Gastartikel: Planung einer Beobachtungsnacht (Jürgen Stolze)

Die Planung einer Beobachtungsnacht gehört einfach zur Astronomie dazu. Dabei gibt es immer wieder einiges zu beachten und man sollte versuchen nichts zu vergessen.

Jürgen beschreibt heute in diesem Gastartikel wie die Planung einer seiner typischen Beobachtungsnächte aussieht und was er dabei mitnimmt. Ich denke das dieser Artikel vielen Einsteiger helfen kann und bedanke mich natürlich sehr herzlich für einen weiteren Gastartikel eines Hobby-Astronomie-Kollegen.


Planung einer Beobachtungsnacht

von Jürgen Stolze

Foto 23.07.16, 14 55 22Die Himmelsbeobachtung ist immer wieder ein schönes Erlebnis. Ja, sogar auf dem Balkon oder der Terrasse. Es sind ganz andere Wahrnehmungen die man da draußen in der Nacht hat. Das können bestimmt viele von euch bestätigen.

Leider ist das Thema Sicherheit nicht außer acht zu lassen. Klar, auf heimischen Gebiet ist man da um einiges im Vorteil. Vorsicht ist immer geboten. Mir sind sogar Fälle bekannt, in denen Hobby-Astronomen auf dem eigenen Balkon angefeindet wurden, da sich Nachbarn durch das Teleskop beobachtet fühlten.

Es hat auch nichts mit Angst zu tun, wenn man Vorsichtig ist und sich genau überlegt, wo man seine eigenen Beobachtungen machen will. Ein sicheres Plätzchen sind natürlich auch immer die Sternwarten in der Region. Dort hat man zudem meist eine fachkundige Unterstützung. Natürlich muss man auch dort erstmal hinkommen. Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte z.B. ist nur über einen dunklen Weg auf den kleinen Hügel mit dem Namen Insulaner zu erreichen. Übrigens : ist ganz interessant sich mal mit der Entstehung dieses Hügels zu befassen.

Wer richtig dunklen Himmel möchte, muss schon etwas aus der Stadt heraus. Astronomen hüten zumeist ihre Lieblingsplätzchen in der freien Natur als Geheimnis. Wer in das Westhavelland fährt, bekommt auf den Internetseiten des Fördervereins „Sternenpark Westhavelland“ – einem von der Dark Sky Assoziation zertifiziert dunklen Areal – gute Tipps für 5 Beobachtungsplätze.

Um einen eigenen Beobachtungsplatz zu finden, eignen sich die Kartendienste des Internets sehr gut. Der Beobachtungsplatz sollte natürlich gut erreichbar sein. Nimmt man sein Teleskop und die notwendige Ausrüstung mit, dann braucht man eine Stelle, die mit dem Auto erreichbar ist. Je nach schwere der Ausrüstung und eigener Kraft, sollte der evtl. Fußweg auch bemessen und beschaffen sein.

IMG_2631Der Platz muss deshalb immer vorher im hellen besichtigt werden. Man muss ja auch feststellen, ob die Angaben aus dem Internet noch aktuell sind. Wie ist der Boden beschaffen, ist die Sicht ausreichend frei, sind störende Lichtquellen in der Nähe ?

Zur Sicht. Alle Himmelsobjekte werden tief im Osten sichtbar, steigen gegen Süden an und gehen in westlicher Richtung unter. Natürlich liegt das an der Umdrehung der Erdkugel um die geneigte Erdachse und damit unserer Sicht.

Eine Beobachtungsnacht mit einem astronomischen Programm vorzubereiten ist auch immer eine gute Idee. Also wann ist was In welcher Richtung sichtbar. Dann kann man planen, wann man vor Ort sein sollte. Damit ist dann auch klar, welche Sichtrichtung wichtig ist. Mache Objekte sind ja sogar im Norden.

Soviel schon mal zur Bestimmung des richtigen Beobachtungsplatzes.

Foto 23.07.16, 14 54 37Was nimmt man alles mit ? Logisch : das Fernrohr mit Montierung und Stativ. Okulare nicht vergessen und eine Barlowlinse. Ein Fernglas evtl. Wollte Ihr den Himmel mit nach Hause nehmen ? Wenn ja, dann also die Kamera einpacken. Sind die Batterien geladen und die Speicherkarte ausreichend frei ? Falls ihr eine Astro-Cam benutzt wird noch ein PC benötigt. Es ist ratsam, vor dem Ausflug die Programme upzudaten, eine evtl. WLAN-Funktion abzuschalten und für freien Plattenplatz zu sorgen. Bestimmt habt ihr auch eine Nachführung für das Teleskop. Das braucht alles Strom. Vorher also den „Füllstand“ prüfen und für Nachschub sorgen. Tipp : wer öfter solche Ausflüge macht sollte über eine große externe Batterie (Powertank) nachdenken.

Für das Equipment bietet sich eine Ablage an. Ich benutze dafür den Deckel meiner Transportkiste.

Wenn man sowas nicht einfach auf die Erde stellen will, dann sollte man an eine Unterlage denken. Für Malerarbeiten gibt es z.B. Filzunterlagen, die unten eine Plastikfolie haben, oder man nimmt eine ausgediente Badematte. Vorteil der Unterlage : man hat sehr viel weniger Staub und Erde an der Transportkiste. Ich habe auch ein Kniekissen dabei. Das ist sehr angenehm, wenn ich das Teleskop einnorde, also den Polarstern anvisiere. Da muss man ja zumeist sehr tief herunter um richtig anvisieren zu können.

Im Sommer bietet es sich auch immer an, an ausreichenden Mückenschutz zu denken. In vielen Gebieten gibt es Zecken die sich auf uns freuen. Also : immer lange Hosen und geschlossenes Schuhwerk anziehen.

Foto 23.07.16, 14 55 04Beim Auf- und Abbau ist eine Lichtquelle nützlich. Ist diese zu hell, muss man bis zu 30 Minuten warten, bis sich das Auge auf die nächtlichen Bedingungen eingestellt hat und uns gute Sichten gewährt. Man sollte also immer rote Lichtquellen benutzen. Die kann man (teuer) fertig kaufen oder man stellt sie selber her. Es gibt für Lampen extra rote Farbe zu kaufen. Für den Abbau sollte man allerdings schon eine helle Lichtquelle benutzen um möglichst nichts liegen zu lassen. Klar, wir Astronomen lassen evtl. Mal ein Kleinteil der Ausrüstung liegen, aber nie Abfälle.

Auf die Kleidung bin ich ja schon etwas eingegangen. Bitte auch immer warm genug anziehen. Auch im Sommer kann es Nachts empfindlich kühl werden. Lieber eine Jacke oder Weste mitnehmen. Kälte kriecht gerne von unten in den Körper. Also auch Augenmerk auf Schuhe und/oder Strümpfe geben.

Zumeist dauern Beobachtungstouren doch längere Zeit. Ihr solltet also ruhig an ein (alkoholfreies) Getränk und eine Kleinigkeit zum essen denken.

Zur Beruhigung der eigenen Seele und der Familie kann man auch an ein Tierabwehrspray einpacken. Ich hab allerdings noch nicht von Tierattacken (außer Mücken) auf Astronomen gehört. Auch Begegnungen mit Menschen waren bisher immer sehr positiv. Glücklicherweise und natürlich auch zu recht haben Astronomen ein positives Image. Wir gelten nicht als lärmend, zerstörerisch oder gewalttätig. Wir hinterlassen keine Abfälle. Man kann uns auch mal fragen, ob man auch mal durchs Teleskop sehen darf.

Ich wünsche euch viel Erfolg und Spaß bei euren Exkursionen in die Natur um mit eigenen Augen die Schönheiten des Alls sehen zu können.


Vielen lieben Dank Jürgen für die Einblicke in Deinen Beobachtungsalltag. Ich denke das hilft vielen Einsteigern bei der Ihren ersten Schritten in der Astronomie.

Wer gern seine Beobachtungsabende einmal hier im Blog beschreiben möchte, kann mir gern einen Bericht an info@clearskyblog.de zuschicken.

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