericht (engl.)

  4. Frank sagt:

    Hallo Stefan!

    Herzlichen Glückwunsch, gleich zweimal die ISS vor der Sonne. Stark! Finde, Du hast aus der Ausrüstung auch richtig viel herausgeholt. Den Artikel muss ich mir merken, er erläutert sehr gut die Vorbereitung und wo die Tücken liegen.

    Tschüss, Frank

    PS: das Objekt auf den Aufnahmen erinnert mich irgendwie an einen Kinofilm. Hieß irgendwas mit “Star” …

    • Stefan Gotthold sagt:

      Danke Frank,
      ich glaube es geht noch ein wenig mehr an der Schärfe. Das war das größte Problem. So ohne Sonnenfleck ist die Fokussierung echt nicht einfach.
      Ich werde mal einige Doppeltransits im Auge behalten und mit Fleck gibt vielleicht noch ein bisschen was an der Qualität zu schrauben.
      LG Stefan
      P.S. An diesen Film musste ich auch denken ;-)

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