Erfahrungsbericht zur Celestron SkyProdigy Montierung

Vor eineinhalb Jahren hat mir Stefan sein Celestron Omni XLT 127 Teleskop (Erfahrungsbericht hier) zusammen mit einer Celestron SkyProdigy Montierung geliehen, seitdem benutze ich beides regelmäßig und möchte hier meine Erfahrungen mit euch teilen.
Celestron SkyProdigy Montierung

Was beim Betrachten der Montierung zuerst auffällt, ist die eingebaute Kamera. Diese sorgt dafür, dass sich die Montierung von alleine einfahren lässt. Das Prinzip wird von Celestron „StarSense Technology“ genannt.
Die StarSense Technologie ist besonders für Einsteiger geeignet, da sich die Montierung ganz ohne Referenzsterne selbst ausrichten kann.
Allerdings funktioniert dies in der Praxis, vor allem in der Stadt, nur semi gut. Die Montierung fährt bei der Initialisierung zu drei verschiedenen Positionen, von denen aus die integrierte Kamera Aufnahmen des Himmels macht und so die Ausrichtung erkennt. Danach ist die Montierung justiert und man kann loslegen.

Das Problem der StarSense-Funktion ist jedoch, dass es gerade in der Dämmerung oftmals zu wenig Sterne gibt, die von der Kamera erkannt werden. In diesem Fall muss man die Kamera manuell ausrichten, sodass sie zu dunkleren Stellen schaut, um dort die Sterne zu erkennen. Das Ganze kann gut und gerne ein paar Minuten dauern. Geduld gehört bei diesem Hobbie einfach dazu.
Kamera SkyProdigy
Die GoTo Funktion, die über die Handsteuerung bedient wird, verfügt über eine enorme Datenbank. So lassen sich sämtliche Attraktionen sehr leicht finden. Für ganz Faule lässt sich die Montierung sogar per Celestron WiFi Adapter bedienen (gibts für ca. 145€ bei Amazon. Aus Spaß habe ich eines Winterabends das Teleskop bei meinen Eltern in den Garten gestellt und dann sowohl Spiegelreflexkamera als auch Montierung per Tablett ferngesteuert, während ich drinnen im Warmen saß.
Meines Wissens nach, ist das Justieren durch StarSense jedoch immer nötig, damit die Montierung automatisch nachführen kann. Gerade bei Vollmond und Dämmerung waren manchmal mehrere Anläufe nötig, bis es funktionierte. Gestört hat mich dies jedoch nur tagsüber beim Beobachten der Sonne bzw. des Mondes. Geht natürlich auch, aber halt ohne Nachführung.
Die Montierung hat laut Herstellerangaben eine maximale Nutzlast von 3,6kg, was also für den von mir benutzten Tubus (3kg) kein Problem ist. Selbst als ich eine Spiegelreflex am Teleskop montierte, funktionierte die Nachführung einwandfrei.

Man muss jedoch berücksichtigen, dass es sich hierbei um eine azimutale Montierung handelt. Das bedeutet, dass die Nachführung immer über 2 Achsen fährt und die Ausrichtung immer parallel zum Horizont verläuft. Somit wird nicht die Kreisbewegung des Himmels verfolgt. Wer also Astrofotografie betreiben möchte wird mit dieser Montierung nicht unbedingt glücklich. Natürlich sind Aufnahmen vom Mond und den Planeten trotzdem möglich. Nur Langzeitbelichtungen (die man für Deep-Sky-Aufnahmen braucht) sind hiermit nicht zu bewerkstelligen.

Im Vergleich zu einigen anderen Montierungen mit ähnlicher Tragkraft ist diese hier etwas anfälliger für Verwackelungen durch Wind, aber als wirklich störend habe ich das nie empfunden, gerade da ich hauptsächlich visuell oder mit dem Smartphone beobachte.

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Im Großen und Ganzen würde ich die Montierung hauptsächlich Anfängern empfehlen, die sich am Nachthimmel nicht so gut auskennen. Man kann nämlich für einen geringen Aufpreis schon parallaktische Montierungen mit GoTo-Funktion kaufen. Nur um ein Beispiel zu nennen: Die
Skywatcher EQ3 Pro SynScan mit GoTo gibts schon ab 560€ im Astroshop (jedoch nur 5kg Nutzlast).
Mir ist auch aufgefallen, dass es die SkyProdigy Montierung kaum noch irgendwo ohne Teleskop zu erwerben ist. Wer jedoch langfristig was von seiner Montierung haben möchte, dem empfehle ich ein leistungsstärkeres Model.

Fazit:
- Sehr anfängerfreundlich, da sich die Montierung selbst justiert und einfährt
- Dank großer Datenbank können viele „Attraktionen“ auch ohne Vorkenntnisse gefunden werden
- Lässt sich gut transportieren
- Keine Deep-Sky-Astrofotografie möglich (da azimutale Ausrichtung)
- Es muss dunkel sein, damit die GoTo-Funktion und Nachführung funktioniert
- Es gibt leistungsfähigere Montierungen im ähnlich Preissegment

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