Tag-Und-Nacht-Gleiche, Mondphasen und unscharfe Planeten oder Warum die Flache Erde einfach nicht funktionieren will?

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen keine Artikel mehr zur Flachen Erde zu veröffentlichen. Zum einen liegt das an den sehr merkwürdigen Kommentaren und Diskussionen mit den Flachweltlern (siehe diesen Artikel) und zum anderen ist das Thema ja nun nicht wirklich passend in einem Astronomie-Blog.

Trotzdem muss ich feststellen das vor allem die Besucher der Flachen-Erde-Videos einige Zusammenhänge so gar nicht verstehen und damit den Flachweltlern Tür und Tor geöffnet ist Ihre zum Teil absurden falschen Gedanken zu platzieren.

Vielleicht wird dies der letzte Artikel dazu, vielleicht auch nicht. Heute geht es um einfache astronomische Zusammenhänge im Sonnensystem. Diese kann jeder selbst nachprüfen und nachvollziehen.


Tag-und-Nacht-Gleiche

Schon unsere Vorfahren haben sich mit der Bewegung der Gestirne auseinander gesetzt und haben beim Verlauf der Sonne über den Himmel festgestellt, dass hier über das Jahr hinweg ein Muster zu Grunde liegt. So gibt es im Jahresverlauf 4 wichtige Tage, die sogar in Kalendern wie Stonehenge oder aber mit dem Sonnenobservatorium Goseck festgehalten wurden.

Natürlich spreche ich hier von der Sommersonnenwende, der Wintersonnenwende und den beiden Tag-und-Nacht-Gleichen. Alle vier Tage markieren den Beginn der Jahreszeiten Sommer, Herbst, Winter und Frühling.

Was haben diese Tage nun aber mit der Flachen Erde zu tun? Ganz einfach. Diese 4 Tage sind von Jedermann gut zu beobachten. Wir nehmen uns dazu einfach die Tag-und-Nacht-Gleiche heraus. An diesen beiden Tagen besitzt der Tag und die Nacht genau die selbe Länge. Also ist die Nacht ca. 12 Stunden lang und der Tag ebenso.

Warum funktioniert das nun auf der Flachen Erde nicht so ganz? Dazu müssen wir uns die klassische und richtige Betrachtung des Models Sonne-Erde anschauen. Die Erde kreist um die Sonne und selbst eine annähernde Kugel. Ihr Achse (der Drehpunkt) zeigt dabei eine Schrägstellung von 23,5° auf und ist fast stabil in eine Richtung gerichtet.

Hier in diesem Video werden die Jahreszeiten, der Lauf der Sonne und auch die Tag-und-Nacht-Gleiche gut erklärt. In Minute 02:14 wird auf die Tag-Und-Nacht-Gleiche eingegangen.

Wer sich das Video nicht anschauen will, kann auch gern einen Blick auf die folgende Grafik werfen. Wir reden gerade über die beiden Punkte am 21. März und am 23. September.

Betrachtet man nun diese beiden Stellungen der Erde zur Sonne, stellt man sehr leicht fest, dass die Tag-Und-Nacht-Gleiche für alle Längengrade auf der Erde an diesem Tag gleich sind.

Hier geht also die Sonne in allen Städten und Orten mit dem selben Längengrad auf bzw. auch unter. Das gilt aber eben nur an diesen beiden Tagen.

Flache Erde und die Tag-Und-Nacht-Gleiche

Schaut man sich hingegen die Flache Erde und Ihre Karte dazu an, findet man sehr schnell heraus, dass hier etwas nicht passt. Ungeachtet der Form der Erde kennen wir die Tag-Und-Nacht-Gleichen schon über Jahrhunderte hinweg und jeder kann sich mit einer Uhr draußen hinstellen und die Zeit an den beiden Tagen selbst messen und damit die Tag-Und-Nacht-Gleiche beweisen.

Wie sieht es aber nun an diesem Tag auf der Flachen Erde aus? Ein Kollege aus den

Ein engagierter Hobbyastronom hat hierzu mal eine Grafik der Flachen Erde erstellt und zeigt dabei an 4 Orten was nicht so richtig passt.

image

Die Längengrade der Flachen Erde verlaufen vom Mittelpunkt nach außen. Die Ort A, B, C und D liegen dabei auf einem Längengrad. Bei A, B und C geht die Sonne auf und bei D geht die Sonne unter. Blickt man nun einmal auf den gelben Ball, der die Sonne auf der Flachen Erde darstellt, sieht man das der Abstand von der Sonne zu den Orten A, B und C doch recht stark unterschiedlich ist. Wenn also die Sonne in A, B und C gleichzeitig aufgehen soll, würde dies bedeuten das die Sonne diese Orte unterschiedlich bescheint.

Ich glaube hier kann ich schon aufhören es weiter zu beschreiben und überlasse Euch selbst darüber nachzudenken und zu versuchen die Flache Erde mit der Tag-und-Nacht-Gleiche in Einklang zu bringen.

Mondphasen

Immer wieder erhalte ich E-Mails und Kommentare bei denen gesagt wird, dass die Mondphase durch den Erdschatten hervorgerufen wird. Woher diese Falschaussage stammt, kann ich nicht sagen. Bisher habe ich dazu keinerlei Quellen gefunden. Behauptet wird aber das dies von den Wissenschaftlern und Astronomen behauptet wird.

Ich kann Euch versichern, dass kein Astronom oder Wissenschaftler so etwas behauptet.

So wie die Erde eine annähernde Kugelgestalt hat, ist auch der Mond ein kugelförmiges Objekt welches von der Sonne angestrahlt wird. Damit wird immer eine Halbkugel von der Sonne beleuchtet, während die andere Halbkugel im Schatten liegt.

Die Mondphasen entstehen nun Aufgrund der Stellung Sonne-Erde-Mond und zeigen sich, je nach Standort auf der Erde, eben als Vollmond, Halbmond oder Viertelmond.

Ca. 28 Tage benötigt der Mond um einmal um die Erde zu kreisen und von Vollmond zu Vollmond durch alle Phasen zu wandern. Das lässt sich durch einfach Beobachtungen des Mondes belegen.

Warum die Flachweltler nun behaupten, dass die Mondphasen durch den Erdschatten verursacht werden ist unklar und sehr viele kommen selbst auf den Gedanken das diese Aussage ja falsch sein muss. Schließlich sieht man den Mond auch Tagsüber zusammen mit der Sonne am Himmel stehen. Leider wird hier das Argument für die Erd-Schatten-Hypothese uns Astronomen zugeschrieben und damit eine nicht existierende Lüge aufgedeckt. War ich persönlich schon sehr kurios finde.

Die Mondfinsternis beweist die Runde Erde

Übrigens gibt es ein Ereignis bei dem die Erde wirklich Ihren Schatten auf den Mond wirft. Im September 2015 konnte man das sogar aus Deutschland aus beobachten. Bei einer Mondfinsternis steht die Erde, der Mond und die Sonne genau auf einer Linie und dabei wird der Erdschatten auf den Mond geworfen. Hierbei sieht man deutlich eine Krümmung des Erdschattens auf dem Mond. Was auch ein Grund unserer Vorfahren war auf die Kugelgestalt der Erde zu schließen. In meinem Artikel ScienceTweetUp, Teleskopworkshop, Sternenführung und sogar eine totale Mondfinsternis (Bericht vom 27.9./28.9.) findet man einige Bilder von mir persönlich mit ca. 150 Zeugen die zur Mondfinsternis mit mir durchs Teleskop geschaut haben.

Wer nun mehr über die Mondphasen wissen will, kann sich gern an einem Experiment versuchen. Man nimmt eine Taschenlampe, zwei ungleich große Kugeln und dunkelt den Raum ab. Schon hat man ein Sonnensystem und kann die unterschiedlichen Mondphasen selbst austesten. Damit funktioniert auch eine Sonnen- bzw. Mondfinsternis. Versucht es doch mal und seht selbst was passiert. Empfehle ja nicht nur ich, sondern diese Aufforderung kommt sogar von den Flachweltlern selbst. Auch wenn diese es eher selten tun.

Unscharfe Planeten

Die kurioseste Behauptung der Flachweltler ist übrigens ein Video mit unscharfen Planeten, aufgenommen durch ein Teleskop. Hier findet Ihr eines der vielen Videos zu diesem Thema auf dem Kanal eines der Mitglieder dieser Anhängerschaft: Flat Earth Flache Erde The real Venus above the flat plane Nasa Hoax

Hier zeigt der Videoersteller die Venus mit einer Videokamera aufgenommen und zoomt in das Bild hinein. Anschließend folgt der Glaube das er mit dieser einfachen Technik und ohne Verstand, muss man leider sagen, das aufgenommen Bild als echten Beweis für die Nicht-Existenz der Planeten darstellt.

Hobbyastronomen, die sich mit Teleskopen immer wieder anstrengen um scharfe Bilder der Planeten zu bekommen, kennen den im Link dargestellten Effekt. Hierbei wird nämlich das Teleskop mit Absicht unscharf gestellt um die Optik zu testen. Ziel ist es aber mit dem Teleskop oder der Kamera den Schärfepunkt zu finden.

So kann man sich dieses Video eines Hobbyastronomen mal anschauen. Dieser testet mit dem Unscharfstellen seine Optik und man sieht den Effekt sehr deutlich. Der Stern bläst sich auf und beim Fokussieren wird er immer kleiner, bis er ein Punkt ist. Dreht man nun weiter am Fokusrad, bläht sich der Stern wieder auf.

Nun kann man aber gern Fragen woher diese Bewegungen in den Streifen kommen. Das ist die Luftunruhe der Erdatmosphäre, die man hier deutlich wahrnimmt. Sie entsteht durch Temperaturunterschiede. Und wer hier nun mit dem Kopf schüttelt, schaut sich als nächstes dieses Video an und sieht das auch eine Hand mit einer höheren Temperatur vor einem optischen System für solche Streifen und Luftunruhen sorgen kann.

Hier sieht man also deutlich das optische System bestimmten Regeln unterliegen und man diese Effekte auch einfach erklären kann.

Fazit

Das schöne an den drei oben angesprochenen Themen ist aber, dass diese Effekte nicht nur erklärt werden können und mit der Flachen Erde absolut nichts zu tun haben, sondern das jeder Mensch alle drei Punkte selbst testen und überprüfen kann.

Für die Tag-Und-Nacht-Gleiche muss man halt ein wenig warten, aber das macht bei einer Geschichte von 2.500 Jahren Runde Erde ja nichts aus oder? Die anderen beiden Punkte, Mondphasen und Defokussierung, kann man jetzt schon selbst nachmachen und prüfen.

Messen und die Beobachtungen ausprobieren ist Wissenschaft. So arbeiten wir und werden auch immer arbeiten. Wenn zu einer These die Beobachtungen nicht stimmen, sind alle Wissenschaftler gern bereit den Fehler der These einzuräumen. Was übrigens in der Flachweltler-Szene nur sehr selten passiert.

Ich wünsche Euch wieder viel Spaß und viel Glück auf unserer schönen Erdkugel.

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2 comments

  1. ist nicht so wichtig sagt:

    Halli Herr Gotthold,
    sie schreiben in ihrem Artikel “…dass die Tag-und-Nachtgleiche für alle Längengrade auf der Erde an diesem Tag gleich sind”.
    Die verwendete Grafik der flachen Erde passt leider nicht zu dieser Aussage, da hier die Orte nur auf einem Längengrad liegen (würde passen, wenn es hieß …”für alle Breitengrade gleich”, was natürlich Unsinn ist).
    “Für alle Längengrade” impliziert, dass die Orte an der Tag und Nacht-Gleiche sich alle auf demselben Breitengrad befinden, was ja auch logisch ist. Einem (Hobby)astronomen sollte solch ein Fehler eigentlich nicht unterlaufen.
    Schöne Grüße
    Lukas.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Hallo Lukas,
      ich erkenne in meinen Aussagen keinen Fehler. Das die verwendete Grafik der Flachen Erde eben nicht zu meiner Aussage, die sich ja auf die Kugelgestalt der Erde bezieht, nicht passt ist ja genau das was ich damit aufzeigen wollte. Die Flache Erde passt eben nicht zu den beobachtbaren Sonnenlauf!
      VG
      Stefan

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