Ein Twitterbot für die Astronomie (WeRaBot)

Twitterbots sind spätestens seit der Wahl des US-Präsidenten Trump bekannt und haben eigentlich einen schlechten Ruf. Schließlich sind diese Softwareprogramme fähig Meinungen zu ändern oder unbemerkt von den Lesern vorzugaukeln, dass hier ein Mensch bestimmte Nachrichten schreibt.

Ich habe mich gefragt, ob ein solcher Twitter-Bot auch für einige gute Sachen eingesetzt werden kann. Zum Beispiel astronomische Infos posten, Bilder des Universums per Twitter verteilen oder sogar hilfreich bei der Suche nach z.B. der ISS (Internationalen Raumstation) am Himmel zu sein?

Aus einem kleinen Projekt wurde ein etwas größeres Twittertest. 1 Monat ist mein Twitterbot nun am Netz und daher möchte ich beschreiben, was ich dort tue.


Der Twitterbot @WeRaBot

WeRaBotMein Twitterbot trägt den Namen @WeRaBot (WeltRaumBot) und ist natürlich auch unter diesem Namen auf Twitter zu finden. Ich wollte den Bot nicht verstecken und habe daher auch in der Beschreibung des Profiles bei Twitter ganz aktiv den Bot hervorgestellt.

Geplant war eigentlich ein kleiner Codeschnipsel für meinen Clear Sky-Blog-Account, aber dann wollte ich ein Experiment starten. Kann ein Twitterbot ganz allein eine Fangemeinde aufbauen? Reicht es auf Twitter regelmäßig zu posten? Kann man mit astronomischen Informationen ein paar Leute begeistern? Was schreiben die Leute dem Bot?

Diese Fragen will ich klären und schauen wie sich ein solcher Bot entwickelt. 

Die Raspberry Pi hilft für den Bot

Das erste Problem was sich mir stellte, war der Cronjob-Algorithmus bei meinem Host-Anbieter. Ich hätte natürlich alles auf meinem Webspace laufen lassen können. Dann hätte ich solche automatischen Prozesse (Cronjobs) aber nur 1mal pro Stunde absetzen können. Das war mir zu wenig. Daher habe ich mir eine Raspberry Pi besorgt und damit einen kleinen Server mit Datenbank aufgesetzt.

Mein Twitterbot hat also einen Körper bekommen und sitzt nun an meinem Heimnetz. Hier kann ich nun mit PHP die Skripte programmieren und auf meine Datenbank zugreifen.

Die ersten Skripte waren schnell erstellt, aber was stellt man nun mit einem Twitterbot an?

Ziele und Funktionen des Twitterbots

Begonnen hat alles mit den Überlegungen zum Bot. Er (Sie) soll AstroInfos tweeten und das bitte regelmäßig. Eine Datenbank war schnell aufgebaut und mittlerweile gibt es dort über 80 astronomische Informationen. Von Distanzen der Planeten über Mondanzahlen bis hin zu Infos zur Raumfahrt, gibt es dort alles was das Astronomenherz höher schlagen lässt. Diese kurzen und nur 140 Zeichen langen Infos verteilt der Bot nun einmal pro Stunde und das den ganzen Tag über.

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Schnell kamen die Zeit-Tweets dazu. Wer ist wann geboren oder gab es tolle Ereignisse in der Vergangenheit. Der erste Algorithmus war schnell erstellt und dieser läuft nun Tagesaktuell und rechnet auch noch die entsprechenden Jahreszahlen aus.

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In dem obigen Tweet wird die Jahreszahl (25 Jahre) ausgerechnet und der Tweet wird in einem Jahr automatisch mit der Zahl 26 gepostet. Das alles kommt aus einer zweiten Tabelle in der Datenbank und wird eben auch von mir nach und nach gefüllt.

Die beiden ersten Ziele waren also recht schnell umgesetzt und der Rest ist eine Fleißarbeit. Hier muss ich die Datenbank einfach auffüllen und dann wird der Bot irgendwann nicht mehr angefasst.

Doch hat man nun einen solchen Bot, dann soll er doch auch reagieren. Das war eines der Ziele des Twitterbots, nachdem klar war das er allein auf einem eigenen Kanal laufen sollte.

Erst vor ein paar Tagen habe ich dem Bot das Liken beigebracht und anschließend auch die Begrüßung neuer Follower auf meinem Kanal. Diese Prozesse laufen natürlich in kürzeren Intervallen ab und sollen eben auf Änderungen reagieren.

#supportme – nicht alle Funktionen sind gut!

Etwas skeptisch bin ich noch bei einer Funktion, die ich erst am letzten Wochenende eingebaut habe. Wer an @WeRaBot einen Tweet mit dem Hashtag #supportme schickt, der bekommt dafür ein Retweet. Das heißt das WeRaBot hier direkt auf Nachrichten reagieren kann. Natürlich beinhaltet diese Funktion eben auch die Möglichkeiten des Missbrauchs. Wer hier also bestimmte, schlechte Infos an WeRaBot schickt, bekommt von Ihr trotzdem ein Like und ein Retweet. Das muss ich beobachten und zur Not eingreifen. Schließlich soll auch dieser Twitterbot die Astronomie nach vorn bringen und nicht politisch oder extremistisch Missbraucht werden.

Weitere Ideen für den Twitterbot

Eine große Idee ist noch der Einbau einer Funktion um den ISS-Überflug für angegebene Orte anzuzeigen. Dazu soll man @WeRaBot einfach eine Nachricht schreiben, z.B. “Wann sieht man die #ISS über #Berlin?” und WeRaBot soll diese Nachricht interpretieren und Überflugdaten der #ISS ausgeben.

Es gibt noch einige weitere Ideen und über Alle möchte ich noch nicht schreiben, aber es kann noch richtig spannend werden mit WeRaBot.

Vielleicht habt Ihr aber auch Ideen und wollt bestimmte Dinge mal automatisieren. Dann immer gern her damit. Ich bin offen für alles!

Der Twitterbot in Zahlen

@WeRaBot läuft nun seit dem 11. April 2017 ganz allein auf der Raspberry Pi. Natürlich programmiere ich an Ihr noch und werde einige Funktionen demnächst verbessern, anschalten oder erst implementieren.

Trotzdem generiert Sie schon Impressionen (Ansichten auf Tweets) oder bekommt neue Follower dazu.

In Zahlen sieht @WeRaBot aktuell (Stand: 08.05.2017) so aus.

92 Follower haben sich auf dem Twitter-Kanal eingefunden und die bisherigen Tweets – 720 an der Zahl) wurden 54.100 mal angeschaut. Sie hat 2930 Profilbesuche erhalten und wurde schon 202 mal von Followern erwähnt. Die Durchschnittlichen Impressionen pro Tag liegen genau bei 2.000! D.h. 2000mal werden die Tweets von @WeRaBot gelesen/gesehen und das jeden Tag.

Die Interaktionsrate liegt aktuell bei 3%, was ich für einen eingeschränkten Bot schon erstaunlich finde. Bisher hat Sie 128 Link-Klicks und 446 Retweets erhalten und sammelte 727 “Gefällt mir”-Angaben.

Man bedenke, dass dies alles nach nur 30 Tagen Laufzeit passierte. Ich bin sehr gespannt, wie sich WeRaBot nun weiterentwickelt.  Im Kopf stelle ich mir natürlich 100.000 Follower vor und damit auch die Verbreitung von AstroInfos und –News bei Twitter. Aber das ist sicherlich ein Wunschdenken und nur der vielen Programmierarbeit geschuldet.

Fazit

Das Experiment ist im vollen Gange und ich bin auf eine Auswertung im nächsten Jahr sehr gespannt. Ob ein Bot wirklich für die Verbreitung von astronomischen Themen geeignet ist, wird sich dann nach spätestens 12 Monaten zeigen.

Ihr könnt @WeRaBot natürlich auch folgen oder teilt doch Ihre #AstroInfos einfach bei Twitter.

Wie oben schon erwähnt, Wünsche und Anregungen werden gern entgegengenommen.

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2 comments

  1. Der WeRaBot ist ein faszinierendes Experiment. Schon der Grundgedanke, einen “guten” Bot als Antwort auf die vielen ekligen Politbots zu erschaffen ist super. Darüber hinaus bekommt man so immer viel wissenswertes zu lesen.
    Ich tweete ihm ab und zu was nettes, wissend natürlich, dass er es weder verstehen noch richtig antworten kann, ;-) Aber schön, dass er die Nachricht liket. Den supportme hashtag habe ich mal auspribiert, hat glaube ich, nicht ganz funktioniert, ich probiere es später noch mal.
    Tolle Arbeit und Danke für etwas Heiterkeit im Twitter-Feed.

    • Stefan Gotthold sagt:

      Danke Diana, das war der Hintergedanke…man kann mit solchen Bots eben nicht nur böses tun. :-)

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