Die erste Sternführung und die Zeitung kommt vorbei!

Endlich war es soweit. Die erste Sternführung mit Gästen stand an. Der Wetterbericht sagte gutes Wetter vorraus und wir hatten erst kürzlich Neumond. Beste Bedingungen also zum Sternegucken. Und noch eine Überraschung stand an, die Lokalzeitung hat mich für nächste Woche zum Telefoninterview eingeladen!

Die Milchstraße über der Beobachtungsplattform. Im Vordergrund ist das C10 zu sehen. Das Bild besteht aus 40 Bildern à 13s Belichtungszeit, 11mm Brennweite und ISO3200

Die Milchstraße über der Beobachtungsplattform. Im Vordergrund ist das C10 zu sehen. Das Bild besteht aus 40 Bildern á 13s Belichtungszeit, 11mm Brennweite und ISO3200

Vorbereitung

Es war den ganzen Tag über wolkenlos und es haben sich mittags schon Gäste zum “Star Gazing” angemeldet. Es schien nun also endlich ernst zu werden. Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon, obwohl ich an sich keine Angst vor unbequemen Fragen oder der englischen Sprache habe. Es war vielmehr die Angst, dass irgendetwas mit der Technik oder dem Wetter schiefgeht.
Nachmittags habe ich mir vorsichtshalber mit meiner Planetariumssoftware noch einmal den aktuellen Himmel angeschaut und wiederholt was ich alles erzählen möchte. Ich hatte mir überlegt nicht gleich mit Sternbildern anzufangen, sondern erst einmal kurz über Lichtverschmutzung zu reden und die Bedingungen hier mit dem Stadthimmel zu vergleichen. Viele Gäste kommen aus der Stadt und sind mit so einem sternübersähten Sternenhimmel nicht vertraut. Danach hatte ich geplant mit den bekanntesten Sternbilder weiterzumachen. Das bedeutet erst einmal den großen Wagen zu finden und damit den Polarstern und Norden bestimmen. Damit haben wir dann auch die anderen Himmelsrichtungen und wissen wie sich die Sterne am Himmel bewegen.
Darauf aufbauend wollte ich die Gäste fragen welche Sternbilder sie so kennen, um dementsprechend das Niveau anzupassen. Als mögliche Objekte im Teleskop hatte ich mir anschließend den Jupiter, Ringnebel, das Leotriplet und den Virgohaufen herausgesucht.

Nun denn, es wurde Abend und los ging es die ganze Ausrüstung auf die Plattform zu schaffen. So ein C10 mit azimutaler Montierung ist echt schwer. Wir werden mir da noch einen Handwagen oder etwas ähnliches kaufen, da ich wirklich Angst habe, dass mir die Ausrüstung doch einmal wegen dem Eigengewicht herunterfällt.
Nachdem alles aufgebaut war, habe ich den Sucher neu justiert und mich nochmal am Himmel orientiert. Auf die elektronische Steuerung und GOTO möchte ich erst einmal verzichten, da ich an den Vortagen immer wieder einen Error bekommen habe und nicht möchte, dass das mitten in der Vorstellung passiert. Mit der Hand bin ich eh fast so schnell wie das GOTO System.

Los geht es!

Nun ging es zurück ins Hotel die Gäste abholen. Die letzten 100m zur Plattform sind über einen Holzsteg der aus dem Wald heraus an ein Flussufer führt. Das ist ein wunderschöner Anblick wenn man aus dem Wald ans Ufer kommt. Trotzdem werde ich mir angewöhnen müssen meine Gäste darauf hinzuweisen lieber erst an der Plattform in den Himmel zu gucken, da man sonst schnell vom Steg fallen kann. Hoffentlich werde ich nie in die Situation kommen. Pünktlich um 22:30 Uhr standen wir auf der Plattform und es ging los.
Mein Programm habe ich wie oben schon beschrieben angefangen. Nach ca. 20Min ging es dann ans große Teleskop und dem Planeten Jupiter an den Kragen. Mit einem C10 ist Jupiter schon ein wahnsinnig toller Anblick. Ein bisschen stolz war ich schon, den Gästen so einen schönen Jupiter präsentieren zu können.
Danach ist es sehr locker geworden und wir sind immer weiter von meinem geplanten Programm abgekommen. Ich wurde von schwarzen Löchern, über außerirdische Intelligenzen bis hin zum Klimawandel ausgefragt. Da ist Improvisationstalent gefordert. In Zukunft wird das sicher nicht anders sein. Mein Programm gibt nur den roten Faden vor. Wenn die Gäste sich sehr stark für z.B. Planeten interessieren, werde ich ihnen natürlich den Wunsch erfüllen und alle sichtbaren Planeten abklappern anstatt z.B. das Leotriplet zu zeigen.
Nach Jupiter habe ich den Ringnebel in der Leier gezeigt, welcher auch ein toller Anblick mit der hohen Brennweite ist. Zum Thema Leben der Sterne bin ich aber nicht sehr in die Tiefe gegangen.
Danach wollte ich das Leotriplet zeigen um das Programm mit immer weiter entfernten Objekten abzurunden. Doch irgendwie habe ich im Sucher nur schwer was erkennen können. Das war komisch, da vor 5min noch alles in Ordnung war und ich das Triplet vor der Show ohne Probleme gefunden habe. Auch die Sterne im Teleskop waren neblig. Da dämmerte es mir: Tau hatte sich auf der Schmidtplatte und dem Sucher abgesetzt…
Warum habe ich nicht an eine Taukappe gedacht? Somit konnte ich das Leotriplet leider nicht mehr zeigen, was aber auch nicht so schlimm war, da den Gästen kalt geworden ist und sie wieder ins Warme wollten. Somit ging es zurück zum Hotel und ans Abbauen des Teleskops.
Am nächsten Morgen haben wir gleich eine Taukappe bestellt die hoffentlich noch diese Woche ankommt. Man lernt nie aus…

Die Zeitung kommt

Am Nachmittag kam mein Chef zu mir und erzählte mir ,dass die Lokalzeitung von Nova Scotia (Der Staat in dem sich das Hotel befindet) gerne ein Telefoninterview mit mir führen möchte. Ich habe ihm dann einen kurzen astronomischen Werdegang von mir geschickt den er an die Zeitung weitergeleitet hat. Nächste Woche werden wir uns kurz zusammensetzen und besprechen was wir alles erzählen möchten.
Ich bin wirklich gespannt wie das wird und werde euch davon natürlich berichten. Hoffentlich ist der Artikel auch ohne Kosten online zugänglich, sodass ich ihn euch verlinken kann.

CS euer Alex

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