Beispiel einer Sternführung

Mittlerweile habe ich schon um die 40 Sternführungen gehabt und nun wollte ich mal mit euch meine Erfahrungen und mein Programm teilen. Solltet ihr selber einmal eine Führung geben wollen, kann ich euch diesen Artikel für Tips und Tricks rund um das Thema nur wärmstens empfehlen.
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Und los geht die Sternführung!

Zu Anfang begrüße ich natürlich die Gäste, halte etwas Smalltalk und frage die Gäste ob sie warm angezogen sind. Auf dem Weg zur Plattform erzähle ich etwas zur geringen Lichtverschmutzung die wir hier haben und frage, wenn nicht schon geschehen, ob sie denn schon einmal durch ein Teleskop geguckt haben. So kann ich besser den Wissensstand herausfinden und die Tiefe meiner Erklärungen anpassen.
Generell empfiehlt sich für jede Art von Vortrag eine “vorhersehbare” Struktur. Das kann chronologisch, räumlich oder sonstwie sein. So können Zuhörer den Verlauf immer wieder erahnen, auch wenn sie einmal gar nichts mehr verstehen oder Teile nicht mitbekommen haben.
Bei mir ist es ein Mix aus chronologisch und räumlich. Ich fange in der Regel mit der Antike an. Die Leute von damals haben den selben Sternenhimmel wie wir gesehen, da 10.000 Jahre auf kosmologischen Skalen nur ein Wimpernschlag sind. Jedoch hatten sie keine Teleskope zur Verfügung und nicht unser Wissen. Trotzdem wollten sie Ordnung in den Himmel bringen und haben die Sternbilder kreirt. An dieser Stelle gibt es genug Sternbilder zu zeigen. Außerdem sollte man es nicht versäumen zu erklären wie man den Polarstern findet und was so besonders an ihm ist.

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Weiterhin erkläre ich wie sie den Unterschied zwischen Sternen und Planeten gefunden haben (Planeten haben nicht immer die selbe Position), auch wenn sie nichts genaueres über Planeten wussten. Das war die Antike. Danach gehe ich über zu Galileo Galilei und wie er das erste mal mit seinem Teleskop den Jupiter beobachtet hat. Ich schlage vor in seine Fußstapfen zu treten und das gleiche zu tun. Zwar sage ich das Jupiter im Teleskop zu sehen ist, frage die Gäste jedoch aus was sie alles sehen. Die galileischen Monde werden z.B. nicht immer gleich als Monde erkannt. Es ist immer wieder schön zu sehen mit welchem Entdeckergeist auch erwachsene Menschen an die Sache herangehen. Besonders wenn man ihnen nicht gleich sofort erklärt was sie sehen, sondern sie selber durch geschicktes Fragen auf die Antwort lenkt.

Interessant ist hier auch zu erklären wie man herausfindet, dass die Erde der dritte Planet in unserem Sonnensystem ist (Merkur und Venusphasen und keine Opposition). Natürlich kann ich das nicht direkt zeigen, jedoch ist es relativ einfach zu verstehen und verblüffend was man ohne Teleskop schon alles herausfinden kann (zumindest die fehlende Opposition).
Sollte der Mond zu sehen sein, darf ein Blick auf den Mond nicht fehlen. Der Mond kommt meiner Erfahrung nach leider deutlich besser an als Nebel oder verschwommene Galaxien.

Je nach Sichtbarkeit zeige ich noch Saturn ohne zu sagen welcher Planet zu sehen ist. Saturn wird immer erkannt, da er mit seinen Ringen der bekannteste ist. Meist kommt beim Blick durch das Teleskop der Ausruf: “I see rings! Thats Saturn! Wow, thats sooo cool!”
Die Freude ist viel größer wenn man nicht erzählt was für ein Planet zu sehen ist.

Danach gibt es 5min “Theorie”. Wir haben nun ja unser Sonnensystem abgeschlossen und wollen etwas weiter in unsere Galaxie vordringen. Um die Größenverhältnisse darzustellen skaliere ich das Universum im Maßstab 1:1 Milliarde herunter. Also entsprechen ein Meter in unserem Modell eine Millionen Kilometer in Wirklichkeit. Somit hat die Sonne einen Durchmesser von 1.4m, die Erde 1.2cm und sie ist 150m entfernt. Ich gehe so ein paar Planeten und ihre Entfernungen im Sonnensystem durch. Ein Lichtjahr entspricht dann ca. 950km und unser nächster Stern wäre ca. 4000km entfernt. Das ist einfach unvorstellbar weit.
Je nachdem wie viel Lust die Gäste noch haben kürze ich hier ein bisschen ab oder gehe weiter bis auf kosmologische Skalen im Modell.

Den Rest lasse ich offen je nach Sichtbedingungen und Interesse der Gäste. Bei Vollmond ist es natürlich wahnsinnig schwer die Milchstraße oder auch nur unsere Nachbargalaxie zu zeigen. Meistens zeige ich erst unsere Milchstraße und erkläre warum die Milchstraße so aussieht wie sie aussieht, wie wir ohne Teleskop erkennen können das wir nicht im Zentrum der Milchstraße sind und das die Milchstraße diskusförmig sein muss.

Weitere Objekte die ich gerne zeige sind der Herkuleshaufen, der Hantelnebel und die Strudelgalaxie (zwei Galaxien die miteinander verschmelzen). Der Herkuleshaufen und der Hantelnebel repräsentieren Objekte die noch zu unserer Galaxie gehören. An dieser Stelle erkläre ich bei Interesse den Lebensweg eines Sternes. Das muss man jedoch wirklich an den Wissenstand, Außentemperatur und die Zeit anpassen. Sonst verlieren die Gäste schnell die Lust. Auch sollte man sich davor hüten zu dunkle Objekte zu zeigen. Bleibe lieber bei den 10-20 Standardobjekten. Ein ungeübtes Auge sieht deutlich weniger. Es gibt genug Leute die bei super Bedingungen den Hantelnebel im 10″ Teleskop nur schwer erkennen können, geschweige denn von deutlich dunkleren Objekten.

Die Strudelgalaxie zeige ich zum Abschluss, da sie die Zukunft der Milchstraße darstellt. Auch wir werden einmal mit Andromeda, unserer Nachbargalaxie, verschmelzen. Hier kann man einen schönen Schlussstrich ziehen.
Das ganze Programm sind so ca. 60-90min.

Zusammengefasst

passe das Programm an den Wissensstand deiner Gäste an
- warm anziehen!
- halte deinen roten Faden
- stelle genug Fragen um keinen Monolog zu halten
- wähle nicht zu dunkle Objekte

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in meine derzeitige Arbeit verschaffen oder euch helfen wenn ihr eure eigenen Sternführungen durchführen wollt. Bei Fragen oder Anmerkungen schreibt mir einfach.

CS euer
Alex

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