Der Komet C/2019 Y4 (ATLAS)

Ein vielversprechender Komet bahnt sich ins Innere des Sonnensystems. Sein Name: C/2019 Y4 (ATLAS). Er könnte der Erste werden, der seit dem Kometen PANSTARRS im Jahre 2013 mit dem bloßen Auge am Nachthimmel sichtbar wird.
Aufnahme des Kometen C/2019 Y4

Aufnahme des Kometen C/2019 Y4 (ATLAS) vom 14. März 2020. Bild: Martin Gembec, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en).

Entdeckt wurde er am 28. Dezember 2019 von Hawaii aus mithilfe des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert Systems (kurz ATLAS). Damals war der Komet noch 2,5 Astronomische Einheiten (AE) von der Erde entfernt. Im Moment (Stand 02.04.2020) beträgt die Entfernung nur noch etwa eine AE. Somit ist der Komet mittlerweile dichter als unser äußerer Nachbarplanet Mars. Die geringste Entfernung zu uns wird der Komet am 23. Mai haben. Dann wird die Entfernung nur noch 0,78AE bzw. knapp über eine Million Kilometer betragen.
Das Jet Propulsion Laboratory (kurz JPL) hat auf seiner Webseite ein großartiges interaktives Diagramm veröffentlicht, welches den Bahnverlauf des Kometen sehr schön darstellt (Link hier). Ich habe dieses Diagramm mal dazu benutzt, um euch die Bahn des Kometen zu erklären.

Erstellt mithilfe von Material des Jet Propulsion Laboratories.

Wie kann ich ATLAS sehen?
Im Moment ist der Komet nur mithilfe von optischen Hilfsgeräten wie Teleskopen oder Feldstechern sichtbar. Die scheinbare Helligkeit liegt aktuell bei +7,7M. Ab etwa +6M könnte man ihn mit dem bloßen Auge sehen (was es mit der scheinbaren Helligkeit “M” auf sich hat erfährt man hier).
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die scheinbare Helligkeit bis zum 23. Mai zunehmen wird. Einige Berechnungen besagen, dass er Ende April womöglich mit dem bloßen Auge sichtbar sein wird. Am erdnächsten Punkt könnte er vielleicht sogar eine scheinbare Helligkeit von -6M erreichen und wäre damit sehr hell zu sehen. Dies ist bei Kometen aber immer schwer vorherzusagen, da die Helligkeit von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Ein Beispiel: 2013 war der Hype groß, dass man den Kometen ISON möglicherweise mit dem bloßen Auge beobachten könne, als ISON der Sonne jedoch näher kam zerbrach er.

Wo kann ich ATLAS sehen?
Zurzeit befindet sich der Komet ATLAS im Sternbild des Großen Bären (Ursa Major).
Position des Kometen ATLAS Anfang April

Mit der Zeit wandert er jedoch weiter durch das Sternbild Giraffe (Camelopardalis), Richtung Horizont. Man muss also nach Norden schauen. Am erdnächsten Punkt befindet sich der Komet von Deutschland aus betrachtet dann leider direkt am Horizont. Hier ein Bild, wo sich ATLAS Mitte Mai befinden wird:
Position des Kometen ATLAS Mitte Mai

Was ist eigentlich ein Komet?
Die Frage hat Stefan hier schon einmal beantwortet, aber ich fasse es auch nochmal kurz zusammen.
Kometen sind Himmelskörper, die oftmals nur ein paar Kilometer Durchmesser haben und sich die meiste Zeit über sehr weit außen im Sonnensystem aufhalten. Bestehen tun sie zum größten Teil aus Eis und Staub.
Sie haben meist stark elliptische Bahnen und kommen somit nur selten mal ins Innere des Sonnensystems. Bei vielen Kometen passiert dies nur alle paar tausend oder sogar paar hunderttausend Jahre.
Kommt ein Komet ins innere des Sonnensystems fangen sie meist an einen Schweif zu bilden, welcher immer von der Sonne weggerichtet ist. Dies beginnt oft, wenn sie etwa soweit von der Sonne entfernt sind wie Mars. Tatsächlich sind es meist sogar mindestens zwei Schweife die man sehen kann. Beide können mehrere Millionen Kilometer lang werden. Der Hauptschweif entsteht dadurch, dass elektrisch geladene Teilchen des Kometen den Sonnenwind (ebenfalls elektrisch geladene Teilchen) zum Leuchten anregen. Deswegen wird dieser Schweif auch Plasmaschweif genannt und ist immer von der Sonne weggerichtet.
Der zweite Schweif wird auch Staubschweif genannt. Er entsteht dadurch, dass der Komet wärmer wird und sich durch das Auftauen des Eises an der sonnenzugewandten Seite kleine Staub, Eis und Gasmoleküle ablösen. Dieser Schweif ist meist etwas diffuser als der größere Plasmaschweif. Auch er ist von der Sonne weggerichtet, da der Sonnenwind diese Moleküle von der Sonne wegträgt.
Wie groß so ein Schweif wird hängt auch damit zusammen wie oft so ein Komet in die Nähe der Sonne kommt, da er ja jedes Mal etwas Material verliert. Zusätzlich haben nicht alle Kometen die gleiche Zusammensetzung.

Fazit
Die Chancen stehen also gut, dass wir dieses Jahr einen Kometen am Nachthimmel sehen können. Die Erfahrung hat uns aber gelehrt, dass man sich bei Kometen lieber nicht zu früh freuen sollte, da die Sichtbarkeit von vielen Faktoren abhängig ist. Gelegentlich jedoch mal nach oben zu den Sternen zuschauen kann sich aber, gerade jetzt mit dem kommenden Kometen, sehr lohnen. Clear Skies!

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