Gastartikel: 100.000 KM-Test Skywatcher Maksutov 127/1500

Skywatcher Maksutov 127/1500Der Umgang mit einem Teleskop will geübt sein und da ich persönlich nicht alle Teleskope testen kann, freuen mich über Gastbeiträge zu den Erfahrungen der Hobbyastronomen immer besonders. Vor 2 Jahren schrieb Jürgen Stolze einen Gastbeitrag zu seinem Skywatcher Maksutov 127/1500 und ich durfte den Artikel hier veröffentlichen: Gastartikel: Praxisbericht Skywatcher Maksutov 127/1500 Skymax BD AZ-S GoTo

Nun hat Jürgen mir, aus eigenem Antrieb, einen zweiten Bericht geschickt. 2 Jahre Erfahrungen hat er mit dem Teleskop sammeln können. Solch eine Erweiterung freut mich natürlich umso mehr.

100.000 KM-Test Skywatcher Maksutov 127/1500

von Jürgen Stolze

Das gute Stück war mein erstes Teleskop. Hab lange überlegt, und mich umfassend vor dem Kauf informiert.

Wie steht es nun heute, nach gut zwei Jahren Erfahrung damit.

Den Skywatcher beurteile ich rundherum für ein robustes und gutes Gerät. Am Mond, der Sonne und Planeten macht er viel Freude. Das ist erstaunlich, da er bereits eine Havarie hinter sich hat.

Saturn mit dem Skywatcher Maksutov 127/1500 (Bild: Jürgen Stolze)

Saturn mit dem Skywatcher Maksutov 127/1500 (Bild: Jürgen Stolze)

Sonnenflecken mit dem Maksutov 127/1500 (Bild: Jürgen Stolze)

Sonnenflecken mit dem Maksutov 127/1500 (Bild: Jürgen Stolze)

Ich habe den eigentlich gut laufenden Fokusmechanismus noch verbessern wollen und hab einen Fokussiermotor angebaut. Eigentlich geht das nicht und ich hab gebastelt. Hab es auch hinbekommen. Nach einiger Zeit wollte ich die Befestigung des Motors noch weiter optimieren.

Hab ihn dazu von der Fokussierwelle genommen und das Teleskop neben mich gestellt. Hochkant. Auf dem Kopf. Das ging auch einige Zeit gut, bis ich einen lauten Knall hörte. Der Hauptspiegel war im wahrsten Sinne des Wortes abgestürzt. Grade in den Fangspiegel hinein. Er lies sich durch nichts überzeugen, seine alte Position wieder einzunehmen. Folglich musste ich den Tubus öffnen. Hab den Hauptspiegel mit einigem Kraftaufwand herausbekommen und dabei die Abschattung des Fangspiegels abgerissen.

Fazit:

  • Mir ist nun klar, dass der Hauptspiegel nur durch die Fokussierchraube fixiert ist. Nie lösen!
  • Mir ist nun klar, dass man einen Maksutov nur dejustieren kann, wenn man den Tubus öffnet und das Teleskop zerlegt. Nie öffnen!
  • Mir ist nun klar, dass man nicht leichtfertig mit Klebstoff am Fangspiegel herumschmieren sollte.

Ich habe lange in Berlin und der Umgebung suchen müssen, bis ich jemanden gefunden habe, der mir das Gerät wieder justiert hat. War recht aufwändig. Zumindest funktioniert er nun wieder weitgehend – auch wenn er arg ramponiert aussieht. Durch den etwas zu großzügig aufgetragenen Klebstoff im Fangspiegelbereich ist die Optik minimal eingeschränkt. Ist kaum bemerkbar. Hut ab vor dem Konstrukteur, Herrn Maksutov.

Auch wenn die Optik also nicht nur von Staub und Pollen gezeichnet ist, sondern auch von meinen Misshandlungen, sie tut was sie soll. Ein großer Pluspunkt für solide Verarbeitung und robuste Architektur.

Gewicht des Maksutov (Bild: Jürgen Stolze)

Gewicht des Maksutov (Bild: Jürgen Stolze)

Der Skywatcher ist jedoch für die seinerzeit im Paket gekaufte Montierung zu schwer. Er macht auf einer stabileren Basis sehr viel mehr Freude. Das liegt an der Brennweite von 1,50 Meter, die jeden Wackler gnadenlos registriert. Bei Nutzung einer 2x Barlow-Linse hantiert man mit 3 Meter Brennweite. Das ergibt sehr schöne Detailsichten, aber erst wenn das Teleskop wieder ruhig ist. Trotz der kompakten Bauweise kann sich hier auch schon ein Windstoß bemerkbar machen. Die mitgelieferte AZ-GoTo-Montierung ist mit dem Mak 127/1500 deutlich überfordert und bringt im Zusammenspiel mit dem Teleskop wenig Freude.

Im besten Fall kann man das eine „grenzwertige“ Zusammenstellung nennen.

Mit meinen kleineren Reise-Teleskopen arbeitet die Montierung jedoch viel besser zusammen und bereitet mir in diesen Kombinationen viel Freude. Bei den kleinen Fernrohren handelt es sich um einen Vixen VMC110l und einen Skywatcher Newton 100/400. Das sind Leichtgewichte mit denen die GoTo-Montierung hervorragend umgehen kann.

Die Montierung arbeitet sehr zuverlässig und ist leicht bedienbar. Ich habe sie vor einigen Monaten mal ein paar Kilometer vor Berlin richtig auf die Sterne einrichten können (Alignment).

Mit dieser Einstellung arbeite ich heute noch – auch in Berlin. Das geht deshalb, weil ich immer ein bestimmtes Bein des Stativs Richtung Norden stelle. Warum. Ganz pragmatisch deshalb, weil meine Balkonsternwarte eine perfekte Nord/Süd-Ausrichtung aufweist. Ich habe an den Stativbeinen Markierungen angebracht, wie weit sie jeweils ausgezogen werden müssen, um eine waagerechte Position zu bekommen. Da ich bei meinen Ausflügen ins Umland ja auch immer den Blick nach Süden habe, stelle ich automatisch die Montierung in der gleichen Richtung auf. Das hat also mit dem einnorden einer parallaktischen Montierung nichts zu tun. Die Montierung muss immer am Ende der Beobachtung in die Parkposition gefahren werden und nach dem Start wieder aus dieser „Parkposition“ heraus.

Skywatcher Maksutov auf Berliner Balkon (Bild: Jürgen Stolze)

Skywatcher Maksutov auf Berliner Balkon (Bild: Jürgen Stolze)

Das ist ein Menüpunkt der Synscan-Handsteuerung. Dann merkt sich die Steuerung die relevanten Koordinaten. Auch ohne Stromversorgung. Klappt hervorragend. Geht super fix. Bei der nächsten Beobachtung nur das aktuelle Datum und die Uhrzeit eingeben. Fertig.

Natürlich hat man einen gewissen Versatz. Das macht bei den Planeten jedoch nichts. Hier ist das Tracking wichtig. Man lässt sich also den gewünschten Planeten zeigen, fährt händisch dann zum wirklichen Standpunkt und die GoTo-Steuerung hält ihn im Bildfeld. Voraussetzung ist natürlich, dass man beim aufstellen der Montierung auf eine waagerechte Ausrichtung geachtet hat (Miniwasserwaage ist eingebaut) und das man die richtige Tracking-Geschwindigkeit angewählt hat. Man kann zwischen Solar, Sideral und Lunar (Sonne, Sterne, Mond) wählen.

Die Montierung ist leicht und verbraucht wenig Strom. Das ist für Außeneinsätze gut.

Fazit

Heute würde ich den Maksutov nicht mehr als Erstgerät empfehlen. Er ist mehr was für spezialisierte Mond und Planeten-Beobachter. Das liegt eindeutig an der großen Brennweite von 1500 mm und dem damit verbundenen kleinen Gesichtsfeld.

Ähnlich verhält es mit der Montierung. Heute würde ich einem Einsteiger die GoTo-Montierung nicht mehr empfehlen. Wichtig ist es, ausreichende Tragkraft zu haben. Ist das einsetzbare Buget für den Erstkauf also begrenzt, dann lieber in Tragkraft als in GoTo-Technik investieren. Die großen Objekte der Einsteigerzeit findet man auch leicht so. Schön ist dann noch ein Motor, der die Erddrehung ausgleicht und die Option für einen Polsucher (es geht auch ohne – visuell ohnehin).


Ich möchte mich natürlich auf diesem Wege wieder bei Jürgen bedanken. Da Jürgen zu dem Gerät keinen Preis erwähnt hat, möchte ich das an dieser Stelle nachholen. Das Gerät mit der angesprochenen Goto-Montierung kostet im Fachhandel um die 500 €.

Amazon.de Skywatcher Maksutov Teleskop MC 127/1500 SkyMax BD AZ-S GoTo* für 586,90 €.

Astroshop.de Skywatcher Maksutov Teleskop MC 127/1500 SkyMax BD AZ-S GoTo* für 503,00 €.

Den ersten Erfahrungsbericht von Jürgen findet Ihr hier: Gastartikel: Praxisbericht Skywatcher Maksutov 127/1500 Skymax BD AZ-S GoTo

Anmerkung der Redaktion

Für den Erfahrungsteil mit dem abstürzenden Hauptspiegel, habe ich Euch den Strahlengang herausgesucht. Hier seht Ihr die Bauweise und wohin der Hauptspiegel gefallen ist.

/1/ Maksutov-Bauart:

image

Strahlengang eines Maksutov-Cassegrain-Teleskops (Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Wikipedia: Maksutov-Teleskop

Eigene Artikel zum Maksutov 127/1500

Für eine kurze Zeit besaß ich selbst einen Maksutov der gleichen Bauart. Natürlich findet Ihr im Blog auch meine eigenen Erfahrungsberichte zum Mak. Vielleicht ist der Vergleich mit Jürgens Erfahrungen ganz hilfreich für den Teleskopkauf:

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