Was habe ich da am Himmel gesehen?

imageImmer wieder taucht vor allem bei himmelsinteressierten Menschen die Frage auf “Was habe ich da am Himmel gesehen?”. Im Sommer weniger als im Herbst oder Winter. Trotzdem bekomme ich regelmäßig die Anfragen zu bestimmten Himmelerscheinungen und natürlich das Interesse was man da am Himmel gesehen hat.

Natürlich können fast alle Sternenfreunde diese Frage schnell beantworten. Wie man das aber selbst herausbekommen kann und was wohl am Wahrscheinlichsten ist, möchte ich in diesem Artikel beschreiben.


Ein Lichtpunkt am Himmel

Entdeckt man als Nicht-Hobbyastronom einen Lichtpunkt am Himmel, der aus der Masse heraussticht, stellt man sich eben die Frage Was ist das wohl gerade?

Dieser Frage kann man als erstes mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit und einer gewissen Logik auf den Grund gehen. Sieht man also einen Lichtpunkt am Himmel, schaut man als erstes hin und kann entdecken ob sich der Lichtpunkt im Gegensatz zu den anderen Sternen bewegt.

Stern vs. Planet

Steht er still, bewegt sich also relativ zu den anderen Sternen nicht, dann hat man ein Himmelobjekt wie einen Stern oder einen Planeten entdeckt. Schaut man nun etwas genauer hin, kann man die Planeten meistens auch von den Sternen unterscheiden indem man das Blinkverhalten betrachtet. Blinkt der Lichtpunkt im Gegensatz zu den anderen Sternen schwächer, dann war es ein Planet wie Jupiter, Venus, Mars oder Saturn. Das sind die 4 Planeten die man mit dem bloßem Auge sehen kann. Der Merkur nimmt hier eine Sonderstellung ein. Er ist nur sehr schwer zu finden, da er entweder knapp vor der Sonne aufgeht oder knapp nach der Sonne untergeht. Er steht also immer im Osten (Sonnenaufgang) oder im Westen (Sonnenuntergang).

Ist der Lichtpunkt wesentlich heller als alle anderen Sterne, kann man nun schon davon ausgehen entweder Jupiter, Saturn (in Opposition) oder aber, wenn der Lichtpunkt sehr hell ist, die Venus entdeckt zu haben.

Weiterhin kann man die Planetenjagd auch über die Himmelsrichtungen einschränken. So gehen die Planeten, wie die Sonne in Richtung Osten auf, Laufen über den Süden und gehen in Richtung Westen unter. Befindet sich also der Lichtpunkt außerhalb dieser Bahn z.B. in Richtung Norden, dann war es kein Planet sondern ein Stern.

Bei sehr ruhiger Luft hilft aber das Blinken der Sterne nicht weiter, da auch dann die Sterne selbst sehr schwach blinken und so manches mal fällt dann die Unterscheidung schwer. Wie man dann später herausfindet, was man gesehen hat, beschreibe ich weiter unten.

Bewegender Lichtpunkt

Bewegt sich nun der Lichtpunkt über den Himmel, kann man wieder etwas genau hinschauen. Blinkt der Punkt rhythmisch, hat man ein Flugzeug oder ein Hubschrauber entdeckt. Das ist astronomische gesehen natürlich nicht besonders spannend.

Fehlt dieses Blinken aber und bewegt sich der Lichtpunkt auch noch sehr schnell von Westen in Richtung Osten, hat man mit großer Wahrscheinlichkeit die Internationale Raumstation ISS ins Visier genommen. Herzlichen Glückwunsch, Ihr habt ein künstliches Himmelsobjekt erspäht. Die ISS ist noch dazu sehr hell und nach dem Mond und der Venus das dritthellste Objekt am Nachthimmel.

Bewegt sich der Punkt nun über den Himmel und ist halt nicht so hell wie die Venus, dann habt Ihr einen der vielen Satelliten erspäht. Diese können in fast alle Richtungen unterwegs sein und verschwinden auch schon mal direkt am Himmel. Hierbei treten die Satelliten in den Erdschatten ein und werden damit unsichtbar.

Es gibt auch noch sehr spezielle Satelliten. Die Satelliten der Iridium-Klasse zum Beispiel. Diese erzeugen oftmals einen massiven Helligkeitszuwachs für eine kurze Zeit und fliegen dann relativ unspektakulär weiter. Dieser Lichtblitz wird auch Iridium-Flare genannt und wird von einigen Astrofotografen gejagt. Die Zeiten sind aber sehr gut bekannt und daher kann man sich auch gut auf Iridium-Flares vorbereiten.

Übrigens, ist das Leuchten nur von sehr kurzer Dauer, hat man wahrscheinlich eher eine Sternschnuppe gesehen und kann sich nun etwas wünschen. Hier sprechen wir von Sichtbarkeiten von wenigen Sekunden bis unter 1 Sekunde.

Die logischen Schritte habe ich hier noch einmal in Kurzfassung aufgeschrieben:

- Bewegung = künstliches Himmelsobjekt (Sternschnuppe ausgenommen), keine Bewegung = Stern oder Planet
- Bewegung: Blinkt es rhythmisch = Flugzeug, wenn nicht dann Satellit
- keine Bewegung: Flimmert es stark = Stern, wenn nicht ist es wahrscheinlich ein Planet
- steht es im Norden: kein Planet
- Ist es heller als die Sterne und bewegt sich = Internationale Raumstation
- Ist es heller als alle Sterne und bewegt sich nicht = wahrscheinlich Venus

Um nun genau herauszufinden was man da gesehen hat gibt es noch eine Software, die ich jedem nur empfehlen kann: Stellarium

Herausfinden was man gesehen hat mit Stellarium

Nun kann man aber nicht immer alle diese Beschreibungen im Kopf haben oder man hat diesen Artikel hier noch nicht gefunden, dann gibt es auch im nachhinein eine Möglichkeit herauszufinden, was man dort gesehen hat.

Das Programm dazu heißt Stellarium und man kann es kostenlos unter www.stellarium.org/de herunterladen.

Dieses Programm kann man nun verwenden um dem gesichteten Himmelobjekt auf die Spur zu kommen. Um nun herauszufinden was man dort gesehen hat, benötigt man zwei Informationen:

1. Datum und Zeit: Man sollte sich natürlich möglichst genau merken, wann man den Lichtpunkt entdeckt hat. Das ist vor allem bei Satelliten wichtig, da diese oftmals nur wenige Minuten zu sehen sind. Angaben wie: Gegen Mitternacht, helfen da oftmals nicht weiter.

2. Himmelsrichtung. War der Lichtpunkt statisch, reicht die Himmelsrichtung Norden, Osten, Süden Westen schon aus. Hat sich der Lichtpunkt aber bewegt, sollte man die Flugrichtung prüfen. Also das Objekt kam von Westen und flog nach Osten.

Jetzt kann man sich an Stellarium setzen und stellt diese Daten ein.

Standort in Stellarium auswählen (wichtig für Satelliten und ISS)

Schiebt man die Maus nach links, öffnet sich ein neues Menü. Der oberste Punkt zeigt eine Kompassrose. Klickt man darauf, öffnet sich das Standortfenster. Hier gibt man nun per Suche oder direkt seinen eigenen Standort ein.

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Uhrzeit und Datum einstellen

Als nächstes kann man die Uhrzeit und das Datum einstellen. Suche ich also ein Objekt aus der letzten Nacht, gebe ich die Daten in folgenden Fenster ein.

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Hat man alles eingestellt, zeigt die Software den aktuellen Himmel zur eingegebene Uhrzeit und Datum.

So kann man mit der Maus die Himmelsrichtung festlegen und zoomt am Besten noch etwas raus. Der Himmel gestern sah z.B. so aus:

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Satelliten und die ISS

Für Satelliten und die ISS gibt es ein eigenes Menü. Hierzu geht Ihr in die Einstellung und dort muss man nun folgende Schritte ausführen:

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Klickt auf Erweiterung –> Satelliten –> Konfigurieren. Damit öffnet sich das Satellitenfenster. Geht man auf den Tab Satelliten und sucht nach der ISS und klickt diese doppelt an, dann sieht man plötzlich alle Satelliten in Stellarium. Hier ist die selbe Ansicht von oben mit allen Satelliten

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Damit kann man also mit Stellarium alle Himmelsobjekte kontrollieren und schauen was man da am Himmel wohl gesehen hat.

Anleitung zu Stellarium

Eine detaillierte Anleitung zum Programm Stellarium findet Ihr auch hier im Blog. Im Artikel Einführung in das Planetariumsprogramm Stellarium gibt es von mir sogar eine Videoanleitung zu dem Programm.

Das funktioniert natürlich auch in die Zukunft. So planen wir Hobbyastronomen unsere Abende und sehen wann welche Objekte in den kommenden Nächten sichtbar sind. Also einfach mal laden und sich am Sternenhimmel erfreuen.

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2 comments

  1. Thomas Günther sagt:

    Beobachte seit 2 Jahren ca. seltsame lichter am nachthimmel habei auch ein Handy Video davon gedreht.
    Vorab kein Planet, Stern, oder Satelit 1.leuchtet in der selben Farbe wie Sterne abereits bewegt sich ungleich mäßig und schnell
    2.Bewegt sich wie eine Qualle im Wasser,
    oder ein Fisch?

  2. Thomas Wick sagt:

    Haltet mich für verrückt aber in Gusterath Rheinland Pfalz habe ich gerade 4 blitzartig blinkende Punkte am Himmel entdeckt, die sich wahnsinnig schnell von einer Seite zu anderen bewegt haben. Die Lichtblitze sind unregelmäßig aufgetreten. Es war definitiv kein “normales” Flugzeug.. 05.10.2017 21.00 uhr

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