Gastartikel: Ein chinesischer Japaner – Vixen VMC110l (Jürgen Stolze)

IMG_2629Jürgen Stolze hat nun schon mehrfach für den Clear Sky-Blog geschrieben und seine Artikel zum Maksutov 127 sind sehr beliebt bei den Lesern hier. Wer seine Artikel noch nicht kennt, kann diese hier noch einmal anschauen: Gastartikel: Praxisbericht Skywatcher Maksutov 127/1500 Skymax BD AZ-S GoTo und Gastartikel: 100.000 KM-Test Skywatcher Maksutov 127/1500

Nun ist er meinem Aufruf gefolgt und hat ein weiteres Teleskop aus seinem Teleskoppark beschrieben. Dieses mal geht es um den Vixen VMC110l und was dieser am Himmel und bei der Astrofotografie leisten kann.


Ein chinesischer Japaner – Vixen VMC110l

von Jürgen Stolze

Datei 29.06.16, 10 12 52Der Name VIXEN hat einen guten Klang unter Astronomen. Die Japaner bauen nämlich sehr hochwertige Teleskope. Das VMC110 l wird allerdings in Lizenz in China gebaut. Das ist ein Grund, weshalb das kleine Teleskop zu einem sehr günstigen Preis angeboten werden kann. Die Fa. Vixen verheimlicht diesen Umstand nicht, schreibt das sogar auf den Tubus-Aufkleber . Das ist ja auch kein Makel, wenn man eine qualitätsgesicherte Produktion hat und die Konstruktion stimmt.

Mein Eindruck nach einem Jahr Praxis mit dem Teleskop : Top, alles gut.

Das Teleskop gehört zu meinen Lieblingsstücken. Weshalb ?

Die Vorteile des kleinen im Überblick :

  • Das Preis/Leistungsverhältnis ist sehr gut.
  • Solide Verarbeitung
  • Leichtgängiger Fokus
  • Scharfe Abbildungsleistung des (sphärischen) Hauptspiegels mit Maksutov
    Korrektor
  • Angenehm leicht und sehr handlich
  • Zum Lieferumfang gehört ein Leuchtpunktsucher
  • Zwei Okulardocks mit Umschaltung durch eine Klappspiegeleinheit

Nachteile :

  • Der Staubschutzdeckel ist sehr klein und benötigt Kraft und Geschick um ihn nach der Beobachtung wieder anzubringen.
  • Mit nicht einmal 5“ Öffnung geringe Lichtstärke

Das Teleskop kommt auf Grund der Maksutov-Cassegrain-Bauweise mit ca. 40 cm Länge aus. Dabei schafft es eine angenehme Brennweite von 1035 mm. Warum angenehme Brennweite ? Nun das ist einerseits so viel, um grade an den Planeten, dem Mond und der Sonne bereits viele Einzelheiten entdecken zu können. Es ist andererseits aber nicht soviel, dass man mit der Objektsuche und der Nachführung Probleme hat. Mit steigender Brennweite kann das durchaus – grad für Einsteiger – ein echtes Manko sein und einem das Hobby vermiesen. Trotz der wertigen Verarbeitung und der massiven Materialien ist das VMC 110l ein Leichtgewicht. Es bringt (ohne Kamera, Okular und Sucher) grade einmal 1,9 Kg auf die Waage. Foto 28.06.16, 09 39 30

Das macht den Transport zu einem Vergnügen. Durch das geringe Gewicht kann auch die Montierung und das Stativ leichter ausfallen. Das Teleskop ist zudem mit einem ¼-Zoll Fotostativ-Anschluss ausgerüstet. Also dem gängigen Standard. Zur Schnellbefestigung an einer astronomischen Montierung verfügt das VIXEN über eine Standard-Prismenschiene.

Vixen_OkularansHighlight des Gerätes sind die zwei Okulardocks. Es ist schon nervig, wenn man Fotos machen möchte und ständig zwischen Okular und Kamera wechseln muss. Das gibt unnötige Erschütterungen und das Objekt ist (bei mangelhafter Nachführung) auch schon wieder etwas weiter gewandert. Beim Vixen kann man Kamera und Okular gleichzeitig anschließen. Über die integrierte Klappspiegeleinheit, die leichtgängig bedienbar ist, schaltet man zwischen Okular und Kamera einfach hin und her. Das ist wirklich sehr effektiv. Am Okulardock, das direkt in der Lichtebene liegt, befindet sich auch ein T2-Anschluß für die Kamera. Der Tubus ist mit einer integrierten Tauschutzkappe ausgestattet. Ein nettes Gimmik das auch wirklich funktioniert. Ich hatte bei meinen Ausflügen in die Dunkelheit bisher nie mit Tau Problemen. Höchstens mal Eis auf Tubus und Mütze ;-)

Die Temperaturen sind ja bei Teleskopen nach Maksutov-Bauweise ein Thema. Die reinen Maksutov-Systeme sind geschlossen. Die haben vorne auch eine Scheibe, auf der ist der Fangspiegel aufgedampft. Daher dauert der Temperaturangleich zur Minimierung der Luftunruhe im Tubus viel länger als bei Newtons – Cassegrains. Das Vixen ist vorne offen – ist eben ein Cassegrain. Man muss als Nachteil aber die Haltestreben des Fangspiegels hinnehmen. Diese sind beim VMC 110l gebogen. Das soll sich positiv auf die Darstellungsfähigkeit auswirken. Auch das klappt gut. Ich hatte noch keine „Spikes“ auf meinen Fotos, die mit dem Vixen erstellt wurden.

2016_06_08_vmc110

Vixen_29.07.2015 23_11_15_Bailly

Ich bin sehr zufrieden mit der Handhabbarkeit und Mobilität des Teleskop´s. Wunder darf man bei der geringen Öffnung natürlich nicht erwarten. Die hier beigefügten Bilder zeigen, dass man schon ganz vernünftige Ergebnisse mit haben kann. Deep-Sky hab ich damit noch nicht probiert. Sehr helle Objekte mussten aber gehen. Durch die nicht zu lange Brennweite hat man immer noch ein gutes Gesichtsfeld am Himmel. Ich nehme dieses kleine Teleskop mit auf meine nächste Reise in die Alpen und freue mich schon auf die Erlebnisse.

Technische Daten:

Öffnung … 110mm
Brennweite … 1035mm
Öffnungsverhältnis … f/9,4
Auflösung … 1,05"
Grenzgröße … 12mag
Integrierter Klappspiegel
Tubus … D=119mm / L=360mm


Vielen Dank lieber Jürgen für die Einblicke in Deinen Teleskoppark und den Überblick über das Vixen VML. Ich denke auch das dies ein gutes Einsteigergerät ist.

Mal schauen ob Du wieder einen Langzeittest damit hinbekommst. Es würde mich auf jeden Fall freuen in 2 Jahren Deine Erfahrungen mit dem Gerät wieder zu lesen. Vor allem einen Bericht aus den Alpen.

Hinweis: Alle Bilder sind Eigentum von Jürgen Stolze und dürfe ohne seine Genehmigung nicht weiter verwendet werden!

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