Warum der Supermond für viele Hobbyastronomen nicht so SUPER ist! (14.11.2016)

imageIn den Medien wie Zeitungen oder auch im Internet tönt es seit einigen Tagen: Größter Supermond seit 70 Jahren oder Am Montag gibt es den größten Supermond und viele weitere Schlagzeilen, die so oder so ähnlich klingen.

Ich finde es immer wieder toll, wenn astronomische Themen es in die Medien schaffen und auch beim sogenannten Supermond in diesem Monat ist es nicht anders. Aber ich finde es auch wichtig die Gegenstimmen zu den zum Teil reißerischen Nachrichten zu lesen und falls ich keine finde, eben selbst darüber zu schreiben.

Daher findet Ihr hier Gründe und Fakten zum Supermond und warum dieser vor allem für Hobbyastronomen gar nicht so super ist.


Die Fakten zum Supermond

Am 14. November 2016 gibt es erneut einen Vollmond. Das allein ist für die meisten Menschen nicht interessant. Doch in diesem Monat wird eben von einem sogenannten Supermond gesprochen.

Das ist nicht das erste Mal das die Medien einen Supermond deklarieren und damit einfach die Verkaufszahlen oder die Zuschauer erreichen wollen. Natürlich immer mit einer großen Portion “Nachrichten-Hascherei”. Da wird von einem riesigen Mond am Himmel berichtet und von einem Mond der seit 70 Jahren so nicht zu sehen ist.

Ich habe in den letzten Jahren hier im Blog häufiger über die Supermonde berichtet.

Der Supermond wird oftmals dann als Supermond bezeichnet, wenn er sich auf seiner Bahn der Erde nähert. Passiert diese Annäherung zu einem Vollmond, sprechen viele sofort von einem Supermond. Nun kommt der Mond mind. 1 mal im Monat in Erdnähe und eben auch in Erdferne. Das ist also nichts besonderes.

Der Mond wird am 14. November eine Distanz von 356.000 Kilometer zur Erde haben. Im Mittel liegt seine Entfernung bei 384.000 Kilometer. Man kann also schon sagen, dass er wirklich nach bei der Erde ist. Die Differenz beträgt ja schließlich 28.000 Kilometer zum mittleren Abstand.

Diese Differenz auf die Monddistanz berechnet, ist eben nicht wirklich viel.

Weiterhin wird der Mond ungefähr 33,5 Bogenminuten groß erscheine. Im Mittel ist er 3 Bogenminuten kleiner und liegt hier bei ca. 30 Bogenminuten. Wer kennt sich aber heute noch mit Bogenminuten aus? Eine Bogenminute ist der 60igste Teil eines Grads. Nehmt Euch mal ein Geodreieck und schaut Euch an, wie groß wohl 1 Grad ist.

Wer nicht aus der Astronomie kommt oder sich mit sehr großen Strecken beschäftigt, kann diesen Wert kaum fassen und sich vorstellen.

Alles in Allem wird der Supermond ca. 14% größter am Himmel stehen und ich bin mir sicher, dass es wieder viele Menschen gibt, die den Unterschied zu erkennen glauben. Man könnte aber Wetten abschließen, dass viele dieser Behaupter das auch bei jedem anderen Vollmond tun würde, würde man Ihnen vorher sagen das ein Supermond ansteht.

Die 14% Größenunterschied erkennt man allenfalls auf Fotos bei denen der Vollmond mal zu einer anderen Zeit fotografiert wurde. Ansonsten ist der Unterschied in der Helligkeit und in der Größe nicht wahrnehmbar.

Übrigens gibt es den nächsten Vollmond mit dieser Erdnähe erst wieder im Jahr 2034. Wer es nun hier in den Fakten ganz genau wissen möchte, den muss ich Enttäuschen. Zu dem genauen Zeitpunkt des Supermondes werden wir Ihn aus Deutschland gar nicht erblicken können. Schließlich ist der maximale Vollmond um 14:52 Uhr (MEZ) angegeben. Leider geht der Mond bei uns erst um 17:06 Uhr (MEZ) auf. Daher können wir uns nur einem Vollmond anschauen, der schon wieder seine Vollmondphase für mind. 3 Stunden verlassen hat. Tja, soviel zum Supermond. Und wer die Erdnähe nun auch noch genau mitnimmt, wird sehen das diese schon um 12 Uhr (MEZ) stattfindet. Hier kommt also der Supervollmond und die Erdnähe eben auch nicht zusammen. Nur um mal in die Details dieses Ereignisses zu gehen.

Warum der Mond für Hobbyastronomen nicht so super ist!

Nun berichten einige Medien davon, dass die Hobbyastronomen dem Ereignis des Supermonds entgegenfiebern. Tja, da ist irgendwie das Fieber an mir vorbeigegangen und auch einige meiner Kollegen aus der Astronomie-Szene lassen davon nichts merken.

Ja, ich gebe es zu. Falls das Wetter mitspielt werde ich ein Foto des sogenannten Supermondes machen. Das kommt in meine Astro-Datenbank und ich werde es mit anderen Vollmondaufnahmen vergleichen. Die Erdnähe finde ich spannend. Ansonsten hat der Supermond bzw. der Vollmond für Hobbyastronomen und Sternwartenbetreiber nur Nachteile.

Warum? Hier einige Gründe.

Grund 1: Bei Vollmond kann man kaum was anderes beobachten!

Der Vollmond mit seinem hellen Licht stört sowohl die Beobachtung als auch die Astrofotografie von wirklich spannenden und meist dunkeln Objekten. Hierbei wollen die Astrofotografen lichtschwache Himmelsobjekte wie Nebel oder Galaxien abbilden und können in dieser Nacht eigentlich nichts tun.

Auch in der Sternwarte stört das Licht des Mondes für die Himmelsbeobachtung. Er hellt den Himmel extrem auf und lässt dadurch viele Lichtschwache Objekte im Teleskop nur noch sehr fad erscheinen oder sie sind erst gar nicht zu entdecken.

Grund 2: Ein Vollmond ist sowas von unspannend!

Wer ein Teleskop besitzt schaut sich oftmals den Mond an. Die vielen Krater, Gebirge und Rillen auf dem Mond sind fantastisch anzuschauen und jeder der das erste Mal den Mond betrachtet, sagt BBBOOOAAAAHHHH! Nur eben bei Vollmond nicht.

Da die Sonnenstrahlen parallel auf den Mond fallen, werfen die Krater keine Schatten und ohne Schatten sieht man eben auch keine Strukturen. Beobachtet man eben den Mond bei Vollmond gibt es eher eine Enttäuschung als das tolle Boah! Daher finden vor allem Hobbyastronomen den Vollmond sehr unspannend.

Grund 3: Der Hype um den Supermond

Der dritte Grund kommt von dem Supermond selbst. Meine Familie, Freunde und viele Leute aus den sozialen Medien oder hier vom Blog sprechen mich auf den Supermond an. Schließlich liest man in den Zeitungen darüber und ich bin mir sicher, auch im Fernsehen oder Radio wird es am 14. November berichte zum Supermond geben.

Wir Hobbyastronomen lieben unser Hobby und zeigen und beschreiben gern allen Menschen die Schönheit des Sternenhimmels. Aber am Vollmond-Tag ständig das gleiche zu wiederholen und den Menschen zu erklären das der Supermond eben nicht Super ist, ist anstrengend.

Trotzdem möchte ich einige Tipps und positive Aspekte zum Vollmond am 14.11.2016 geben.

Fotografiert den Vollmond

khj2017Wer sich für die Himmelsfotografie interessiert, sollte mal den Vollmond fotografieren. Nicht mit dem Teleskop, sondern einfach nur so mit der Kamera. Wer ein Teleobjektiv / Zoomobjektiv besitzt, kann diese Art der Fotografie benutzen um tollen Aufnahmen mit viel Stimmung zu erstellen. Sucht Euch eine Anhöhe und schaut vorher wo der Mond aufgeht. Dann kann man mit einem Schloss oder anderen Gebäuden, Häuser, Windkraftanlagen oder Bäumen im Vordergrund tolle Stimmungsaufnahmen machen.

In meinem Artikel Himmelsfotografie für Jedermann: Der Mond gebe ich Tipps und Tricks zur Mondfotografie weiter.

Informationen zum Mond

Wer durch den Supermond-Hype der praktischen Astronomie näher gekommen ist, sollte sich zum Beispiel das Buch Kosmos Himmelsjahr 2016* oder schon Kosmos Himmelsjahr 2017* anschaffen. Dort findet man über den Mond und alle anderen Himmelsereignisse alle Informationen.

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4 comments

  1. “Ansonsten ist der Unterschied in der Helligkeit und in der Größe nicht wahrnehmbar” – dieses Märchen aus dem Mund eines Hobbyastronomen zu hören, schmerzt besonders, denn der Unterschied zwischen Peri- und Apogäums-Vollmond am Himmel, der immerhin 30(!) Prozent der Scheibenfläche ausmacht, ist sehr wohl zu erkennen und buchstäblich sehenswert. Dem Publikum diese interessante und lehrreiche Naturbeobachtung – die Elliptizität der Mondbahn mit eigenen Augen erkennen! – einfach auszureden, trägt nicht zur astronomischen Volksbildung bei. Was es mit dem “Supermond” diesen Monat tatsächlich auf sich hat, habe ich hier mal ausgiebig vorgerechnet – und am Ende Links zu Artikeln über die Sichtbarkeit des Perigäumseffekts.

  2. JW sagt:

    Schöner Beitrag :). Ergänzend noch dies:
    * Für die Größe des Mondes eine “Daumenpeilung” machen: Arm ausstrecken, Daumen hoch und den Mond anpeilen. Der wird vollkommen bedeckt, weil der Daumen etwa 2° breit ist.
    * Unser Astro-Stammtisch trifft sich immer am Mittwochabend in der Vollmondwoche; dann verpassen wir am wenigsten, wenn die Nacht mal klar sein sollte. Übrigens wurden in alten Zeiten die Feste meistens bei Vollmond gefeiert, weil man dann besser nach Hause fand (nix Straßenbeleuchtung).

    In den Sinne, allzeit Clear Skies, Euch Stern- und Mondsuchtigen!

  3. Jürgen Beisser sagt:

    Auch ich möchte mich dem Einwand von Daniel anschließen. Was aber offensichtlich niemand in der Presse bemerkt hat, ist, dass von der Presse überall nur die geozentrische Entfernung betrachtet wurde. Für einen Beobachter in Deutschland ergibt sich der größte Durchmesser des (allerdings noch nicht ganz vollen) Mondes bereits am Abend des 13. November.

  4. Jonathan sagt:

    Ich kann mich dem Artikel auch nur anschließen. Ich war beim genannten Datum wach geblieben und wollte es mir anschauen. Es war kaum etwas bemerkbar. Wäre ich bloß im Bett geblieben :-)

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